Unterstützung durch die NASA nach Zwischenfall
Das Raumfahrtunternehmen Blue Origin erhält kurzfristig Unterstützung von der US-Raumfahrtbehörde NASA. Aufgrund einer schweren Explosion der Schwerlastrakete „New Glenn“ bei einem Testlauf Ende Mai ist die Startrampe LC-36A in Cape Canaveral derzeit nicht nutzbar. Die Schäden an der Infrastruktur sind so gravierend, dass Experten eine Reparaturdauer bis in das Jahr 2028 für möglich halten. Um den Zeitplan für das ambitionierte Raketenprojekt dennoch aufrechtzuerhalten, stellt die NASA dem Unternehmen nun Kapazitäten im Stennis Space Center im US-Bundesstaat Mississippi zur Verfügung.
Umrüstung des historischen Teststands
Im Rahmen dieser Kooperation wird der sogenannte B-2-Teststand für die spezifischen Anforderungen der New-Glenn-Oberstufen umgerüstet. Die NASA unterstützt Blue Origin dabei nicht nur mit der Bereitstellung der Anlage, sondern stellt auch Ingenieure, notwendige Ausrüstung sowie weitere technische Dienstleistungen bereit. Ziel ist es, den Betrieb für Blue Origin bereits im Herbst dieses Jahres aufzunehmen.
Der B-Test-Komplex im Stennis Space Center verfügt über eine bedeutende Historie in der amerikanischen Raumfahrtgeschichte. Die Anlage wurde in den 1960er Jahren für das Apollo-Programm konzipiert. Dort wurden unter anderem die erste Stufe der legendären Saturn-V-Mondrakete sowie die Triebwerke des Space Shuttles getestet. Zuletzt diente der Standort der Erprobung des Space Launch Systems (SLS), das im aktuellen Mondprogramm der USA eine zentrale Rolle spielt.
Strategische Bedeutung für die Mondmissionen
Die New-Glenn-Rakete ist ein wesentlicher Baustein für die langfristigen Ziele der NASA. Sie soll unter anderem die Mondlandefähre von Blue Origin in den Weltraum befördern und beim Aufbau einer dauerhaften Mondkolonie unterstützen. Die Zusammenarbeit zwischen der Behörde und dem Privatunternehmen wird von offizieller Seite als notwendiger Schritt im internationalen Wettlauf um die Vorherrschaft im All gewertet.
Laut NASA-Angaben ist eine enge Kooperation mit einer leistungsfähigen Privatwirtschaft entscheidend, um die US-Führungsrolle in der Raumfahrt zu sichern. Die Nutzung der vorhandenen staatlichen Infrastruktur durch Blue Origin soll dazu beitragen, die technologischen Fähigkeiten für künftige Mondlandungen und die Vorbereitung bemannter Marsmissionen zügig weiterzuentwickeln. Durch die Bündelung von Ressourcen soll sichergestellt werden, dass die Verzögerungen durch den Unfall in Florida die übergeordneten Ziele der US-Raumfahrtstrategie nicht gefährden.