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Ausstellung im Museum Angewandte Kunst Frankfurt: Neues Design für die Demokratie
Regional · 30.08.2026 17:50

Ausstellung im Museum Angewandte Kunst Frankfurt: Neues Design für die Demokratie

Kurz: Das Museum Angewandte Kunst in Frankfurt hinterfragt mit der Ausstellung „Adler, Orden, Wahlurne“ Symbole unserer Demokratie und regt zu deren Neugestaltung an.

Eine kritische Analyse demokratischer Symbole

Das Museum Angewandte Kunst in Frankfurt am Main hat eine bemerkenswerte Ausstellung eröffnet, die sich mit den alltäglichen und staatlichen Symbolen der Bundesrepublik Deutschland auseinandersetzt. Unter dem Titel „Adler, Orden, Wahlurne – Redesigning Democratic Representation“ hinterfragen die Kuratoren und beteiligten Designer die visuelle Sprache unserer Demokratie. Die Kernfrage lautet dabei, ob die bestehenden Symbole, die wir oft unhinterfragt als gegeben hinnehmen, noch zeitgemäß sind oder ob sie eine veraltete Machtsymbolik transportieren, die nicht mehr zu den Werten einer modernen Gesellschaft passt. Die Ausstellung, die bis zum 21. Februar 2027 zu sehen ist, versteht sich dabei nicht als bloße Präsentation von Kunstwerken, sondern als ein Forschungsprojekt, das den Besuchern einen neuen Blick auf die vertrauten Zeichen des Staates ermöglichen soll. Von der Gestaltung der Wahlurne bis hin zur Form des Bundesverdienstkreuzes werden verschiedene Aspekte des demokratischen Alltags einer kritischen Prüfung unterzogen. Dabei geht es den Initiatoren nicht um eine schnelle Lösung oder ein fertiges Design-Konzept, sondern um einen fortlaufenden Prozess des Nachdenkens über die Art und Weise, wie wir unsere demokratischen Werte repräsentieren und wertschätzen.

Details zur Gestaltung und den Exponaten

Ein zentraler Bestandteil der Ausstellung sind die Wahlurnen, die in hessischen Kommunen zum Einsatz kommen. Kurator Friedrich von Borries, Professor für Designtheorie an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg, weist auf eine problematische Symbolik hin: Oftmals werden für den Wahlakt schlichte Mülltonnen verwendet, die lediglich mit einem Schlitz versehen wurden. Dies wirke wie eine Geringschätzung der Stimme, wenn der Wähler diese in ein Gefäß wirft, das sonst für Abfall genutzt wird. Ein weiteres Exponat widmet sich dem Bundesverdienstkreuz. Der Entwurf kritisiert die militärische Anmutung des Ordens, die an das Eiserne Kreuz aus den Weltkriegen erinnere. Die Designerin Anna Rosinke schlägt hierfür einen radikalen neuen Ansatz vor: Sie nutzt das Mikrobiom der menschlichen Haut als Basis für die Gestaltung. Durch 3D-Drucke von Bakterienkulturen entstehen individuelle, farbenfrohe Figuren, die als persönlicher „Fingerabdruck“ der geehrten Person dienen könnten. Auch der Bundesadler wird neu interpretiert. Der Kölner Künstler Rozbeh Asmani hat eine Skulptur aus Butter geschaffen, um die Vergänglichkeit und Verletzlichkeit des Wappentiers zu betonen, da der Adler historisch als Gütesiegel für Lebensmittel wie Butter diente. Diese Ansätze zeigen, wie stark die gewohnten Symbole durch neue künstlerische Perspektiven herausgefordert werden können.

Der Hintergrund der demokratischen Repräsentation

Die Ausstellung entstand aus der Überlegung heraus, dass Design und Demokratie untrennbar miteinander verbunden sind. Friedrich von Borries betont, dass viele der heute verwendeten Symbole aus einer Zeit stammen oder Traditionen fortführen, die mit der heutigen Lebensrealität kollidieren. Der Bundesadler beispielsweise wird traditionell als Symbol für Macht und Stärke verstanden. Die Ausstellung hinterfragt, ob dies in einer modernen Demokratie überhaupt noch der erstrebenswerte Kern ist. Die Einbindung von Erfahrungen aus dem parlamentarischen Alltag unterstreicht diesen Hintergrund. An stilisierten Infoständen, die an die typischen Wahlkampf-Szenarien mit Bierbänken und Sonnenschirmen erinnern, berichten Bundestagsabgeordnete wie der Frankfurter SPD-Politiker Armand Zorn von den Herausforderungen der politischen Kommunikation. Hier wird deutlich, dass das Design der Demokratie nicht nur aus Objekten besteht, sondern auch aus dem mühsamen Prozess der Verständigung und der täglichen Arbeit der Volksvertreter. Die Ausstellung versucht somit, die Brücke zwischen der abstrakten Symbolik des Staates und der konkreten, oft schwierigen Arbeit der demokratischen Praxis zu schlagen.

Die beteiligten Akteure und Institutionen

Die Ausstellung im Museum Angewandte Kunst in Frankfurt wurde maßgeblich von Friedrich von Borries kuratiert, der als Professor für Designtheorie an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg lehrt. Er fungiert als geistiger Kopf hinter dem Forschungsprojekt, das die Neugestaltung demokratischer Repräsentation zum Ziel hat. Beteiligt sind zudem verschiedene Designer und Künstler, die ihre Entwürfe in den Räumlichkeiten des Museums präsentieren. Zu ihnen gehört die Designerin Anna Rosinke, die sich mit der Neugestaltung von Orden befasst, sowie der Kölner Künstler Rozbeh Asmani, dessen Butteradler eines der zentralen Exponate darstellt. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Einbeziehung der politischen Ebene durch die Berichte von Bundestagsabgeordneten. Hier wird exemplarisch der SPD-Politiker Armand Zorn genannt, dessen Erfahrungen mit der politischen Kommunikation in die Ausstellung eingeflossen sind. Das Museum Angewandte Kunst selbst bietet den Rahmen für diese Auseinandersetzung und fungiert als Ort der Reflexion, an dem die Besucher eingeladen sind, sich aktiv mit den gezeigten Objekten und den dahinterstehenden Fragen auseinanderzusetzen.

Einordnung der künstlerischen Ansätze

Einzuordnen ist die Ausstellung als ein Versuch, die oft als starr empfundenen Symbole der Bundesrepublik aufzubrechen. Den Berichten zufolge geht es den Machern nicht darum, die bestehende Ordnung zu stürzen oder sofortige Gesetzesänderungen zu fordern. Vielmehr soll ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, dass Symbole eine Wirkung auf die Wahrnehmung der Demokratie haben. Die Verwendung einer Mülltonne als Wahlurne wird beispielsweise als eine Geste interpretiert, die das Gefühl der Bürger verstärken könnte, ihre Stimme werde nicht gehört. Die künstlerischen Entwürfe, etwa der Bakterien-Orden oder der Butteradler, sind als Denkanstöße zu verstehen. Sie fordern dazu auf, über die Bedeutung von Macht, Wertschätzung und Identität nachzudenken. Die Einordnung der Ausstellung zeigt, dass Design hier als ein demokratischer Prozess verstanden wird: Durch das gemeinsame Nachdenken über die Gestaltung unserer Symbole soll eine Veränderung in der Wertschätzung und im Verständnis der Demokratie erreicht werden. Es ist ein Plädoyer dafür, Symbole nicht als unveränderliche Denkmäler zu betrachten, sondern als lebendige Zeichen, die mit der Gesellschaft wachsen und sich wandeln müssen.

Offene Fragen und Lücken in der Darstellung

Obwohl die Ausstellung viele Aspekte der demokratischen Symbolik beleuchtet, bleiben einige Fragen bewusst oder aufgrund der Natur des Projekts unbeantwortet. Eine der zentralen Lücken betrifft die konkrete Lösung für die Wahlurnen-Problematik. Während die Ausstellung die Verwendung von Mülltonnen kritisiert, bietet sie keine fertigen, umsetzbaren Entwürfe für eine neue Generation von Wahlurnen an. Auch die Frage, wie ein offizieller Prozess zur Änderung staatlicher Symbole wie des Bundesverdienstkreuzes aussehen könnte, bleibt offen. Die Ausstellung erhebt nicht den Anspruch, dass der Bundespräsident kurzfristig neue Entwürfe auswählt. Zudem wird nicht explizit geklärt, wie die breite Öffentlichkeit auf diese radikal neuen Entwürfe reagieren würde, da es sich primär um einen künstlerischen und theoretischen Diskurs handelt. Es bleibt unklar, ob und wie die Politik auf die Anregungen aus der Ausstellung reagieren wird oder ob diese rein im musealen Raum verbleiben. Die Ausstellung lädt zwar zum Nachdenken ein, lässt die praktische Umsetzung jedoch vollständig offen, was den Fokus auf den Prozess statt auf das Ergebnis unterstreicht.

Wie es weitergeht: Ausblick auf die Laufzeit

Die Ausstellung „Adler, Orden, Wahlurne – Redesigning Democratic Representation“ ist für einen längeren Zeitraum angelegt und bietet den Besuchern bis zum 21. Februar 2027 die Gelegenheit, sich mit den Exponaten und den damit verbundenen Fragestellungen auseinanderzusetzen. In diesem Zeitraum bleibt das Museum Angewandte Kunst in Frankfurt der Ort, an dem der Dialog über die Gestaltung der Demokratie geführt wird. Weitere Schritte, wie etwa eine politische Debatte über die Einführung der gezeigten Entwürfe, sind laut den vorliegenden Informationen nicht angekündigt. Das Projekt versteht sich als ein fortlaufender Prozess des Nachdenkens. Es ist davon auszugehen, dass die Ausstellung während ihrer langen Laufzeit verschiedene Diskussionen anregen wird, wobei die Einladung an die Besucher, sich in Wahlkabinen auf Schulbänken alternative Ideen für den Wahlakt anzuhören, als ein zentrales Element für die weitere Auseinandersetzung mit dem Thema dient. Termine für weiterführende Veranstaltungen oder Symposien, die über die reine Ausstellung hinausgehen, wurden im vorliegenden Quelltext nicht genannt, sodass der Fokus auf der langfristigen Präsentation und der individuellen Reflexion der Besucher liegt.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/menschen-besuchen-ein-museum-in-toronto-30150825/ · Foto: Anurag Jamwal
Quelle: https://www.tagesschau.de/inland/regional/hessen/hr-ausstellung-im-museum-angewandte-kunst-frankfurt-neues-design-fuer-die-demokratie-100.html