Was geschehen ist – die Kernmeldung
Das renommierte Auktionshaus Reiss & Sohn im hessischen Königstein im Taunus lädt vom 27. bis zum 29. Oktober zu seinen diesjährigen Herbstauktionen ein. Bei diesem bedeutenden Ereignis für den internationalen Kunstmarkt kommen mehr als 1750 Lose unter den Hammer. Das Angebot umfasst eine breite Palette an seltenen Büchern, wertvollen Handschriften sowie historischen Grafiken, die verschiedene Disziplinen wie Literatur, Wissenschaft und Kartographie abdecken. Die Auktionen ziehen regelmäßig Sammler aus der ganzen Welt an, die auf der Suche nach bibliophilen Kostbarkeiten und historisch bedeutsamen Dokumenten sind. In diesem Jahr stechen zwei thematisch in sich geschlossene Sammlungen besonders hervor, die sowohl sport- und kulturhistorisches Interesse als auch kunstgeschichtliche Bedeutung besitzen. Die Veranstaltung findet in den Räumlichkeiten des Auktionshauses statt und bietet einen umfassenden Einblick in die Vielfalt des antiquarischen Marktes, wobei die angebotenen Stücke ein breites Spektrum an Epochen und Themen abdecken. Die hohe Anzahl der Lose unterstreicht die Bedeutung von Reiss & Sohn als zentrale Anlaufstelle für den Handel mit seltenen Druckerzeugnissen und grafischen Arbeiten im deutschsprachigen Raum.
Die Einzelheiten – Zahlen und Fakten
Im Zentrum des Interesses steht die beeindruckende Sammlung des Münchners Rainer Köbelin, die sich vollumfänglich der Kunst des Fechtens widmet. Über Jahrzehnte hinweg trug Köbelin mehr als 850 Bände, Bilder sowie verschiedene Ephemera zusammen, die nun in 253 Einzellosen versteigert werden. Ein besonderes Highlight dieser Kollektion ist das Werk von Angelo D. Malevolti mit dem Titel „L'ecole des armes“ aus dem Jahr 1765, das mit 47 Kupfertafeln ausgestattet ist und mit einer Taxe von 1000 Euro angesetzt wurde. Die Einstiegspreise für die Lose aus diesem Themenbereich beginnen bereits bei 200 Euro. Ein weiterer Schwerpunkt der Auktion ist ein bisher unveröffentlichtes Brasilien-Konvolut. Dieses geht auf den in Berlin geborenen Kaufmann Carl Wilhelm Theremin zurück, der Anfang des 19. Jahrhunderts als preußischer Konsul in Brasilien tätig war. Sein Sohn Leon Theremin trat später in seine Fußstapfen und übernahm den Posten in Rio de Janeiro. Die Sammlung umfasst 22 Skizzenbücher beider Männer sowie ergänzende Dokumente. Für dieses Konvolut wird ein Erlös von 100.000 Euro erwartet, was den hohen künstlerischen und historischen Stellenwert der Skizzen unterstreicht.
Hintergrund – Die Entstehung der Sammlungen
Die angebotenen Sammlungen spiegeln die Leidenschaft und die Lebenswege ihrer ursprünglichen Besitzer wider. Rainer Köbelin hat mit seiner systematischen Zusammenstellung zur Fechtkunst ein Archiv geschaffen, das die historische Entwicklung des Kampfes mit der langen Klinge detailliert dokumentiert. Dass eine solche Sammlung über Jahrzehnte hinweg wächst, zeugt von einer tiefen wissenschaftlichen und ästhetischen Auseinandersetzung mit dem Thema. Im Gegensatz dazu ist das Brasilien-Konvolut eng mit der diplomatischen und familiären Geschichte der Familie Theremin verknüpft. Carl Wilhelm Theremin nutzte seine Zeit als preußischer Konsul nicht nur für seine amtlichen Pflichten, sondern dokumentierte seine Eindrücke in Brasilien durch zahlreiche Skizzen. Dass sein Sohn Leon Theremin diese künstlerische Tradition fortsetzte und ebenfalls vor Ort zeichnete, macht die Sammlung zu einem einzigartigen familiären und historischen Zeugnis einer transatlantischen Verbindung im 19. Jahrhundert. Diese Dokumente gewähren einen unmittelbaren Einblick in die Wahrnehmung Brasiliens durch europäische Augen in einer Zeit des Umbruchs und des wachsenden internationalen Austauschs, was ihren besonderen Wert für Historiker und Kunstsammler gleichermaßen erklärt.
Die Beteiligten – Personen und Institutionen
Die Auktion wird durch das Auktionshaus Reiss & Sohn in Königstein im Taunus organisiert und durchgeführt, das als spezialisierter Akteur für den Handel mit seltenen Büchern und Grafiken fungiert. Als zentrale Figur hinter einer der Hauptsammlungen tritt der Sammler Rainer Köbelin aus München auf, dessen langjährige Sammeltätigkeit den Grundstock für den Bereich der Fechtkunst bildet. Die historische Komponente des Brasilien-Konvoluts ist untrennbar mit dem Leben und Wirken von Carl Wilhelm Theremin verbunden, der als preußischer Konsul in Brasilien tätig war, sowie mit seinem Sohn Leon Theremin, der die diplomatische und künstlerische Arbeit in Rio de Janeiro weiterführte. Die redaktionelle Aufarbeitung des Ereignisses erfolgt durch Ursula Scheer, die als verantwortliche Redakteurin für das Ressort „Kunstmarkt“ bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung tätig ist. Diese Akteure bilden den Rahmen für die Veranstaltung, wobei das Auktionshaus als professioneller Vermittler zwischen den historischen Hinterlassenschaften und den heutigen Interessenten fungiert, die durch ihre Gebote über den Verbleib der wertvollen Objekte entscheiden werden.
Einordnung – Bedeutung der Auktion
Einzuordnen ist das Auktionsereignis als ein bedeutender Moment für den spezialisierten Kunstmarkt. Die Zusammenstellung solch umfangreicher Konvolute wie der Fecht-Sammlung Köbelin oder des Brasilien-Archivs der Theremins bietet Sammlern die seltene Gelegenheit, geschlossene Bestände zu erwerben, die sonst oft in privaten Händen verbleiben. Den Berichten zufolge ist die thematische Fokussierung ein wesentliches Merkmal der diesjährigen Herbstauktion bei Reiss & Sohn. Während die Fecht-Sammlung vor allem sport- und kulturhistorisch von hohem Interesse ist, besitzt das Brasilien-Konvolut eine starke kunsthistorische und diplomatische Relevanz. Der hohe Schätzwert für die Skizzenbücher verdeutlicht, dass der Markt für historisch belegte Dokumente und künstlerische Einzelstücke weiterhin stabil ist. Die Auktion fungiert somit nicht nur als Verkaufsplattform, sondern auch als ein Ort der Sichtbarmachung von bisher unveröffentlichtem Material, das durch den Verkauf nun einer breiteren Öffentlichkeit oder neuen privaten Sammlern zugänglich gemacht wird. Die Qualität der angebotenen Lose unterstreicht den Ruf des Hauses, seltene und wissenschaftlich relevante Objekte zu kuratieren und erfolgreich zu vermitteln.
Offene Fragen – Was der Quelltext nicht klärt
Obwohl der Quelltext einen detaillierten Überblick über die anstehenden Auktionen bei Reiss & Sohn gibt, bleiben einige Fragen unbeantwortet. Es wird nicht explizit dargelegt, aus welchem Grund die Sammlungen genau jetzt aufgelöst werden, ob sie aus Nachlässen stammen oder von den Sammlern selbst in den Handel gegeben wurden. Auch über die genaue Zusammensetzung der „weiteren Dokumente“, die das Brasilien-Konvolut neben den 22 Skizzenbüchern ergänzen, gibt der Text keine detaillierte Auskunft. Zudem bleibt offen, welche weiteren, nicht explizit genannten Themenbereiche die über 1750 Lose abdecken, da der Fokus des Berichts lediglich auf den zwei genannten Schwerpunkten liegt. Auch die Frage nach der Herkunft der übrigen Lose, die nicht zu den beiden genannten Sammlungen gehören, wird nicht weiter beleuchtet. Es bleibt somit ein gewisser Spielraum bezüglich der Vollständigkeit der angebotenen Objekte und der spezifischen Provenienz einzelner Stücke, die über die genannten Sammlernamen hinausgehen könnten. Diese Lücken sind jedoch in einem kurzen journalistischen Bericht, der sich auf die Highlights konzentriert, üblich und schmälern die Bedeutung der genannten Kerninformationen nicht.
Wie es weitergeht – Zeitplan
Die Herbstauktionen bei Reiss & Sohn sind für den Zeitraum vom 27. bis zum 29. Oktober terminiert. In diesen drei Tagen werden die mehr als 1750 Lose nacheinander zum Aufruf kommen. Interessenten haben bis zu diesen Terminen die Möglichkeit, sich über die angebotenen Stücke zu informieren und ihre Gebote vorzubereiten. Nach dem Ende der Auktionstage wird sich entscheiden, welche Bieter den Zuschlag für die bedeutenden Sammlungen erhalten haben und ob die angestrebten Taxen – insbesondere die 100.000 Euro für das Brasilien-Konvolut – erreicht oder übertroffen werden. Weitere Schritte, wie etwa die Übergabe der Objekte an die neuen Eigentümer oder eine mögliche wissenschaftliche Auswertung der erworbenen Dokumente durch die Käufer, schließen sich an das Auktionsereignis an. Für das Auktionshaus selbst markiert der Abschluss dieser Tage den erfolgreichen Abschluss der Herbstsaison, bevor die Vorbereitungen für kommende Auktionen beginnen.