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Ausstellung zu Karl Simrock und der Familie Grimm: Darf man das Nibelungenlied übersetzen?
Schlagzeilen · 26.07.2026 22:15

Ausstellung zu Karl Simrock und der Familie Grimm: Darf man das Nibelungenlied übersetzen?

Kurz: Eine Bonner Ausstellung beleuchtet die ungewöhnliche Freundschaft zwischen Karl Simrock und den Brüdern Grimm sowie die Debatte um die Übersetzung alter Texte.

Eine wissenschaftliche Annäherung

Das Verhältnis zwischen dem jungen Juristen Karl Simrock und den renommierten Brüdern Grimm begann keineswegs mit sofortiger Harmonie. Als Simrock im Jahr 1830 seine Übersetzung des „Armen Heinrich“ an Jacob und Wilhelm Grimm schickte, war ihm die Skepsis der Gelehrten bewusst. Jacob Grimm vertrat damals die dezidierte Ansicht, dass Übersetzungen mittelhochdeutscher Dichtungen in das Neuhochdeutsche überflüssig seien. Er argumentierte, dass das Original für kundige Leser zugänglich bleiben müsse und eine Übertragung den Text lediglich verfälsche.

Wilhelm Grimm hingegen zeigte sich zwar skeptisch gegenüber der Marktfähigkeit solcher Werke, da er weder bei Experten noch bei Laien ein großes Interesse an übersetzten Fassungen sah, bewies jedoch eine offenere Haltung. Aus diesem ersten fachlichen Austausch entwickelte sich über die Jahre ein intensiver Briefkontakt, der schließlich in eine persönliche Freundschaft mündete, die weit über rein akademische Interessen hinausging und auch die Familien der Beteiligten einbezog.

Einblicke in das Leben eines Gelehrten

Anlässlich des 150. Todestages von Karl Simrock widmet das Universitätsmuseum Bonn dem Gelehrten eine Sonderausstellung. Die Schau, die von Studierenden unter der Leitung des Germanisten Peter Glasner konzipiert wurde, basiert maßgeblich auf einem Nachlass, der nach einer Auktion gesichert werden konnte. Die Ausstellung nutzt den begrenzten Raum des Museums geschickt, um Simrocks Werdegang und sein weitreichendes Netzwerk zu beleuchten.

Besucher erhalten Einblicke in die Studienzeit Simrocks, der wie die Brüder Grimm zunächst Jura studierte, bevor er sich intensiv der älteren deutschen Literatur zuwandte. Ein besonderes Exponat ist dabei der Immatrikulationsbescheid Simrocks, der in der Ausstellung direkt neben jenem von Heinrich Heine präsentiert wird. Beide studierten an der 1818 eröffneten Universität in Bonn, und auch visuell wird die Verbindung durch Porträts unterstrichen, die die beiden Zeitgenossen in ähnlicher Pose zeigen.

Ein Netzwerk in Bildern und Briefen

Ein zentrales Element der Ausstellung ist ein digitalisiertes Fotoalbum aus dem Privatbesitz der Familie Simrock. Dieses Dokument verdeutlicht die Vernetzung des Nachdichters innerhalb der literarischen Welt des 19. Jahrhunderts. Zu sehen sind unter anderem Porträts von Persönlichkeiten wie Marianne von Willemer, Ludwig Uhland, Willibald Alexis sowie Gottfried Keller. Auch Familienmitglieder der Grimms, wie Rudolf Grimm, sind in diesem Zeugnis festgehalten.

Die Ausstellung würdigt damit nicht nur Simrocks Rolle als Vermittler mittelhochdeutscher Stoffe, sondern zeichnet auch ein lebendiges Bild einer Epoche, in der die Begeisterung für die eigene Sprachgeschichte und die Rheinromantik die Grundlage für dauerhafte intellektuelle und persönliche Verbindungen bildete. Die Ausstellung ist noch bis zum 20. Dezember im Universitätsmuseum Bonn zu sehen.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/treppe-stufen-stadt-himmel-16721695/ · Foto: Nevtuğ Yalçın
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kunst-und-architektur/ausstellung/die-brueder-grimm-und-ihr-freund-karl-simrock-eine-ausstellung-in-bonn-201058772.html