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Zentralasien - Ex-Sowjetrepublik Kasachstan wählt neu geschaffenes Parlament
Schlagzeilen · 23.08.2026 08:51

Zentralasien - Ex-Sowjetrepublik Kasachstan wählt neu geschaffenes Parlament

Kurz: In Kasachstan findet eine wegweisende Parlamentswahl statt. Über 12 Millionen Wahlberechtigte entscheiden über die Zusammensetzung der neu geschaffenen Kammer.

Ein historischer Urnengang in Zentralasien

In der zentralasiatischen Republik Kasachstan hat ein bedeutender politischer Prozess begonnen. Mehr als 12 Millionen wahlberechtigte Bürgerinnen und Bürger sind am 23. August 2026 dazu aufgerufen, ein neues Parlament zu wählen. Dieser Urnengang markiert einen Wendepunkt in der staatlichen Organisation des rohstoffreichen Landes, das rund 20 Millionen Einwohner zählt. Im Zentrum der Wahl steht die Besetzung der neu geschaffenen Parlamentskammer, die als Kurultai bezeichnet wird. Die Wahl findet unter besonderer Beobachtung statt, da sie die erste Abstimmung nach einer weitreichenden Verfassungsänderung darstellt, die das politische Gefüge der ehemaligen Sowjetrepublik grundlegend transformiert hat. Die Bürgerinnen und Bürger entscheiden über die Vergabe von insgesamt 145 Abgeordnetenmandaten, die künftig die einzige Kammer des Landes bilden werden. Die Bedeutung dieses Tages für die künftige Machtverteilung im Staat ist kaum zu unterschätzen, da die institutionellen Rahmenbedingungen durch den vorangegangenen Reformprozess maßgeblich verändert wurden.

Details zur neuen Struktur und den Kompetenzen

Die aktuelle Wahl basiert auf den Ergebnissen eines Referendums, das bereits im März stattfand. Damals votierte die Bevölkerung für eine umfassende Verfassungsänderung, die unter anderem die Zusammenlegung der vormals zwei Parlamentskammern vorsah. Die nun gewählte Kammer, das Kurultai, umfasst 145 Sitze. Mit der neuen Struktur gehen jedoch signifikante Einschränkungen der parlamentarischen Befugnisse einher. Den Berichten zufolge verlieren die Abgeordneten wichtige Kontroll- und Ernennungsrechte. So liegt die Befugnis zur Bestellung des Wahlleiters sowie der Vorsitzenden des Rechnungshofes, der Nationalbank und des Geheimdienstes nicht mehr in den Händen des Parlaments. Auch die Ernennung des Generalstaatsanwalts obliegt nun exklusiv dem Präsidenten. Diese Machtverschiebung zugunsten des Staatsoberhauptes ist ein zentraler Aspekt der verfassungsrechtlichen Neuausrichtung. Gleichzeitig wurde die Position des Präsidenten durch die neuen Regelungen gestärkt, während die Möglichkeiten des Parlaments, das Staatsoberhaupt politisch zu kontrollieren oder gar abzusetzen, auf den extremen Fall eines Hochverratsvorwurfs begrenzt wurden.

Der Weg zur Verfassungsreform

Die aktuelle politische Situation in Kasachstan ist das Resultat einer gezielten Strategie zur Umgestaltung der staatlichen Institutionen. Die Entscheidung, die beiden Parlamentskammern zu einer einzigen Einheit zu verschmelzen, wurde im März dieses Jahres in einem landesweiten Referendum getroffen. Dieser Schritt wurde als Teil einer umfassenderen Reformagenda präsentiert, die das Ziel verfolgte, die Regierungsstrukturen zu straffen. Die Vorgeschichte dieser Entwicklung ist eng mit dem Bestreben verbunden, die Machtverhältnisse innerhalb der kasachischen Führungselite neu zu definieren. Beobachter und Experten hatten bereits im Vorfeld des Referendums darauf hingewiesen, dass die geplanten Änderungen eine deutliche Zentralisierung der Macht in den Händen von Präsident Tokajew nach sich ziehen würden. Die Zusammenlegung der Kammern zum Kurultai war dabei das zentrale Element, um die parlamentarische Landschaft zu vereinheitlichen und gleichzeitig die direkten Einflussmöglichkeiten der Legislative auf zentrale Staatsorgane zu beschneiden. Die heutige Wahl ist somit die praktische Umsetzung dieser verfassungsrechtlichen Weichenstellung.

Die Akteure im politischen Machtgefüge

Im Zentrum der politischen Debatte steht Präsident Tokajew, dessen Rolle durch die Verfassungsreformen erheblich gestärkt wurde. Während das Parlament künftig als Kurultai agiert, konzentriert sich die exekutive Macht zunehmend auf das Staatsoberhaupt. Juristen und Bürgerrechtler haben die Entwicklungen in Kasachstan kritisch begleitet. Sie bewerten die Zusammenlegung der Kammern und den Entzug der Ernennungsrechte als eine deutliche Schwächung des Parlaments gegenüber dem Präsidentenamt. Die 145 Abgeordneten, die heute zur Wahl stehen, werden in einem System agieren, das ihnen weniger Spielraum für die Kontrolle der Exekutive lässt als bisher. Die Institutionen, deren Führungspersonal nun direkt vom Präsidenten ernannt wird – namentlich die Nationalbank, der Geheimdienst, der Rechnungshof und die Generalstaatsanwaltschaft –, unterstehen damit einer direkteren Kontrolle durch das Staatsoberhaupt. Die Bürgerinnen und Bürger Kasachstans sind somit die Akteure, die durch ihre Stimmabgabe die personelle Zusammensetzung des neuen Kurultais bestimmen, auch wenn der institutionelle Rahmen bereits durch die Verfassungsänderungen fest vorgegeben ist.

Einordnung der Machtverschiebung

Einzuordnen ist das Geschehen als eine bewusste Abkehr von einer dualen parlamentarischen Struktur hin zu einer zentralistischen Ordnung. Den Berichten zufolge bedeutet die neue Verfassungslage eine signifikante Stärkung des Präsidentenamtes. Während das Parlament früher eine gewisse Rolle bei der Besetzung wichtiger Staatsämter spielte, ist dieser Einfluss nun weitgehend entfallen. Kritiker sehen darin eine Gefahr für das demokratische Gleichgewicht, da die parlamentarische Kontrolle über zentrale Institutionen wie den Geheimdienst oder die Nationalbank nun entfällt. Die Konzentration der Macht beim Präsidenten wird durch die Tatsache unterstrichen, dass eine Amtsenthebung des Staatsoberhauptes nun nur noch unter der sehr engen Voraussetzung des Hochverrats möglich ist. Diese rechtliche Hürde ist als Schutzmechanismus für den Präsidenten zu verstehen, der die politische Stabilität aus Sicht der Regierung sichern soll. Den Beobachtungen zufolge festigt diese Reform die Stellung von Präsident Tokajew nachhaltig und reduziert die Rolle des Parlaments auf eine eher beratende oder unterstützende Funktion im politischen Prozess des Landes.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/majestatische-architektur-von-shah-i-zinda-usbekistan-36748345/ · Foto: Talha Kılıç
Quelle: https://www.deutschlandfunk.de/ex-sowjetrepublik-kasachstan-waehlt-neu-geschaffenes-parlament-100.html