Ein breites Bündnis gegen die FIFA-Pläne
Die Machtbasis von FIFA-Präsident Gianni Infantino gerät zunehmend ins Wanken. Nachdem die Europäische Fußball-Union (UEFA) bereits mit einem Boykott sämtlicher FIFA-Turniere gedroht hatte, formiert sich nun auch in anderen Weltregionen massiver Widerstand gegen die geplanten Investoren-Deals. Der nord- und mittelamerikanische Kontinentalverband CONCACAF hat sich in einer Sitzung einstimmig gegen die Pläne ausgesprochen, Anteile an der Weltmeisterschaft an private Kapitalgeber zu veräußern. Kurz darauf schloss sich der asiatische Fußballverband AFC dieser Haltung an und bekundete seine Solidarität mit den Kritikern.
Die Dimension der Ablehnung ist rechnerisch signifikant: Zusammen mit den 55 UEFA-Mitgliedern kommen die Verbände der CONCACAF und der AFC auf insgesamt 136 der weltweit 211 FIFA-Mitgliedsverbände. Damit verfügen die Befürworter des Investorenmodells innerhalb der Kontinentalverbände faktisch über keine Mehrheit mehr. Zwar bleibt abzuwarten, ob einzelne Nationalverbände im entscheidenden Moment von der Linie ihrer Kontinentalorganisationen abweichen, doch die politische Dynamik deutet auf ein Scheitern des Vorhabens hin.
Kritik an mangelnder Transparenz und Governance
Neben der inhaltlichen Ablehnung steht vor allem das Vorgehen der FIFA-Spitze in der Kritik. Der CONCACAF-Verband, dem unter anderem die Ausrichter der jüngsten Weltmeisterschaft – USA, Kanada und Mexiko – angehören, äußerte deutliche Bedenken hinsichtlich der internen Entscheidungsprozesse. Kritisiert wurde insbesondere, dass für den weitreichenden Vorschlag künstlich verkürzte Fristen gesetzt wurden. Zudem bemängelten die Verbände, dass die zuständigen FIFA-Gremien den Plan weder geprüft noch offiziell genehmigt hätten.
Ein zentraler Punkt der Debatte ist die finanzielle Notwendigkeit. Angesichts der Tatsache, dass die jüngste Weltmeisterschaft als finanziell erfolgreichstes Turnier in die Geschichte einging, stellen sich viele Verbände die Frage, warum überhaupt privates Kapital zur Finanzierung der FIFA-Forward-Programme notwendig sein sollte. Die CONCACAF hat ihre Vertreter im FIFA-Rat daher angewiesen, stattdessen eine Nutzung der umfangreichen FIFA-Reserven zu prüfen. Zudem wurde die Forderung laut, dass künftige Entscheidungen zwingend den ordnungsgemäßen Governance-Prozessen und den FIFA-Statuten entsprechen müssen.
Eskalation und die Zukunft des Fußballs
Der asiatische Verband AFC äußerte sich besorgt über die aktuelle Entwicklung. Dass die Situation mittlerweile so weit eskaliert ist, dass selbst ein Boykott der Weltmeisterschaft öffentlich diskutiert wird, sei ein alarmierendes Signal für die Zukunft des Sports. Der Fußball, so die Einschätzung des Verbandes, hätte niemals in eine derartige Lage manövriert werden dürfen.
Die FIFA-Führung hatte den Mitgliedsverbänden eine Frist bis zum 19. September gesetzt, um dem Investorenmodell zuzustimmen. Dabei wurden den Verbänden finanzielle Anreize sowie eine Erweiterung des WM-Formats in Aussicht gestellt. Ob diese Strategie angesichts der wachsenden Opposition noch greifen kann, ist fraglich. Während die politische Debatte an Schärfe gewinnt, laufen die Vorbereitungen für anstehende Turniere, wie die U20-WM der Frauen in Polen, trotz der drohenden Boykott-Szenarien vorerst weiter.
Die kommenden Wochen werden zeigen, ob Infantino bereit ist, von seinem Kurs abzuweichen oder ob der Konflikt zwischen dem Weltverband und den großen Kontinentalverbänden in eine neue Phase der Konfrontation eintritt. Das Ziel der Kritiker ist es, das wertvollste Gut des Fußballs in den Händen der Fußballfamilie zu bewahren, anstatt es für externe Investoren zu öffnen.