News aus aller Welt
Start
Zeitzeugen berichten: AR-App zum Mauerbau von WDR und MDR
Technik · 11.08.2026 15:00

Zeitzeugen berichten: AR-App zum Mauerbau von WDR und MDR

Kurz: WDR und MDR veröffentlichen eine neue AR-App, die Zeitzeugenberichte zur deutschen Teilung direkt ins Klassenzimmer bringt und Schüler zur Interaktion einlädt.

Geschichte hautnah: Augmented Reality im Geschichtsunterricht

Anlässlich des 65. Jahrestages des Mauerbaus am 13. August 1961 haben der WDR und der MDR ein innovatives Bildungsprojekt gestartet. Die App „OstWest Zeitzeugen – Mauerjahre in AR“ nutzt Augmented Reality (AR), um die deutsche Teilung für Schülerinnen und Schüler ab der 9. Klasse greifbar zu machen. Das Projekt knüpft an die erfolgreichen AR-Geschichtsprojekte des Senders an, wie etwa die Aufarbeitung der Jahre 1933 bis 1945 oder die Trümmerjahre nach dem Zweiten Weltkrieg.

Drei Perspektiven auf die deutsche Teilung

Das Herzstück der Anwendung bilden die persönlichen Erzählungen von drei Zeitzeugen, die unterschiedliche Facetten der DDR-Geschichte und der deutschen Teilung repräsentieren:

* **Elke Rosin:** Sie schildert ihre kurzentschlossene Flucht in den Westen.

* **Jörg Hildebrandt:** Er blieb in der DDR, obwohl er das politische System ablehnte.

* **Uwe Rutkowski:** Seine Biografie ist besonders komplex – er war als Volkspolizist an der Grenze eingesetzt, floh später selbst in den Westen und wurde nach einer Tätigkeit als Fluchthelfer in der DDR inhaftiert.

Durch diese Auswahl wird ein Spektrum abgedeckt, das von Flucht über inneren Widerstand bis hin zu systemkritischen Gewissenskonflikten reicht. Die Erzählungen werden durch Fotos, Audios, Texte und Illustrationen ergänzt, um ein umfassendes Bild der damaligen Zeit zu vermitteln.

Partizipation als neuer Ansatz

Im Gegensatz zu früheren Projekten ist die Anwendung als partizipatives Werkzeug konzipiert. Schülerinnen und Schüler haben die Möglichkeit, eigene Fragen an die Zeitzeugen zu richten. Da der Zeitraum für die Einreichung neuer Fragen bis Anfang Oktober 2026 begrenzt ist, sind Lehrkräfte angehalten, das Thema zeitnah in den Unterricht zu integrieren. Die kurze Frist wurde laut WDR mit Rücksicht auf die gesundheitliche Situation der Zeitzeugen gewählt.

Die eingereichten Fragen werden durch die Stiftung Berliner Mauer und die Landesschüler*innenvertretung NRW betreut. Ausgewählte Jugendliche aus Ost- und Westdeutschland sollen die Fragen anschließend persönlich im Studio stellen. Die Antworten werden voraussichtlich zur Bildungsmesse didacta im Februar 2027 als App-Update veröffentlicht.

Didaktische Einbindung und langfristige Planung

Um die App effektiv im Unterricht zu nutzen, stellt das Angebot „planet schule“ Begleitmaterialien bereit, die eine Bearbeitung in ein bis zwei Unterrichtsstunden ermöglichen. Die App ist zudem barrierefrei gestaltet, unterstützt Screenreader und bietet Untertitel sowie eine kontrastreiche Darstellung.

Das Projekt ist langfristig angelegt: Bis 2029 planen WDR und MDR, schrittweise weitere Kapitel zu veröffentlichen. Ein bereits in Aussicht gestelltes Thema ist das Leben als Jugendlicher in Ost- und Westdeutschland. Dieser Co-Creation-Prozess, bei dem Schülerinnen und Schüler aus verschiedenen deutschen Städten bereits in der Konzeptphase mitwirkten, soll auch in Zukunft fortgeführt werden.

Technische Voraussetzungen

Die App ist kostenlos für iOS und Android verfügbar. Für die AR-Funktionen, die Zeitzeugen in den Raum des Nutzers projizieren, ist kein spezielles Equipment wie eine Tiefenkamera erforderlich. Es genügt ein ARKit-fähiges iPhone oder iPad (ab iOS 15.0) oder ein Android-Gerät, das ARCore-zertifiziert ist (ab Android 10). Die Inhalte sind auch offline abrufbar und über die Website kurz.ard.de/ost-west-zeitzeugen sowie das System Mundo zugänglich.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/macbook-pro-auf-dach-mit-offenem-code-editor-37085305/ · Foto: Meet Patel
Quelle: https://www.heise.de/news/Zeitzeugen-berichten-AR-App-zum-Mauerbau-von-WDR-und-MDR-11404642.html?wt_mc=rss.red.ho.ho.atom.beitrag.beitrag