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Bundeswirtschaftsministerin Reiche sieht mittelfristig sinkende Strompreise
Technik · 05.08.2026 06:53

Bundeswirtschaftsministerin Reiche sieht mittelfristig sinkende Strompreise

Kurz: Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche stellt eine Reform der Energiepolitik in Aussicht. Ziel sind sinkende Strompreise durch mehr Marktwirtschaft.

Reform der Energiepolitik: Fokus auf Kosteneffizienz

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche hat eine Neuausrichtung der deutschen Energiepolitik angekündigt. Im Zentrum der Pläne stehen eine umfassende Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) sowie ein neues Netzpaket. Ziel der Maßnahmen ist es, die Energiewende kosteneffizienter zu gestalten und den Wirtschaftsstandort Deutschland durch sinkende Strompreise zu entlasten.

Die Ministerin betonte, dass die Energiewende nur dann dauerhaft erfolgreich sein könne, wenn sie neben dem Klimaschutz auch die Bezahlbarkeit für Bürger und die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie in den Fokus rücke. Angesichts steigender Belastungen im Bundeshaushalt – derzeit fließen jährlich 17 Milliarden Euro in die EEG-Förderung – sei ein Kurswechsel unumgänglich.

Das Ende der Dauerförderung

Ein zentraler Aspekt der geplanten EEG-Novelle ist die Abkehr von einer unbefristeten Förderung. Reiche kritisiert, dass Altlasten aus früheren Förderentscheidungen, insbesondere aus dem Jahr 2014, den Haushalt noch über Jahrzehnte belasten. „Mein Ziel ist mehr Markt und weniger Dauerförderung“, so die Ministerin. Ab 2027 sollen beispielsweise neue kleine Photovoltaik-Dachanlagen unter 25 Kilowatt keine dauerhafte staatliche Förderung mehr erhalten.

Zudem soll das Prinzip der Vergütung für nicht genutzten Strom fallen. Bisher wurde auch Strom vergütet, der aufgrund von Netzengpässen nicht abgenommen werden konnte. Dieser Mechanismus soll schrittweise abgeschafft werden, um die Energiewende wirtschaftlich tragfähiger zu machen.

Netzoptimierung statt unkontrolliertem Ausbau

Die Netzentgelte gelten derzeit als einer der größten Preistreiber für Stromverbraucher. Die Ministerin führt dies auf einen ineffizienten Ausbau zurück, bei dem Anlagen oft unabhängig von der vorhandenen Netzkapazität errichtet wurden. Das neue Netzpaket sieht daher eine stärkere Steuerung vor: Windkraft- und Freiflächen-Solaranlagen sollen künftig bevorzugt dort entstehen, wo das Stromnetz die Kapazitäten bereits bereitstellt.

Durch diese gezielte Standortwahl sollen unnötige Netzausbaukosten vermieden werden. Zudem plant das Ministerium, die bisherige Auslegung der Netze auf eine Anschlusskapazität von 100 Prozent zu überdenken, da diese in der Praxis nur selten voll ausgeschöpft wird.

Ausblick auf die Preisentwicklung

Verbraucher müssen sich jedoch in Geduld üben. Laut Reiche sind spürbare Entlastungen erst in den 2030er Jahren zu erwarten. Die alten Förderzusagen wirken weiterhin nach, und der Abbau des sogenannten „Förderbergs“ benötigt Zeit. Neben den strukturellen Reformen sieht die Ministerin zudem die Gaspreise als entscheidenden Hebel. Eine diversifizierte und langfristig gesicherte Gasversorgung soll helfen, Preisschwankungen abzufedern und die Erzeugungskosten stabil zu halten.

Kritik und politische Debatte

Die Pläne der Ministerin stoßen auf ein geteiltes Echo. Während Industrieverbände, wie der Verband der Chemischen Industrie, die Abkehr von einem ungezügelten Ausbau begrüßen und die hohe Kostenbelastung des Standorts Deutschland hervorheben, formiert sich Widerstand aus der Umweltpolitik. Grüne und Verbände der erneuerbaren Energien warnen vor einem Ausbaustopp und befürchten, dass die gesetzten Ziele für die Energiewende durch die neuen Rahmenbedingungen nicht mehr erreichbar seien.

Reiche weist diese Kritik zurück und verweist auf die Investitionssicherheit der neuen Regelungen. Sie betont, dass die Novelle der Windbranche sogar einen Ausbau ermöglichen könne, der 12 Gigawatt über den ursprünglichen Planungen liege. Über 90 Prozent der deutschen Umspannanlagen böten bereits heute ausreichend Kapazitäten für neue Projekte, was den Ausbau in geeigneten Regionen weiterhin attraktiv mache.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/ingenieurin-mit-laptop-3862599/ · Foto: ThisIsEngineering
Quelle: https://www.heise.de/news/Bundeswirtschaftsministerin-Reiche-sieht-mittelfristig-sinkende-Strompreise-11399056.html?wt_mc=rss.red.ho.ho.atom.beitrag.beitrag