Die unterschätzte Kostenfalle im Urlaubsgepäck
Wer im Ausland unterwegs ist, verlässt sich oft auf die vermeintliche Sicherheit der EU-Roaming-Verordnung. Diese sorgt dafür, dass Telefonate und SMS innerhalb der Europäischen Union in der Regel so abgerechnet werden wie im Heimatland. Doch es gibt technische Funktionen, die diese Regelung umgehen und zu unerwarteten Nachzahlungen führen können. Ein aktuelles Beispiel, vor dem die Verbraucherzentrale Niedersachsen warnt, zeigt, dass insbesondere die WLAN-Telefonie (WLAN-Call) ein erhebliches finanzielles Risiko birgt.
Warum WLAN-Calls anders abgerechnet werden
Das Missverständnis liegt in der technischen Funktionsweise der WLAN-Telefonie begründet. Bei einem WLAN-Call wird das Gespräch über das Internet und nicht über das klassische Mobilfunknetz geführt. Für den Mobilfunkanbieter gilt ein solcher Anruf rechtlich so, als würden Sie sich in Deutschland befinden und von dort aus einen Anruf tätigen.
Das bedeutet im Umkehrschluss:
* **Anrufe nach Deutschland:** Wenn Sie aus dem Hotel-WLAN im Ausland eine Nummer in der Heimat anrufen, ist dies oft kostenlos, da der Anruf wie ein Inlandsgespräch gewertet wird.
* **Anrufe im Urlaubsland oder in Drittstaaten:** Sobald Sie jedoch eine lokale Nummer im Urlaubsland oder eine Verbindung in ein anderes Land aufbauen, entstehen Kosten. Da der Anruf als „von Deutschland aus geführt“ gewertet wird, greifen die Roaming-Vorteile nicht. Stattdessen werden die regulären Gebühren für Auslandsgespräche Ihres Mobilfunktarifs fällig.
Ein kostspieliges Beispiel aus der Praxis
Dass es sich hierbei nicht um ein rein theoretisches Problem handelt, belegt der Fall einer Reisenden in Tschechien. Sie tätigte über die WLAN-Call-Funktion Anrufe zu lokalen Nummern in Tschechien sowie nach Armenien. In der Annahme, die EU-Roaming-Verordnung würde diese Gespräche abdecken, nutzte sie die Funktion unbedarft. Nach ihrer Rückkehr erhielt sie eine Rechnung über 60 Euro für diese Verbindungen. Solche Beträge können je nach individuellem Mobilfunkvertrag und Zielrufnummer schnell in die Höhe schnellen.
So deaktivieren Sie die WLAN-Telefonie
Um böse Überraschungen auf der Mobilfunkrechnung zu vermeiden, empfiehlt es sich, die WLAN-Call-Funktion vor Reiseantritt zu prüfen oder gegebenenfalls zu deaktivieren. Die Vorgehensweise unterscheidet sich je nach Betriebssystem:
Auf dem iPhone (iOS)
1. Öffnen Sie die „Einstellungen“.
2. Navigieren Sie zum Bereich „Apps“.
3. Wählen Sie den Punkt „Telefon“ aus.
4. Hier finden Sie die Option „WLAN-Anrufe auf deinem iPhone“, die Sie mit einem Schalter deaktivieren können.
Auf Android-Geräten
Da die Menüführung bei Android je nach Hersteller variiert, ist die Suchfunktion in den Einstellungen der effizienteste Weg:
1. Öffnen Sie die „Einstellungen“ Ihres Smartphones.
2. Nutzen Sie die Suchleiste am oberen Bildschirmrand und geben Sie Begriffe wie „WLAN-Anruf“ oder „WLAN Call“ ein.
3. Alternativ finden Sie die Option häufig direkt in der Telefon-App: Tippen Sie dort auf die drei Punkte (Menü) und wählen Sie „Einstellungen“, um den Punkt „WLAN-Anrufe“ zu finden und auszuschalten.
Vorbereitung ist der beste Schutz
Bevor Sie in den Urlaub starten, ist ein Blick in die Tarifdetails Ihres Mobilfunkanbieters ratsam. Informieren Sie sich darüber, welche Kosten bei einer aktiven WLAN-Telefonie für Anrufe in verschiedene Länder anfallen. Wer auf Nummer sicher gehen will, schaltet die Funktion am Zielflughafen konsequent ab. So verhindern Sie, dass Ihr Smartphone im Hintergrund oder bei unbedachten Anrufen Verbindungen aufbaut, die nicht von den gewohnten EU-Roaming-Konditionen abgedeckt sind.