News aus aller Welt
Start
Wut in Kosovos Parlament: Regierungschef mit Eiern beworfen
Schlagzeilen · 09.08.2026 12:42

Wut in Kosovos Parlament: Regierungschef mit Eiern beworfen

Kurz: Im Parlament des Kosovo kam es zu einem Eklat: Ministerpräsident Albin Kurti wurde von einer Oppositionspolitikerin mit Eiern beworfen.

Eskalation im Parlament

Die politische Atmosphäre im Kosovo hat einen neuen Tiefpunkt erreicht. Während einer Debatte über die langwierige Regierungsbildung wurde der geschäftsführende Ministerpräsident Albin Kurti im Parlamentsgebäude tätlich angegriffen. Die Abgeordnete Time Kadrijaj von der Allianz für die Zukunft des Kosovo (AAK) bewarf den Regierungschef vor laufenden Kameras mit Eiern. Der Vorfall unterstreicht die tiefe Frustration innerhalb der Opposition über den anhaltenden Stillstand im Land.

Hintergrund der Blockade

Auslöser für den Eklat war eine erneute Vertagung der konstituierenden Sitzung der Volksvertretung. Kurti, dessen links-nationalistische Partei Vetevendosje (Selbstbestimmung) aus der Wahl am 7. Juni als stärkste Kraft hervorging, hatte um mehr Zeit für weitere Koalitionsverhandlungen gebeten. Für die Abgeordnete Kadrijaj, eine 61-jährige Ärztin, war dies der Anlass, ihrem Unmut über das Vorgehen des Premiers Ausdruck zu verleihen.

Die politische Lage im Kosovo ist seit etwa anderthalb Jahren festgefahren. In diesem Zeitraum mussten die Bürger bereits dreimal an die Wahlurnen gerufen werden. Die aktuelle Krise ist das Resultat einer Kette von gescheiterten Versuchen, eine stabile Regierung zu bilden:

* Februar 2025: Verlust der absoluten Mehrheit für Kurtis Partei.

* Dezember 2025: Vorgezogene Neuwahlen nach monatelangen, ergebnislosen Koalitionsgesprächen.

* Juni 2026: Dritte Parlamentswahl, da das vorangegangene Parlament das verfassungsrechtlich notwendige Quorum zur Wahl eines neuen Staatsoberhauptes nicht erreichte.

Fehlende Mehrheiten und verpasste Fristen

Obwohl Vetevendosje bei der Wahl im Juni mit 43 Prozent der Stimmen erneut als stärkste Kraft hervorging, verfügt die Partei lediglich über 53 der insgesamt 120 Sitze. Damit fehlt Kurti die absolute Mehrheit, um ohne Koalitionspartner regieren zu können. Die Suche nach Bündnispartnern erweist sich als äußerst schwierig, insbesondere bei der Besetzung des Parlamentspräsidentenamtes, das für die Konstituierung der Volksvertretung zwingend erforderlich ist.

Der Zeitdruck wächst: Das Verfassungsgericht hatte eine 30-Tage-Frist für die Konstituierung des Parlaments gesetzt, die nach der offiziellen Bestätigung der Wahlergebnisse am 8. Juli bereits abgelaufen ist. Zudem tickt die Uhr für die Wahl eines neuen Staatsoberhauptes: Seit dem 6. August läuft eine 60-Tage-Frist, innerhalb derer das Parlament diese Wahl vollziehen muss.

Kritik an der Amtsführung

Die Opposition wirft Kurti eine bewusste Verzögerungstaktik vor. Enver Hoxhaj, Abgeordneter der Demokratischen Partei (PDK) und ehemaliger stellvertretender Premier, kritisierte das Verhalten des Ministerpräsidenten scharf. Er warf Kurti vor, das Parlament wie sein persönliches Eigentum zu behandeln.

Die politische Instabilität im Kosovo ist besonders vor dem Hintergrund der EU-Bestrebungen auf dem Westbalkan von Bedeutung. Die Europäische Union verfolgt das Ziel, die Länder der Region enger an sich zu binden, wobei eine stabile Regierungsführung eine Grundvoraussetzung für weitere Integrationsschritte darstellt. Ob und wann es Kurti gelingen wird, die notwendigen Mehrheiten zu organisieren, bleibt angesichts der verhärteten Fronten offen.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/rote-und-gelbe-flagge-532867/ · Foto: Felix Mittermeier
Quelle: https://www.zdfheute.de/politik/ausland/kosovo-parlament-ministerpraesident-eierwurf-100.html