Eskalation im Weltfußball: UEFA plant Strafanzeige gegen Infantino
Die Auseinandersetzung zwischen der Europäischen Fußball-Union (UEFA) und dem FIFA-Präsidenten Gianni Infantino hat eine neue, juristische Dimension erreicht. Wie aus einem 60-seitigen Dokument hervorgeht, das der Sportschau vorliegt, bereitet die UEFA derzeit die Einleitung eines Strafverfahrens in der Schweiz gegen den Weltverbandschef vor. Der Vorwurf wiegt schwer: Es geht um kriminelle Misswirtschaft gemäß Artikel 158 des Schweizer Strafgesetzbuches. Die UEFA wirft Infantino vor, im Zuge eines inzwischen verworfenen Investorenplans die Interessen der FIFA vorsätzlich geschädigt zu haben. Um dieses Verfahren voranzutreiben, hat die UEFA bei US-Gerichten die Herausgabe relevanter Unterlagen beantragt. Diese Dokumente, die unter anderem von der FIFA selbst sowie der Investmentgesellschaft Thrive Capital stammen, sollen als Beweismittel dienen. Die UEFA zeigt sich entschlossen, Infantino für seine Pläne zur Rechenschaft zu ziehen, die nach Ansicht der Europäer darauf abzielten, sich und einem kleinen Kreis von Vertrauten dauerhafte Beteiligungen an den wertvollsten Vermögenswerten des Weltverbandes zu sichern. Der Druck auf den Schweizer FIFA-Präsidenten wächst damit massiv, während die UEFA ihre Strategie im Machtkampf weiter verschärft.
Details zu den Vorwürfen und den juristischen Schritten
Im Zentrum der juristischen Bemühungen steht der ehemalige Investorenplan von Gianni Infantino, der laut UEFA-Einschätzung mit einem "absurd niedrig" angesetzten Unternehmenswert von etwa 20 Milliarden US-Dollar kalkuliert war. Die UEFA argumentiert, dass dieser Plan explizit dazu konzipiert war, Infantino und einem ausgewählten Kreis von Personen finanzielle Vorteile zu verschaffen, und zwar zum direkten Nachteil der FIFA, ihrer Mitgliedsverbände sowie anderer Akteure innerhalb der globalen Fußballfamilie. Das angestrebte Strafverfahren in der Schweiz könnte bei einer Verurteilung mit bis zu fünf Jahren Haft geahndet werden. Die UEFA hat sich hierzu von ihren Anwälten absichern lassen; diesen zufolge sei die Erfolgsaussicht für eine Zulassung des Verfahrens vor einem Schweizer Gericht gegeben. Die geforderten Dokumente, deren Herausgabe die UEFA in den USA beantragt hat, sollen die notwendigen Beweise für das vorsätzliche Handeln Infantinos liefern. Die Investmentgesellschaft Thrive Capital, die als Hauptinvestor in dem umstrittenen Modell eine zentrale Rolle spielte, ist ebenfalls Ziel der Dokumentenanforderungen. Die UEFA verfolgt das Ziel, diese Unterlagen als Grundlage für die Strafanzeige zu nutzen, sobald der Zugang zu den Akten rechtlich gesichert ist.
Vorgeschichte und der Verlauf des Machtkampfes
Der aktuelle Konflikt ist das Ergebnis einer langwierigen Entfremdung zwischen dem europäischen Kontinentalverband und der FIFA-Spitze. Der nun verworfene Investorenplan, der Anteile an Turnieren des Weltverbandes an private Investoren – unter anderem aus dem Umfeld des US-Präsidenten Donald Trump – verkaufen sollte, löste bereits im Vorfeld massive Kritik aus. Obwohl Infantino das Vorhaben nach dem öffentlichen Druck aufgab, sieht die UEFA darin keineswegs eine Bereinigung der Situation. In ihrer Mitteilung betonte die UEFA, dass der Rückzug des Plans weder die Täuschung, die Einschüchterung noch den Machtmissbrauch vergessen mache, die mit dem Projekt verbunden waren. Zudem habe das Vorgehen das Vertrauen in die FIFA-Führung nachhaltig erschüttert. Der Streit eskalierte zuletzt so weit, dass die UEFA sogar mit einem Boykott europäischer Mannschaften bei FIFA-Wettbewerben drohte. Diese Drohung wurde zwar am Donnerstag im Umfeld der Champions-League-Auslosung in Monaco vorläufig ausgesetzt, nachdem die FIFA schriftlich zugesichert hatte, dass ein vergleichbarer Investorenplan nie wieder zur Debatte stehen werde. Dennoch bleibt die UEFA in ihrer Haltung kompromisslos und behält sich vor, den Boykott bei Bedarf umgehend wieder zu aktivieren.
Die Akteure im Machtgefüge des Fußballs
Der Machtkampf wird auf verschiedenen Ebenen ausgetragen. Auf Seiten der UEFA sind es die 55 Verbandsbosse, darunter DFB-Präsident Bernd Neuendorf, sowie das Exekutivkomitee um Hans-Joachim Watzke, die den Kurs gegen Infantino maßgeblich mitbestimmen. Gemeinsam mit den europäischen Mitgliedern des FIFA-Councils und den Präsidenten der Nationalverbände bildet die UEFA eine geschlossene Front. Auf der anderen Seite steht Gianni Infantino, der sich trotz des wachsenden Drucks aus Europa weiterhin behauptet. Er erhielt zuletzt sogar Unterstützung aus Saudi-Arabien, dem Gastgeber der Weltmeisterschaft 2034. Die Rolle von Victor Montagliani, dem Chef der Verbände aus Nord-, Mittelamerika und der Karibik (CONCACAF), gewinnt in diesem Zusammenhang zunehmend an Bedeutung. Er wird in Berichten als möglicher Herausforderer gehandelt, sollte Infantino beim FIFA-Kongress im März 2027 erneut kandidieren. Die UEFA hat bereits angekündigt, für diesen Fall sicherzustellen, dass den Mitgliedsverbänden eine glaubwürdige Alternative präsentiert wird, um Infantino aus dem Amt zu drängen.
Einordnung der aktuellen Situation
Einzuordnen ist das Vorgehen der UEFA als eine bewusste Eskalationsstrategie, um die Machtverhältnisse an der Spitze des Weltverbandes grundlegend zu verändern. Dass die UEFA den juristischen Weg über das Schweizer Strafrecht wählt, unterstreicht die Schwere der Vorwürfe und den Willen, Infantino nicht nur politisch, sondern auch persönlich für sein Handeln verantwortlich zu machen. Den Berichten zufolge ist die Stimmung im internationalen Fußball derzeit äußerst diffus. Während die Boykott-Drohung der UEFA vorerst vom Tisch ist, bleibt die fundamentale Ablehnung gegenüber dem FIFA-Präsidenten bestehen. Die Tatsache, dass die UEFA ihre Boykott-Position fortlaufend überprüft, zeigt, wie fragil der derzeitige Waffenstillstand ist. Die Einbeziehung US-amerikanischer Gerichte zur Erlangung von Beweismitteln für ein Schweizer Strafverfahren verdeutlicht zudem die internationale Dimension des Konflikts. Die UEFA versucht hierbei, den Druck durch eine Kombination aus juristischer Aufarbeitung und politischer Mobilisierung der Verbände zu maximieren, um Infantinos Handlungsspielraum bis zum Kongress im März 2027 systematisch einzuschränken.
Offene Fragen und verbleibende Unklarheiten
Trotz der detaillierten Berichterstattung bleiben wesentliche Fragen offen, die der vorliegende Quelltext nicht beantwortet. Es bleibt unklar, wie die US-Gerichte auf den Antrag der UEFA reagieren werden und ob die Herausgabe der Dokumente tatsächlich in dem gewünschten Umfang erfolgt. Ebenso ist nicht bekannt, wie die FIFA-Spitze konkret auf die angekündigte Strafanzeige reagieren wird, abgesehen von der schriftlichen Zusicherung, den Investorenplan nicht weiterzuverfolgen. Auch die genaue Reaktion der anderen Kontinentalverbände, die nicht zur UEFA gehören, bleibt weitgehend im Dunkeln, da der Text primär die europäische Perspektive beleuchtet. Es ist zudem offen, inwieweit die Unterstützung aus Saudi-Arabien für Infantino ausreicht, um eine mögliche Herausforderung durch Victor Montagliani oder einen anderen Kandidaten beim Kongress 2027 abzuwehren. Die Frage, welche weiteren "Funktionäre und Berater" neben Infantino im Visier der UEFA stehen könnten, wird im Dokument zwar angedeutet, aber nicht namentlich spezifiziert. Schließlich ist unklar, welche konkreten internen Mechanismen innerhalb der FIFA Infantino nutzen könnte, um die drohende juristische Offensive abzuwehren oder die UEFA-Mitglieder zu spalten.
Ausblick auf die kommenden Schritte
Die nächsten Monate werden entscheidend für den Ausgang des Machtkampfes sein. Die UEFA hat deutlich gemacht, dass sie den Druck auf Infantino aufrechterhält. Ein zentraler Termin ist der FIFA-Kongress im März 2027, bei dem sich entscheiden wird, ob Infantino erneut zur Wahl antritt und ob es zu einer Kampfkandidatur kommt. Bis dahin wird die UEFA ihre juristischen Bemühungen in der Schweiz und in den USA weiterverfolgen, um die Beweislage für die Strafanzeige zu festigen. Die U20-WM der Frauen, die am 5. September beginnt, findet nach dem Rückzug der Boykott-Drohung wie geplant statt, doch die UEFA hat betont, dass diese Position fortlaufend überprüft wird. Sollten sich die Umstände ändern, könnte die UEFA ihre Haltung umgehend anpassen. Die gesamte Fußballwelt blickt nun darauf, ob die UEFA tatsächlich Zugang zu den geforderten Dokumenten erhält und ob die Schweizer Justiz das Verfahren gegen den FIFA-Präsidenten tatsächlich zur Verhandlung zulassen wird. Die kommenden Monate sind somit von einer hohen Unsicherheit geprägt, in denen jeder Schritt der UEFA und der FIFA genau beobachtet werden wird.