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Bistum Fulda distanziert sich von homophoben Äußerungen eines Pfarrers
Regional · 01.08.2026 16:03

Bistum Fulda distanziert sich von homophoben Äußerungen eines Pfarrers

Kurz: Nach einem homophoben Leserbrief eines Pfarrers über den CSD-Anschlag in Berlin reagiert das Bistum Fulda mit deutlicher Distanzierung und Solidaritätsbekundung

Ein Vorfall mit weitreichender Signalwirkung

Ein pensionierter Pfarrer aus dem Zuständigkeitsbereich des Bistums Fulda hat mit einem Leserbrief in der Fuldaer Zeitung für Empörung gesorgt. In seinem Schreiben äußerte sich der Geistliche zu einem Anschlag auf den Christopher Street Day (CSD) in Berlin, bei dem eine Person getötet und 29 weitere teilweise schwer verletzt wurden. Der Pfarrer interpretierte die Tat als ein „Signal des Himmels“ und einen „göttlichen Aufruf zur Umkehr“.

Obwohl der Geistliche die Tat selbst als „Gräueltat“ einordnete, sorgte seine inhaltliche Verknüpfung für scharfe Kritik. Er bezeichnete den CSD in seinem Schreiben als „Parade der Schamlosigkeit“ und „Verherrlichung der Perversion“. Diese Äußerungen lösten sowohl innerhalb der Kirche als auch in der Öffentlichkeit eine Debatte über die Grenzen der Meinungsfreiheit und den Schutz der Würde von Opfern aus.

Positionierung des Bistums Fulda

Die Bistumsleitung reagierte zeitnah auf die Anfrage des Hessischen Rundfunks. In einer offiziellen Stellungnahme betonte das Bistum, dass die Ansichten des Pfarrers in keiner Weise die offizielle Position der Diözese oder ihrer Verantwortlichen widerspiegeln. Besonders die theologische Deutung des Anschlags als göttliches Handeln wies die Bistumsleitung entschieden zurück.

Die Kirche unterstrich ihren christlichen Auftrag, jedem Menschen – unabhängig von sexueller Orientierung oder geschlechtlicher Identität – mit Respekt, Achtung und Nächstenliebe zu begegnen. Das Bistum erklärte zudem, es sei inakzeptabel, wenn Menschen in Deutschland aufgrund ihrer Identität existenzielle Bedrohungen erfahren müssten. Stattdessen unterstützt die Diözese das friedliche Engagement des CSD, das sich für eine freiheitliche und offene Gesellschaft einsetzt.

Kritik an der Veröffentlichung

Auch die Fuldaer Zeitung, in der der Brief abgedruckt wurde, sah sich mit Kritik konfrontiert. Chefredakteur Tobias Farnung distanzierte sich in einer Kolumne von den Inhalten des Schreibens. Er betonte, dass eine pluralistische Gesellschaft zwar unterschiedliche Meinungen aushalten müsse, der Pfarrer mit seinen Äußerungen jedoch eine rote Linie überschritten habe.

Farnung kritisierte insbesondere, dass den Opfern des Anschlags durch die Argumentation des Pfarrers nachträglich die Würde entzogen werde. Durch die Umdeutung des Leids von einem Resultat menschenverachtender Gewalt hin zu einer vermeintlich verdienten göttlichen Warnung werde das Leid der Betroffenen relativiert. Die Frage, warum die Redaktion den Leserbrief in dieser Form abdruckte, blieb seitens der Zeitung zunächst unbeantwortet.

Offene Fragen zum weiteren Vorgehen

Derzeit bleibt unklar, welche Konsequenzen der Vorfall für den Pfarrer im Ruhestand haben wird. Es ist zudem nicht öffentlich bekannt, ob der Geistliche aktuell noch seelsorgliche Aufgaben wahrnimmt. Der Vorfall wirft grundsätzliche Fragen darüber auf, wie kirchliche Institutionen mit Äußerungen ihrer Amtsträger umgehen, die den offiziellen Werten der Kirche widersprechen. Da die Aufarbeitung des Anschlags in Berlin noch immer die Betroffenen und die Gesellschaft beschäftigt, wird die Debatte über die Verantwortung medialer Plattformen und kirchlicher Repräsentanten voraussichtlich weiter anhalten.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/rathaus-zittau-im-morgenlicht-deutschland-33000553/ · Foto: Niklas Jeromin
Quelle: https://www.tagesschau.de/inland/regional/hessen/hr-bistum-fulda-distanziert-sich-von-homophoben-aeusserungen-eines-pfarrers-100.html