Ein wichtiger Meilenstein für die Ganztagsbetreuung im Landkreis Kassel
Im November 2026 konnte der Landkreis Kassel einen bedeutenden Erfolg bei der Umsetzung des Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung an Grundschulen vermelden. Insgesamt 26 weitere Mitarbeitende haben die pädagogische Qualifizierungsreihe „Kompetent begleiten, sicher betreuen“ erfolgreich abgeschlossen. Diese Maßnahme ist ein zentraler Baustein in der Strategie des Landkreises, um den wachsenden Anforderungen an eine verlässliche und qualitativ hochwertige Betreuung von Grundschulkindern gerecht zu werden. Seit August besteht der gesetzliche Anspruch auf Ganztagsbetreuung, was die Schulträger vor enorme Herausforderungen stellt. Neben der notwendigen Infrastruktur, wie etwa geeigneten Räumlichkeiten und einer gesicherten Mittagsverpflegung, steht die fachliche Qualifizierung des Personals im Fokus. Die nun zertifizierten Kräfte sind Teil einer größeren Initiative, die bereits seit 2024 insgesamt 144 Mitarbeitende für den Einsatz im Ganztag vorbereitet hat. Durch die enge Kooperation zwischen dem Landkreis als Schulträger, der Arbeitsförderungsgesellschaft im Landkreis Kassel (AGiL gGmbH) und der vhs Region Kassel wird sichergestellt, dass die Betreuungsangebote nicht nur quantitativ ausgebaut, sondern auch qualitativ auf einem hohen Niveau gehalten werden. Die Qualifizierung dient dazu, die Mitarbeitenden auf die neuen Rahmenbedingungen vorzubereiten und sie in ihrer täglichen Arbeit mit den Kindern zu stärken.
Struktur und Inhalte der Qualifizierungsmaßnahme
Das Programm „Kompetent begleiten, sicher betreuen“ umfasst insgesamt 84 Unterrichtseinheiten, die den Teilnehmenden ein breites Spektrum an pädagogischem und rechtlichem Fachwissen vermitteln. Die Inhalte sind darauf ausgerichtet, sowohl theoretische Grundlagen als auch praxisnahe Methoden zu vermitteln, die unmittelbar im Betreuungsalltag zur Anwendung kommen können. Zu den zentralen Themenbereichen gehören die rechtlichen Rahmenbedingungen, die Reflexion der eigenen Rolle und Persönlichkeit, die inhaltliche Gestaltung des Ganztags sowie der Aufbau von Netzwerken und Strukturen. Ein besonderes Augenmerk legen die Verantwortlichen auf die spezifischen Bedürfnisse von Grundschulkindern. Dabei werden auch der Bildungs- und Erziehungsplan für Kinder im Alter von 0 bis 10 Jahren sowie konkrete pädagogische Konzepte intensiv behandelt. Um das Zertifikat zu erhalten, mussten die Teilnehmenden nicht nur die Unterrichtseinheiten absolvieren, sondern auch eine Abschlusspräsentation zu einem selbst gewählten Thema aus dem Kursverlauf erarbeiten. Diese Form der Leistungsprüfung stellt sicher, dass die Inhalte nicht nur konsumiert, sondern aktiv durchdrungen und in einen persönlichen Kontext gesetzt wurden. Die feierliche Übergabe der Zertifikate durch Andre Franke, Geschäftsführer der AGiL gGmbH, und Sven Hebestreit, Leiter der Volkshochschule, bildete den offiziellen Abschluss der diesjährigen Kursreihe und würdigte das Engagement der Absolventinnen und Absolventen.
Die Rolle der beteiligten Institutionen und Akteure
Die Umsetzung dieses komplexen Qualifizierungsprojekts erfordert eine koordinierte Zusammenarbeit verschiedener Akteure. Der Landkreis Kassel fungiert als Schulträger und übernimmt die Finanzierung der Maßnahmen aus eigenen Mitteln. Die AGiL gGmbH, ein anerkannter freier Träger der Jugendhilfe, spielt eine Schlüsselrolle bei der Gewinnung und Bereitstellung des Personals. Bei der AGiL sind rund 200 Ganztagskräfte angestellt, die nun sukzessive geschult werden. Geschäftsführer Andre Franke unterstreicht die Bedeutung dieser Vorbereitung für die Qualität des gesamten Ganztagsangebots. Die vhs Region Kassel, vertreten durch Anna Rein, zeichnet für die fachliche Planung und Koordination der Qualifizierungsangebote verantwortlich. Diese Zusammenarbeit ermöglicht es, eine hochwertige Bildungs- und Betreuungsarbeit sicherzustellen, die über eine reine Beaufsichtigung weit hinausgeht. Auch die praktische Durchführung der Abschlussfeier wurde durch Projekte der AGiL unterstützt: Das Catering wurde durch das Projekt HAPE (Hauswirtschaft – Alltagsbegleitung – Pflege – Erziehung) sowie das Qualifizierungs- und Beschäftigungsprojekt in Wülmersen übernommen. Dieser ganzheitliche Ansatz zeigt, wie der Landkreis Kassel Synergien nutzt, um sowohl die Betreuungsqualität als auch die berufliche Integration zu fördern.
Einordnung der Maßnahmen in den gesellschaftlichen Kontext
Einzuordnen ist das Engagement des Landkreises als direkte Reaktion auf den gesellschaftlichen Wandel und die damit verbundenen bildungspolitischen Vorgaben. Das Ziel der Qualifizierung ist es, nicht nur die Betreuung sicherzustellen, sondern einen aktiven Beitrag zu mehr Bildungsgerechtigkeit zu leisten. Durch die individuelle Förderung der Schülerinnen und Schüler während der Ganztagsangebote soll die Chancengleichheit gestärkt werden. Zudem ist die verlässliche Betreuung ein entscheidender Faktor für die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie für die Eltern im Landkreis. Den Berichten zufolge ist die kontinuierliche Weiterentwicklung der pädagogischen Arbeit ein wesentlicher Bestandteil, um den Anforderungen der modernen Grundschule gerecht zu werden. Die Einführung einer Aufbauqualifizierung für bereits geschulte Mitarbeitende aus den Vorjahren unterstreicht den Anspruch des Landkreises, die Qualität der Betreuung nachhaltig zu sichern. Es geht nicht mehr nur um die Erstausbildung, sondern um einen dauerhaften Prozess des Lernens und des fachlichen Austauschs. Die Vernetzung der Kräfte untereinander und die Möglichkeit, Wissen in Workshops zu vertiefen, tragen dazu bei, dass die Ganztagskräfte als professionelle Akteure in der Schullandschaft wahrgenommen werden und ihre Rolle sicher ausfüllen können.
Offene Fragen und verbleibende Herausforderungen
Trotz der erfolgreichen Zertifizierung von 26 weiteren Kräften bleiben einige Aspekte des Prozesses im vorliegenden Quelltext unbeantwortet. So wird beispielsweise nicht explizit dargelegt, wie hoch der gesamte Personalbedarf im Landkreis Kassel konkret ist, um den Rechtsanspruch an allen Grundschulen vollständig und dauerhaft zu decken. Es bleibt offen, wie viele Stellen aktuell noch unbesetzt sind oder ob die Zahl von 144 qualifizierten Mitarbeitenden seit 2024 ausreicht, um den Bedarf an allen Standorten zu befriedigen. Auch zu den konkreten Auswahlkriterien für die Teilnehmenden oder der genauen Verteilung der Einsatzorte der 26 Absolventen macht der Text keine Angaben. Ebenso fehlen Informationen darüber, wie die Qualität der Betreuung an den Schulen durch den Landkreis Kassel fortlaufend evaluiert wird, abgesehen von der angebotenen Qualifizierung. Ob es neben dem Personalmangel auch noch infrastrukturelle Engpässe gibt, die den Ausbau des Ganztags an spezifischen Standorten verzögern könnten, wird im Bericht nicht thematisiert. Die Lücke zwischen dem gesetzlichen Anspruch und der tatsächlichen flächendeckenden Umsetzung bleibt somit ein Thema, das über die reine Personalschulung hinausgeht.
Ausblick auf die kommenden Schritte und Veranstaltungen
Wie es weitergeht, ist bereits klar definiert: Der Landkreis Kassel setzt die Qualifizierungsreihe auch im kommenden Jahr fort. Die Verantwortlichen planen, weitere Ganztagskräfte zu schulen, um den wachsenden Bedarf zu decken. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf dem Ausbau der Aufbauqualifizierung, die sich an bereits erfahrene Mitarbeitende richtet. Diese Maßnahme soll den Austausch und die kontinuierliche Weiterentwicklung der pädagogischen Arbeit fördern. Der offizielle Auftakt für die Aktivitäten im neuen Jahr findet Ende Januar mit einer ersten Netzwerkveranstaltung statt, die den Grundstein für den fachlichen Austausch legen soll. Im weiteren Verlauf des Jahres 2027 sind insgesamt zehn Workshops zu verschiedenen Themenbereichen vorgesehen, die den Mitarbeitenden die Möglichkeit geben, ihr Wissen zu vertiefen und aktuelle Herausforderungen gemeinsam zu reflektieren. Damit setzt der Landkreis Kassel ein klares Signal, dass die Qualifizierung des Personals keine einmalige Aktion ist, sondern ein fester Bestandteil der Bildungsstrategie bleibt. Die kontinuierliche Investition in das Personal soll sicherstellen, dass die Ganztagsbetreuung an den Grundschulen im Landkreis Kassel auch in Zukunft verlässlich und qualitativ hochwertig bleibt.