Ein Traditionsunternehmen unter Druck
Der schwäbische Batteriehersteller Varta, dessen Wurzeln bis ins Jahr 1887 zurückreichen, steht vor einer Zäsur. Das Unternehmen hat beim Amtsgericht Stuttgart einen Antrag auf ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung gestellt. Ziel dieses Schrittes ist es, die wirtschaftliche Stabilität des Konzerns langfristig zu sichern und den Geschäftsbetrieb fortzuführen. Nach Angaben des Unternehmens ist dieser Schritt nicht auf eine akute Zahlungsunfähigkeit im laufenden Betrieb zurückzuführen, sondern soll als strategisches Instrument zur Sanierung dienen.
Von dem Verfahren betroffen sind neben der Varta AG als Konzernmutter auch die operativen Einheiten Varta Microbattery GmbH, Varta Micro Production GmbH sowie Varta Storage GmbH. Das Geschäft mit Haushaltsbatterien bleibt laut Unternehmensangaben von dem Antrag unberührt.
Ursachen für den wirtschaftlichen Einbruch
Die Gründe für die Schieflage sind vielfältig. Varta verweist auf deutlich verschlechterte Marktbedingungen, eine schwächelnde Nachfrage sowie negative Währungskurseffekte. Besonders schwer wiegt jedoch der Rückzug eines zentralen Ankerkunden: Apple hat die Zusammenarbeit beendet. Da Varta in der Vergangenheit stark von diesem Großkunden abhängig war, der die Batterien aus Ellwangen unter anderem in kabellosen Ohrhörern verbaute, entstand eine erhebliche Lücke im Auftragsvolumen.
Zusätzlich erschweren hohe Schulden und operative Schwierigkeiten die Situation. Die wichtigsten Geldgeber des Konzerns – darunter die Deutsche Bank sowie die Finanzinvestoren RBC BlueBay, Blantyre und Whitebox – sehen aktuell keine tragfähige Gesamtlösung mehr. Es ist geplant, das Geschäft mit Haushaltsbatterien aus dem Konzern herauszulösen und in eine neue Eigentümerstruktur zu überführen, da keine der beteiligten Parteien weitere Finanzmittel bereitstellen wollte.
Von der Expansion in die Krise
Die Entwicklung von Varta in den letzten Jahren war von einer rasanten, aber riskanten Expansionsstrategie geprägt. Nach dem Börsengang 2017, der durch den Boom von Lithium-Ionen-Batterien für Wearables wie Smartwatches und Kopfhörer befeuert wurde, stiegen die Umsätze massiv an. Varta investierte hohe Summen in den Ausbau der Produktionskapazitäten und nahm dafür Kredite auf. Auch der Einstieg in das Segment der E-Auto-Batterien sollte als neues Standbein dienen.
Dieses Vorhaben blieb jedoch ein Nischenprodukt. Die entwickelten Batterien für Hybridfahrzeuge, die lediglich Energie aus Bremsvorgängen speichern, fanden kaum Abnehmer – mit Ausnahme von Porsche. In der Folge führten die hohen Investitionskosten bei gleichzeitig sinkender Nachfrage in der Unterhaltungselektronik zu tiefroten Zahlen. Auch der Wettbewerb aus Fernost sowie Probleme in den Lieferketten setzten das Unternehmen unter Druck.
Kritik am Management und Ausblick
Sowohl Arbeitnehmervertreter als auch Aktionäre kritisieren das Management für die Fehlentwicklungen. Auch Aufsichtsratschef Michael Tojner, der 2007 bei Varta einstieg, äußerte sich selbstkritisch. Er räumte ein, dass die Latte zu hoch gelegt wurde und zu viele Projekte gleichzeitig gestartet wurden. Die Investitionen seien zu leichtfertig getätigt worden.
Die Zukunft des Unternehmens hängt nun von der erfolgreichen Umsetzung der Eigenverwaltung ab. Während die Belegschaft in der Vergangenheit bereits von Kurzarbeit und Stellenstreichungen betroffen war, stellt die nun eingeleitete Sanierung einen entscheidenden Wendepunkt dar. Ob die angestrebte Trennung des Haushaltsbatterie-Geschäfts und die Restrukturierung der Konzernmutter ausreichen, um die Traditionsmarke dauerhaft zu erhalten, bleibt abzuwarten.