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Auffälligkeiten bei der Briefwahl in Frankfurt: Parteien stellen sich vor ihre Politiker
Regional · 07.08.2026 17:06

Auffälligkeiten bei der Briefwahl in Frankfurt: Parteien stellen sich vor ihre Politiker

Kurz: Nach Auffälligkeiten bei der Frankfurter Kommunalwahl stehen Parteien hinter ihren Mandatsträgern. Wir beleuchten die Hintergründe der Briefwahl-Debatte.

Debatte über Briefwahl-Ergebnisse im Frankfurter Römer

In der Sommerpause des Frankfurter Stadtparlaments sorgt eine statistische Auffälligkeit bei der vergangenen Kommunalwahl für intensiven Gesprächsbedarf. Im Zentrum der Diskussion stehen vier Stadtverordnete von CDU, SPD und Grünen, deren Einzug in das Parlament durch eine bemerkenswerte Häufung von Briefwahlstimmen ermöglicht wurde. Diese Stimmen stammten aus dem Umfeld der Wählerliste IBF, einer kleinen Gruppierung, die lediglich rund ein Prozent der Stimmen erreichte.

Die betroffenen Politiker – Hosai Zarif-Ander und Feyyaz Cetiner (Grüne), Avi Shefatja (CDU) sowie Dijana Avdic (SPD) – erhielten jeweils etwa 6.000 Stimmen, die ihnen entscheidende Vorteile verschafften. Diese Konstellation hat unter den politischen Akteuren im Römer zu internen Beratungen geführt, da die Herkunft dieser Stimmen Fragen aufwirft.

Das Wahlsystem als Erklärungsansatz

Die betroffenen Parteien verweisen in ihren Stellungnahmen einhellig auf die Besonderheiten des hessischen Kommunalwahlrechts. Das System des Kumulierens und Panaschierens erlaubt es Wählerinnen und Wählern, ihre Stimmen gezielt auf einzelne Kandidaten zu verteilen, anstatt lediglich eine Liste als Ganzes zu wählen.

Vertreter der Grünen betonen, dass dieses Wahlrecht bewusst Spielräume für die Unterstützung einzelner Personen schaffe. Es sei ein wesentliches Merkmal der Wahl, dass Kandidaten durch persönliche Netzwerke oder hohe Bekanntheitsgrade Wählergruppen erreichen könnten, die über das klassische Wählerpotenzial der jeweiligen Partei hinausgehen. Eine Bewertung der individuellen Beweggründe der Wähler sei dabei kaum möglich.

Netzwerke und Community-Bindung

Die SPD-Fraktion führt den Erfolg ihrer Stadtverordneten Dijana Avdic auf deren starke Vernetzung zurück. Laut dem SPD-Co-Vorsitzenden Kolja Müller profitiere Avdic von ihrer langjährigen Arbeit in der Kommunalen Ausländervertretung (KAV) und ihrem Engagement in verschiedenen Communities. In einer international geprägten Stadt wie Frankfurt sei eine hohe Identifikation innerhalb bestimmter Bevölkerungsgruppen ein entscheidender Faktor, der sich in den Wahlergebnissen widerspiegele.

Ähnlich argumentiert die CDU. Zwar räumt Kreisgeschäftsführer Thorsten Weber ein, dass der Sprung von Avi Shefatja um 25 Listenplätze nach oben überraschend kam. Doch der Politiker habe bereits dargelegt, dass er in verschiedenen jüdischen Social-Media-Gruppen aktiv zur Wahl empfohlen wurde. Die CDU wertet solche Empfehlungen als legitimen Teil des politischen Wettbewerbs und verweist auf vergleichbare Fälle aus der Kommunalwahl 2021, bei denen es ebenfalls zu deutlichen Verschiebungen innerhalb der Listen gekommen war.

Mögliche Konsequenzen und weitere Schritte

Ob die aktuellen Auffälligkeiten rechtliche oder politische Konsequenzen nach sich ziehen, ist derzeit offen. Die Parteien betonen, dass die Wahl offiziell durch die Stadt bestätigt wurde. Statistisch bemerkenswerte Ergebnisse allein reichten nicht aus, um einen Verstoß gegen das Wahlrecht zu unterstellen. Sollten jedoch belastbare Hinweise auf Unregelmäßigkeiten auftauchen, kündigen die Parteien eine umfassende Aufklärung durch die zuständigen Stellen an.

Nach dem Ende der Sommerpause ist eine weitere Aufarbeitung des Themas geplant. Die SPD plant eine interne Diskussion im Vorstand, und auch in der Stadtverordnetenversammlung wird eine Debatte über die Vorgänge erwartet. Die politische Auseinandersetzung um die Gewichtung von Listenplatzierungen und die Rolle von Community-Netzwerken bei der Stimmabgabe dürfte die Frankfurter Kommunalpolitik in den kommenden Wochen weiter beschäftigen.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/stadt-verkehr-nacht-strasse-19282141/ · Foto: Masood Aslami
Quelle: https://www.tagesschau.de/inland/regional/hessen/hr-auffaelligkeiten-bei-der-briefwahl-in-frankfurt-parteien-stellen-sich-vor-ihre-politiker-100.html