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Azure und AWS direkt vernetzt
Technik · 02.09.2026 11:40

Azure und AWS direkt vernetzt

Kurz: Microsoft und AWS ermöglichen eine direkte, vereinfachte Netzwerkanbindung ihrer Cloud-Umgebungen. Die neue Schnittstelle befindet sich derzeit in der Vorschau.

Was geschehen ist: Die Cloud-Giganten rücken zusammen

In einer für die IT-Branche bedeutenden Entwicklung haben die beiden führenden Cloud-Anbieter Microsoft und Amazon Web Services (AWS) eine direkte Netzwerkanbindung zwischen ihren jeweiligen Cloud-Umgebungen angekündigt. Diese Kooperation ermöglicht es Kunden, private Verbindungen zwischen Azure und AWS einzurichten, ohne die komplexen Netzelemente eigenständig konfigurieren zu müssen. Bisher war die Kopplung zweier verschiedener Cloud-Infrastrukturen mit einem erheblichen administrativen Aufwand verbunden, der oft Wochen oder gar Monate in Anspruch nahm. Mit der Einführung von Azure Multicloud Interconnect und dem entsprechenden AWS-Pendant wird dieser Prozess nun deutlich vereinfacht. Die beiden Unternehmen nutzen hierfür eine offene API-Spezifikation, die eine Interoperabilität zwischen den Netzen ermöglicht. Aktuell befindet sich dieser Dienst in einer öffentlichen Vorschauphase. Während dieser Testphase ist die Bandbreite auf 1 Gbit/s begrenzt, und es werden keine Service Level Agreements (SLA) garantiert. Dennoch markiert dieser Schritt einen Wendepunkt in der Art und Weise, wie Unternehmen ihre multicloud-Strategien technisch umsetzen können, da die Anbieter die zugrunde liegende Provisionierung der Verbindung nun weitgehend übernehmen.

Die technischen Einzelheiten der Anbindung

Die neue Lösung basiert auf einer offenen API-Spezifikation, die AWS bereits Ende 2025 präsentierte und im April 2026 in die allgemeine Verfügbarkeit überführte. Microsoft hat diese Spezifikation nun für seine Azure-Plattform adaptiert. Der Prozess der Verbindungserstellung ist dabei in die gewohnten Cloud-Werkzeuge integriert. Auf der Seite von AWS erfolgt die Einrichtung über die Konsole, die Befehlszeilenschnittstelle (CLI) oder die API, wobei ein Direct Connect Gateway als zentraler Anbindungspunkt fungiert. Auf der Azure-Seite ist ein ExpressRoute Virtual Network Gateway zwingend erforderlich. Eine grundlegende technische Voraussetzung für das Funktionieren dieser Kopplung ist die Verwendung von getrennten, nicht überlappenden IP-Adressräumen. Dies ist essenziell, um sicherzustellen, dass Routing-Regeln eindeutig bleiben und Datenpakete nicht in den falschen virtuellen Netzwerken landen. Die Verantwortung für die Netzplanung innerhalb der eigenen Umgebungen – also die Konfiguration von Routen, Sicherheitsregeln sowie die Einbindung von VPCs oder Azure Virtual Networks – verbleibt weiterhin beim Kunden. Die Anbieter übernehmen lediglich die physische beziehungsweise logische Provisionierung der Verbindung, wodurch das manuelle Bestellen von Cross-Connects oder das Betreiben von BGP-Peering zwischen den Clouds entfällt.

Hintergrund: Warum die Vereinfachung notwendig war

Die bisherige Praxis der Cloud-Vernetzung war für Administratoren eine hochkomplexe Aufgabe. Um eine stabile Verbindung zwischen Azure und AWS herzustellen, mussten IT-Teams bisher eine Vielzahl von Schritten manuell koordinieren. Dazu gehörten das Einrichten passender Verbindungen, das präzise Abstimmen von Routing-Tabellen und BGP-Sessions sowie die Konfiguration von VLANs. Besonders problematisch waren oft die überlappenden IP-Adressbereiche, die eine direkte Kopplung von vornherein blockieren konnten. In Unternehmen, in denen unterschiedliche Teams für die verschiedenen Cloud-Umgebungen zuständig sind und separate Verträge bestehen, führte dies regelmäßig zu langwierigen Abstimmungsprozessen. Die neue gemeinsame Schnittstelle zielt genau darauf ab, diese Reibungsverluste zu minimieren. Indem Microsoft und AWS die zugrunde liegende Infrastruktur koppeln, können Kunden die Verbindung über ihre vertrauten Cloud-Werkzeuge verwalten. Diese Entwicklung ist Teil eines breiteren Trends zur besseren Interoperabilität, bei dem AWS seine Interconnect-Plattform bereits zuvor mit anderen großen Anbietern wie der Google Cloud und der Oracle Cloud Infrastructure verbunden hat. Die Übernahme der offenen Spezifikation durch Microsoft ist ein logischer Schritt, um den Anforderungen von Unternehmenskunden gerecht zu werden, die zunehmend auf hybride Multicloud-Architekturen setzen.

Die beteiligten Akteure und ihre Rollen

Die treibenden Kräfte hinter dieser Neuerung sind die beiden Cloud-Marktführer Microsoft und Amazon Web Services (AWS). Beide Unternehmen agieren als Plattformbetreiber, die die notwendige Infrastruktur für die Interkonnektivität bereitstellen. Auf der Anwenderseite sind IT-Administratoren und Cloud-Architekten die primär betroffenen Akteure. Sie profitieren von der reduzierten Komplexität, behalten aber die Verantwortung für die interne Netzplanung und Sicherheitsarchitektur. Die Zusammenarbeit erfolgt auf Basis einer offenen API-Spezifikation, die ursprünglich von AWS entwickelt wurde. Microsoft fungiert hier als Partner, der diese Spezifikation in seine Azure-Umgebung integriert hat. Die Entscheidungsträger bei beiden Unternehmen haben sich dazu entschlossen, die Provisionierung zu automatisieren, um den Kunden den Betrieb zu erleichtern. Während Microsoft die Ankündigung für Azure Multicloud Interconnect verantwortet, stellt AWS die Dokumentation für die Einrichtung und die notwendigen Voraussetzungen bereit. Die Zusammenarbeit zeigt, dass selbst direkte Wettbewerber im Cloud-Markt bereit sind, gemeinsame Standards zu etablieren, wenn dies die Nutzung ihrer Dienste für die Kunden signifikant verbessert und somit die Attraktivität der jeweiligen Cloud-Plattformen steigert.

Einordnung: Was bedeutet dieser Schritt für die Branche?

Einzuordnen ist diese Entwicklung als ein wesentlicher Fortschritt für die sogenannte digitale Souveränität und die Flexibilität von IT-Infrastrukturen. Den Berichten zufolge ist die Reduzierung der administrativen Hürden ein direktes Ergebnis der steigenden Nachfrage nach nahtlosen Multicloud-Strategien. Unternehmen müssen heute oft verschiedene Dienste kombinieren, um ihre Anforderungen an Sicherheit, Performance und Verfügbarkeit zu erfüllen. Dass Microsoft und AWS nun eine standardisierte Schnittstelle anbieten, bedeutet, dass die technische „Schatten-IT“ oder die Notwendigkeit für komplexe Workarounds abnimmt. Kritisch anzumerken ist jedoch, dass die aktuelle Vorschauphase noch deutliche Einschränkungen aufweist. Die Begrenzung auf 1 Gbit/s und das Fehlen eines Service Level Agreements machen den Dienst für unternehmenskritische Anwendungen in der jetzigen Form noch nicht einsatzbereit. Dennoch ist das Konzept wegweisend. Es zeigt, dass Cloud-Anbieter zunehmend erkennen, dass die „Lock-in“-Problematik – also die starke Bindung an einen einzigen Anbieter – durch bessere Interoperabilität abgemildert werden muss, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Nutzung offener Standards ist dabei ein entscheidender Faktor für die Akzeptanz bei den Kunden.

Offene Fragen und Lücken im aktuellen Informationsstand

Obwohl die Ankündigung viele technische Details klärt, bleiben einige Fragen unbeantwortet. So ist aus dem Quelltext nicht ersichtlich, welche konkreten Preismodelle für die Zeit nach der allgemeinen Verfügbarkeit (GA) geplant sind. Zwar ist die Vorschau kostenlos, doch wie sich die Kostenstruktur bei Bandbreiten von bis zu 100 Gbit/s gestalten wird, bleibt offen. Zudem gibt es keine Informationen darüber, ob und wie Sicherheitsaspekte bei der direkten Kopplung über die API-Spezifikation hinaus durch zusätzliche Verschlüsselungsprotokolle auf Anwendungsebene abgedeckt werden. Auch die Frage, ob weitere Cloud-Regionen zeitnah hinzugefügt werden, wird im Text nicht beantwortet; derzeit ist die Auswahl auf wenige Standorte wie Germany West Central und Frankfurt beschränkt. Ebenso bleibt unklar, wie genau der Support bei Störungen aussieht, die die Verbindung zwischen den beiden Clouds betreffen, da die Zuständigkeit bei zwei unterschiedlichen Anbietern liegt. Die Dokumentation konzentriert sich primär auf den Einrichtungsprozess, lässt aber Details zur Fehlerdiagnose bei komplexen Routing-Problemen vermissen. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Zusammenarbeit bei der Entstörung in der Praxis gestaltet, wenn die 1-Gbit/s-Grenze fällt und die Systeme produktiv genutzt werden.

Wie es weitergeht: Ausblick auf die allgemeine Verfügbarkeit

Der aktuelle Status ist als öffentliche Vorschau definiert, was bedeutet, dass sich der Dienst noch in einer Test- und Optimierungsphase befindet. Microsoft und AWS haben bereits angekündigt, dass die derzeitigen 1-Gbit/s-Verbindungen vor dem Erreichen der allgemeinen Verfügbarkeit (GA) wieder entfernt werden. Dies impliziert, dass Kunden, die den Dienst aktuell testen, ihre Konfigurationen für den produktiven Betrieb zu einem späteren Zeitpunkt anpassen müssen. Das Ziel der Anbieter ist es, bei der allgemeinen Verfügbarkeit deutlich höhere Bandbreiten von bis zu 100 Gbit/s anzubieten. Dies ist ein entscheidender Schritt, um die Lösung für datenintensive Anwendungen wie große Datenbank-Migrationen oder Echtzeit-Analysen nutzbar zu machen. Für deutsche Kunden ist die Anbindung derzeit über die Azure-Region Germany West Central und die AWS-Region Frankfurt möglich. Es ist davon auszugehen, dass mit der GA-Phase weitere Regionen weltweit hinzukommen werden. Die IT-Abteilungen sind nun gefordert, die Entwicklung zu beobachten und ihre Netzarchitekturen so vorzubereiten, dass sie bei einer breiteren Verfügbarkeit nahtlos auf die neue Schnittstelle umsteigen können, um die versprochenen Effizienzgewinne zu realisieren.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/reflexion-auf-dem-laptop-bildschirm-mit-code-34804011/ · Foto: Daniil Komov
Quelle: https://www.heise.de/news/Azure-und-AWS-direkt-vernetzt-11437967.html?wt_mc=rss.red.ho.ho.atom.beitrag.beitrag