Der Zusammenhang zwischen Online-Zeit und Wohlbefinden
Die ständige Verfügbarkeit digitaler Inhalte hat unseren Alltag grundlegend verändert. Doch während das Internet für viele als unverzichtbares Werkzeug gilt, wächst die Sorge um die negativen Begleiterscheinungen eines exzessiven Konsums. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Duisburg-Essen haben in einer aktuellen Untersuchung, die im Fachmagazin PLOS One veröffentlicht wurde, die Auswirkungen einer problematischen Internetnutzung auf das menschliche Wohlbefinden analysiert.
Die Ergebnisse bestätigen, was viele Anwenderinnen und Anwender bereits aus ihrem Alltag kennen: Ein übermäßiger Gebrauch digitaler Medien korreliert signifikant mit einem höheren Stresslevel, einer verschlechterten Stimmung und der Vernachlässigung anderer Lebensbereiche. Dabei differenzieren die Forschenden klar zwischen einer normalen Nutzung und einem pathologischen oder risikobehafteten Verhalten.
Methodik und Erkenntnisse der Untersuchung
Für die Studie wurden 900 Erwachsene in Deutschland befragt, die im vergangenen Jahr regelmäßig Online-Aktivitäten wie Videospiele, soziale Netzwerke, Online-Shopping oder den Konsum von Pornografie nachgegangen waren. Über einen Zeitraum von zwei Wochen dokumentierten die Teilnehmenden täglich ihre Stimmung, ihr Stresslevel sowie den inneren Drang zur Internetnutzung.
Die Auswertung zeigte, dass vor allem der wahrgenommene innere Zwang der entscheidende Faktor für eine fortgesetzte Nutzung ist. Die tägliche Internetzeit lässt sich demnach durch Faktoren wie Stress und die aktuelle Stimmung vorhersagen. Die Forschenden betonen dabei, dass nicht das Internet per se das Problem darstellt, sondern die Art und Weise der Nutzung, wenn sie zu funktionellen Beeinträchtigungen führt.
Zunehmende Herausforderungen bei jüngeren Generationen
Besonders besorgniserregend ist die Entwicklung bei Minderjährigen. Laut Daten der DAK hat sich der Anteil der Jugendlichen mit einem krankhaften Nutzungsverhalten seit 2019 mehr als verdoppelt. Im Fokus steht hierbei insbesondere der Konsum sozialer Medien. Die durchschnittliche Online-Zeit an Wochentagen liegt bei über zwei Stunden, am Wochenende steigt dieser Wert weiter an.
Als ein wesentlicher Treiber für diese Entwicklung wird das suchtfördernde Design vieler Plattformen identifiziert. In den USA hat diese Problematik bereits zu juristischen Konsequenzen geführt. Tech-Konzerne wurden dort für ihre Gestaltungspraktiken verurteilt, da sie Nutzerinnen und Nutzer nicht ausreichend vor den Risiken exzessiver Nutzung schützten. Ein prominenter Fall endete mit einer Schmerzensgeldzahlung in Millionenhöhe, nachdem eine Nutzerin infolge exzessiven Scrollens an psychischen Problemen wie Depressionen und Angstzuständen erkrankt war.
Der Wunsch nach digitaler Entschleunigung
Trotz der hohen Hürden bei der Verhaltensänderung ist das Bewusstsein für die Problematik bei den Betroffenen vorhanden. Insbesondere die Generation Z äußert verstärkt den Wunsch, die eigene Bildschirmzeit aktiv zu reduzieren. Laut einer Umfrage der FOM Hochschule haben sich über 37 Prozent der jungen Erwachsenen vorgenommen, ihre Online-Zeit zu begrenzen – ein deutlich höherer Wert als bei der Generation der Babyboomer.
Die ständige Erreichbarkeit über das Smartphone erschwert dieses Vorhaben jedoch massiv. Die wissenschaftliche Einordnung durch Experten wie Andreas Oelker, Mitautor der Studie, verdeutlicht, dass die Identifikation der Auslöser für das Online-Verhalten der Schlüssel zu effektiveren Präventions- und Behandlungsstrategien ist. Das Verständnis dafür, warum Menschen zu bestimmten Zeitpunkten das Internet aufsuchen, bleibt somit eine zentrale Aufgabe für die zukünftige Forschung und Gesundheitsvorsorge.