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AI-„Gigafactorys“: EU-Kommission startet Ausschreibung
Technik · 30.07.2026 15:36

AI-„Gigafactorys“: EU-Kommission startet Ausschreibung

Kurz: Die EU-Kommission startet die Ausschreibung für KI-Gigafactorys. Mit Milliardeninvestitionen soll die europäische Rechenkapazität massiv ausgebaut werden.

Ein strategischer Ausbau der Rechenkapazitäten

Die Europäische Union setzt einen weiteren Meilenstein in ihrer digitalen Strategie: Ein Jahr nach der Ankündigung durch Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat die EU-Kommission die offizielle Ausschreibung für sogenannte KI-Gigafactorys gestartet. Ziel dieses Vorhabens ist es, den wachsenden Bedarf an Rechenleistung innerhalb der EU zu decken und den Status als „KI-Kontinent“ zu festigen. Die Initiative soll unabhängige Kapazitäten schaffen, die sowohl innerhalb der EU als auch in befreundeten Staaten verankert sind.

Die als öffentlich-private Partnerschaft konzipierten Rechenzentren sollen vor allem Universitäten, Forschungseinrichtungen und Behörden als Hauptnutzer dienen. Henna Virkkunen, Exekutivvizepräsidentin für technologische Souveränität, Sicherheit und Demokratie, unterstrich die Notwendigkeit dieses Schrittes: Angesichts der rasanten Entwicklung im Bereich der Künstlichen Intelligenz sei der Zugang zu massiver Rechenleistung eine strategische Notwendigkeit für Europa.

Finanzierung und technologische Anforderungen

Das Investitionsvolumen ist ambitioniert: Insgesamt sind 30 Milliarden Euro veranschlagt, wobei 10 Milliarden Euro aus öffentlichen Mitteln und 20 Milliarden Euro von privaten Investoren stammen sollen. Die Ausschreibung sieht vor, dass sich Investoren aus der EU sowie aus gleichgesinnten Ländern beteiligen können. Ein besonderer Anreiz für teilnehmende Staaten besteht darin, dass sie einen Teil der geschaffenen Rechenkapazitäten in Eigenregie verwalten und an ihre Nutzer verteilen können.

Technisch betrachtet gibt es klare Vorgaben. In einem ersten Vergabelos sollen vier Konsortien Rechenzentren errichten, die eine Leistung von 75.000 Nvidia-H100-Beschleunigern erreichen. Die Wahl dieser spezifischen Hardware sorgt in Fachkreisen für Diskussionen, da die H100-GPUs bereits einige Jahre alt sind und mittlerweile zwei neuere Generationen existieren. Die Fertigstellung der Zentren ist innerhalb von 18 Monaten nach Zuschlagserteilung geplant.

Zeitplan und Beteiligung der Mitgliedstaaten

Die Umsetzung erfolgt in zwei Phasen. Während sich in der ersten Runde Länder wie Dänemark, Frankreich, Finnland, Polen und die Tschechische Republik zur Mitwirkung bereit erklärt haben, folgen andere wichtige Akteure wie Deutschland, Italien und Spanien erst in einer zweiten Runde. Insgesamt sollen sieben Konsortien für den Aufbau der Zentren verantwortlich zeichnen.

Die EU-Kommission betont, dass die Kontrolle über die Konsortien zwingend in der EU liegen muss. Zudem müssen die Rechenzentren physisch auf dem Territorium der Union stehen, um die volle Kontrolle durch EU-Staaten zu gewährleisten. Damit soll verhindert werden, dass Drittstaaten Einfluss auf die Infrastruktur nehmen können. Dennoch bleibt die Abhängigkeit von Hardware-Herstellern wie Nvidia, AMD oder Qualcomm bestehen.

Herausforderungen und Rahmenbedingungen

Neben der technischen Umsetzung spielen Nachhaltigkeit und Energieeffizienz eine zentrale Rolle. Die Zentren sollen primär mit Strom aus erneuerbaren Energien betrieben werden, um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können. Der geplante „Cloud and AI Development Act“ (CADA) soll künftig die genauen Nutzungskriterien sowie Standards für die digitale Souveränität definieren.

Das Projekt steht jedoch unter zwei wesentlichen Vorbehalten: Zum einen müssen sich die privaten und staatlichen Investoren in ausreichendem Maße finden. Zum anderen ist die Finanzierung seitens der EU noch nicht abschließend gesichert, da derzeit zwischen den Mitgliedstaaten, dem Europaparlament und der Kommission über den kommenden EU-Haushalt verhandelt wird. Forderungen nach Anpassungen der Finanzplanungen könnten den Zeitplan beeinflussen, während die EU-Kommission den Aufbau der Kapazitäten als essenziell für die künftige Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Forschung und Industrie ansieht.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/37605911/ · Foto: panumas nikhomkhai
Quelle: https://www.heise.de/news/AI-Gigafactorys-EU-Kommission-startet-Ausschreibung-11387125.html?wt_mc=rss.red.ho.ho.atom.beitrag.beitrag