Eine traditionsreiche Auszeichnung pausiert
Der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) hat bekannt gegeben, dass der „Deutsche Preis für Audiostories“ im Jahr 2026 nicht verliehen wird. Die Entscheidung markiert eine Zäsur für eine Auszeichnung, die auf eine lange Geschichte zurückblickt. Ursprünglich als „Hörspielpreis der Kriegsblinden“ bekannt, wurde der Preis seit 1952 jährlich an herausragende Hörspielproduktionen vergeben, die die künstlerischen Möglichkeiten dieses Mediums maßgeblich erweiterten.
Gründe für die Aussetzung
Die Absage der diesjährigen Preisverleihung ist auf strukturelle Veränderungen in der Trägerschaft zurückzuführen. Wie der DBSV mitteilte, ist der Verband gegenwärtig nicht in der Lage, die alleinige Verantwortung für die Durchführung des Preises zu übernehmen. Ohne die Unterstützung weiterer Partner fehlen sowohl die finanziellen als auch die personellen Kapazitäten, um die Veranstaltung in gewohnter Form umzusetzen.
Der Hintergrund dieser Entwicklung ist das Ende der langjährigen Kooperation mit der Film- und Medienstiftung NRW. Diese hatte den Preis über drei Jahrzehnte hinweg – seit 1994 – gemeinsam mit dem DBSV getragen. Bereits im Mai wurde bekannt, dass die Filmstiftung ihren Kooperationsvertrag fristgerecht gekündigt hatte. Zu diesem Zeitpunkt war das Schicksal der diesjährigen Verleihung noch ungewiss.
Unterschiedliche Perspektiven auf die Partnerschaft
Die Einschätzungen zur künftigen Ausrichtung des Preises gehen zwischen den Beteiligten auseinander. Während der DBSV den Ausstieg der Filmstiftung als Grund für die aktuelle Handlungsunfähigkeit anführt, betonte die Filmstiftung gegenüber dem Evangelischen Pressedienst (epd), dass sie sich keineswegs vollständig aus dem Projekt zurückziehe. Vielmehr sei die Entscheidung als Teil einer gemeinsamen Weiterentwicklung zu verstehen. Die Stiftung bekräftigte, dem Preis weiterhin als Förderer und Partner verbunden bleiben zu wollen, mit dem gemeinsamen Ziel, dessen Sichtbarkeit zu erhöhen.
Ausblick und nächste Schritte
Der DBSV befindet sich nach eigenen Angaben derzeit in einer aktiven Suchphase. Das Ziel ist es, neue Partner zu gewinnen, um die Kontinuität der Auszeichnung zu sichern. Die Verantwortlichen streben an, im Jahr 2027 wieder eine reguläre Preisverleihung durchführen zu können.
Die Auszeichnung hatte erst im Jahr 2025 eine bedeutende inhaltliche Neuausrichtung erfahren. Mit der Umbenennung in „Deutscher Preis für Audiostories“ wurde das Spektrum erweitert, um den Entwicklungen im Audio-Bereich Rechnung zu tragen. Erstmals wurde der Preis in drei Kategorien vergeben: „Innovatives oder künstlerisches Hörspiel“, „Fiktionaler Podcast“ sowie „Dokumentarischer Podcast“. Damit reagierte man auf die zunehmende Bedeutung von Podcast-Formaten neben dem klassischen Hörspiel. Ob diese Struktur in Zukunft beibehalten wird, hängt nun maßgeblich vom Erfolg der laufenden Verhandlungen mit potenziellen neuen Partnern ab.