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AIS.chat: Sachsen-Anhalt setzt KI-Chatbot an Schulen ein
Technik · 24.08.2026 14:02

AIS.chat: Sachsen-Anhalt setzt KI-Chatbot an Schulen ein

Kurz: Sachsen-Anhalt führt den KI-Chatbot AIS.chat an seinen Schulen ein, um Schülern und Lehrkräften einen sicheren Zugang zu Künstlicher Intelligenz zu ermöglichen.

Was geschehen ist: Einführung von AIS.chat in Sachsen-Anhalt

Mit Beginn des aktuellen Schuljahres hat das Bundesland Sachsen-Anhalt eine bedeutende Neuerung in seinen Bildungseinrichtungen vollzogen: Der KI-Chatbot AIS.chat steht nun flächendeckend für den Unterricht zur Verfügung. Diese Maßnahme zielt darauf ab, Schülern und Lehrkräften einen geschützten und pädagogisch begleiteten Zugang zu modernen Systemen der Künstlichen Intelligenz zu ermöglichen. Das System, das in anderen Bundesländern bereits unter verschiedenen Bezeichnungen bekannt wurde, fungiert als ergänzendes Werkzeug zum bereits etablierten landeseigenen Dienst emuKI. Die Einführung ist eingebettet in eine landesweite Strategie, die darauf ausgerichtet ist, die digitale Souveränität an Schulen zu stärken. Dabei geht es nicht nur um die reine Anwendung der Technik, sondern vor allem um die Vermittlung von KI-Kompetenzen. Die Schüler sollen lernen, die Funktionsweise, die Potenziale sowie die signifikanten Grenzen der Technologie zu begreifen. Das Projekt unterstreicht den Anspruch des Landes, den digitalen Wandel im Bildungssektor aktiv zu gestalten und dabei datenschutzrechtliche Standards sowie pädagogische Leitlinien in den Vordergrund zu stellen, um die Lernumgebung für alle Beteiligten sicher und zukunftsorientiert zu gestalten.

Die Einzelheiten: Technik, Modelle und Zugangskontrollen

Der AIS.chat ist ein zentrales Teilprojekt des sogenannten Adaptiven Intelligenten Systems (AIS). Die technische Umsetzung erfolgt durch die FWU gGmbH, das Institut für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht, im Auftrag aller 16 Bundesländer. Ein wesentlicher Aspekt der Architektur ist die Einhaltung europäischer Datenschutzvorgaben: Die genutzten Sprachmodelle laufen nach Angaben der Entwickler ausschließlich auf Servern innerhalb der Europäischen Union. Zudem wird zugesichert, dass anfallende Nutzerdaten weder an Dritte weitergegeben noch zum Training der zugrundeliegenden KI-Modelle verwendet werden. Die Anmeldung für Lehrkräfte erfolgt über den bundesweit genutzten Dienst VIDIS oder das Single Sign-on des Bildungsservers Sachsen-Anhalt. Für die Schüler ist kein eigenes Konto erforderlich, und auch die Angabe von Klarnamen ist nicht notwendig, was den Datenschutz weiter erhöht. Lehrkräfte können für den Unterricht spezifische Lernszenarien vorbereiten und den Schülern entsprechende Zugänge freischalten. Hinsichtlich der Sprachmodelle greift das System auf bekannte Lösungen von Anbietern wie OpenAI, Meta und Mistral zurück. Die konkrete Auswahl der in Sachsen-Anhalt freigeschalteten Modelle liegt im Ermessen der Landesbehörden, wobei die Token-Budgets pro Lehrkraft direkt zwischen dem FWU und den jeweiligen Ländern abgestimmt werden.

Hintergrund: Vom Projekt Telli zur landesweiten Lösung

Die Entwicklung von AIS.chat ist das Ergebnis einer intensiven Abstimmung zwischen den deutschen Bundesländern. Ursprünglich war das System unter dem Projektnamen „Telli“ bekannt, der jedoch aufgrund markenrechtlicher Herausforderungen ab Mai 2026 nicht mehr verwendet werden durfte. Der Weg bis zur heutigen Form war geprägt von unterschiedlichen Pilotphasen in verschiedenen Regionen. So fungierte das Bundesland Bremen bereits im Sommer 2025 als Vorreiter bei der Implementierung des Systems. Niedersachsen folgte mit einer landesweiten Einführung unter dem alten Namen Telli. Berlin startete schließlich im Mai 2026 offiziell unter der neuen Bezeichnung AIS.chat. Die Finanzierung des Projekts erfolgte unter anderem durch Mittel aus dem DigitalPakt, was in der Vergangenheit wiederholt Anlass für öffentliche Diskussionen und Kritik bot. Auch die Art der Auftragsvergabe wurde in der Fachwelt und politischen Debatten mehrfach hinterfragt. Trotz dieser kontroversen Begleitumstände hat sich das System als einheitlicher Standard für die Länder etabliert, der nun die technische Basis für die KI-Integration im deutschen Schulwesen bildet und kontinuierlich weiterentwickelt wird.

Die Beteiligten: Akteure und pädagogische Verantwortung

Im Zentrum der Entscheidung für Sachsen-Anhalt steht Bildungsminister Jan Riedel (CDU). Er betont die pädagogische Notwendigkeit, KI-Kompetenzen nicht als bloße Anwenderkenntnisse, sondern als kritisches Verständnis zu vermitteln. Riedel hebt hervor, dass Schüler erkennen müssen, dass eine überzeugend formulierte Antwort einer KI trotz ihrer Korrektheit falsch sein kann. Er unterstreicht, dass technologische Hilfsmittel niemals das eigene Denken und das Urteilsvermögen ersetzen dürfen. Auf institutioneller Ebene ist die FWU gGmbH als zentraler Dienstleister für die technische Implementierung verantwortlich. Sie arbeitet dabei eng mit weiteren technischen Dienstleistern zusammen, um den Betrieb der Infrastruktur zu gewährleisten. Die Lehrkräfte nehmen eine Schlüsselrolle ein: Sie agieren als Vermittler und müssen vor der ersten Nutzung von AIS.chat eine spezifische KI-Kompetenzschulung absolvieren. Wer bereits für den Dienst emuKI qualifiziert ist, erhält eine Ausnahmeregelung und kann direkt mit der Arbeit im AIS.chat beginnen. Diese Schulungen sollen sicherstellen, dass die Lehrkräfte in der Lage sind, das Tool sinnvoll in den Unterricht zu integrieren, etwa zur Vorbereitung von Unterrichtsentwürfen oder zur individuellen Anpassung von Aufgaben an unterschiedliche Lernniveaus.

Einordnung: KI als Werkzeug und Herausforderung

Den Berichten zufolge ist die Einführung von AIS.chat ein Versuch, den Spagat zwischen technologischem Fortschritt und dem Schutz von Schülerdaten zu meistern. Einzuordnen ist das so: Das Land reagiert damit auf den wachsenden Druck, Künstliche Intelligenz in den Bildungsalltag zu integrieren, ohne sich dabei in die Abhängigkeit von kommerziellen Anbietern zu begeben, deren Datenschutzpraktiken oft als intransparent gelten. Die Nutzung von Open-Source-Ansätzen und die Begrenzung der Serverstandorte auf die EU sind hierbei als strategische Maßnahmen zu verstehen. Dennoch bleibt das Thema KI im Unterricht ein Spannungsfeld. Einerseits bietet die Technologie enorme Chancen für die Differenzierung und Entlastung der Lehrkräfte, andererseits besteht die Gefahr einer Überbewertung der KI-Ergebnisse. Die explizite Betonung des Ministeriums, dass das eigene Denken zentral bleibt, zeigt, dass man sich der Risiken einer unkritischen Nutzung bewusst ist. Die Einbindung in den bestehenden Dienst emuKI verdeutlicht zudem den Wunsch nach einer konsolidierten digitalen Infrastruktur, anstatt eine Vielzahl isolierter Insellösungen an den Schulen zu betreiben.

Offene Fragen: Was noch ungeklärt bleibt

Trotz der offiziellen Einführung des Systems bleiben einige Fragen unbeantwortet. So ist aus den vorliegenden Informationen nicht ersichtlich, welche spezifischen KI-Modelle – etwa von OpenAI, Meta oder Mistral – in Sachsen-Anhalt tatsächlich für die Schulen freigeschaltet wurden. Da die Bundesländer hierbei individuelle Entscheidungsspielräume haben, bleibt die konkrete Auswahl für die Öffentlichkeit und die betroffenen Lehrkräfte vorerst unklar. Auch die langfristige Finanzierung des Projekts nach dem Auslaufen der Mittel aus dem DigitalPakt ist nicht explizit thematisiert. Ebenso fehlen detaillierte Angaben darüber, wie die Wirksamkeit der KI-Kompetenzschulungen für Lehrkräfte evaluiert wird und ob es Pläne gibt, diese Schulungsinhalte an die rasante technologische Entwicklung der Sprachmodelle anzupassen. Die genauen Kriterien für die Auswahl der technischen Dienstleister, die neben der FWU gGmbH am Projekt beteiligt sind, werden ebenfalls nicht weiter spezifiziert. Schließlich bleibt offen, wie mit möglichen Fehlern oder Fehlfunktionen der KI-Modelle im Unterrichtsalltag umgegangen werden soll, falls diese trotz der Sicherheitsvorkehrungen auftreten sollten.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/strasse-manner-festival-menge-13613878/ · Foto: Katalin Hadnagy
Quelle: https://www.heise.de/news/AIS-chat-Sachsen-Anhalt-setzt-KI-Chatbot-an-Schulen-ein-11423739.html?wt_mc=rss.red.ho.ho.atom.beitrag.beitrag