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Wiederverwendbarkeit: Wachstumsmarkt des 3D-Drucks in chinesischen Raketen
Politik · 24.07.2026 10:32

Wiederverwendbarkeit: Wachstumsmarkt des 3D-Drucks in chinesischen Raketen

Kurz: Der 3D-Druck revolutioniert die chinesische Raumfahrt. Durch additive Fertigung sinken Kosten und Komplexität bei der Produktion wiederverwendbarer Raketen.

Die technologische Wende in der chinesischen Raumfahrt

In der chinesischen kommerziellen Raumfahrtindustrie vollzieht sich ein technologischer Wandel, bei dem der 3D-Druck eine zentrale Rolle einnimmt. Das am 25. Juni 2026 veröffentlichte „Blaubuch zur Entwicklung der 3D-Drucktechnologie in Chinas kommerzieller Raumfahrt 2026“ unterstreicht die wachsende Bedeutung dieses Fertigungsverfahrens. Die additive Fertigung gilt dabei als Schlüsseltechnologie, um die komplexen Anforderungen an die Wiederverwendbarkeit von Trägerraketen zu erfüllen.

Da moderne Raketensysteme keine Einwegprodukte mehr sein sollen, steigen die Anforderungen an die Langlebigkeit und Zuverlässigkeit der verbauten Komponenten massiv an. Herkömmliche Fertigungsmethoden stoßen hier oft an ihre Grenzen, da eine hohe Anzahl an Einzelteilen und Schweißnähten die Fehleranfälligkeit erhöht und den Montageaufwand in die Höhe treibt.

Effizienzsteigerung durch additive Fertigung

Der Metall-3D-Druck bietet hier eine Lösung, indem er komplexe Bauteile – darunter Schubkammern, Injektoren, Düsen und Turbopumpen – direkt in einem Stück fertigt. Diese Konsolidierung von Bauteilen bringt mehrere Vorteile mit sich:

* **Kostensenkung:** Durch die Reduktion von Einzelteilen sinken die Produktionskosten.

* **Gewichtsreduktion:** Leichtere Komponenten verbessern die Effizienz der Trägersysteme.

* **Beschleunigte Zyklen:** Der Herstellungszyklus kann laut Branchenberichten um 70 bis 80 Prozent verkürzt werden.

* **Erhöhte Startfrequenzen:** Schnellere Montage und Anpassbarkeit ermöglichen ein höheres Starttempo.

Ein Beispiel für diese Entwicklung ist das Unternehmen Space Pioneer. Durch den Einsatz des 3D-Drucks beim TH-11V-Triebwerk der Tianlong-2-Rakete konnte die Anzahl der Bauteile für den Verbrennungsmotor um 80 Prozent reduziert werden. Dies führte zu einer Kosten- und Gewichtseinsparung von 40 bis 50 Prozent.

Marktpotenzial und Prognosen

Die wirtschaftliche Bedeutung des Sektors ist erheblich. Laut dem aktuellen Blaubuch wird der Markt für 3D-Druck-Komponenten im chinesischen kommerziellen Raumfahrtsektor bis 2027 voraussichtlich die Marke von 15 Milliarden Yuan (ca. 1,94 Milliarden Euro) überschreiten. Für das Jahr 2030 wird bereits ein Volumen von 30 Milliarden Yuan (ca. 3,88 Milliarden Euro) prognostiziert. Dies entspricht einer jährlichen Wachstumsrate von 35 Prozent über die kommenden fünf Jahre.

Auch der Anwendungsbereich innerhalb der Raketenstrukturen weitet sich aus. Während der 3D-Druck bei Satellitenstrukturteilen und großen Raketenkörpern aktuell bei einer Auslastung von 35 bis 50 Prozent liegt, wird ein Anstieg auf über 60 Prozent erwartet. Unternehmen wie Landspace setzen bereits konsequent auf diese Technologie; so wurden beim 100. Flüssigsauerstoff-Methan-Motor für die Zhuque-2-Rakete wesentliche Komponenten wie Rumpfbauteile und Schubkammern additiv gefertigt.

Herausforderungen auf dem Weg zur industriellen Reife

Trotz der technologischen Fortschritte bleibt der Weg zur vollständigen Industrialisierung mit Herausforderungen verbunden. Die tatsächliche Belastbarkeit der gedruckten Teile über mehrere Flugzyklen hinweg ist der entscheidende Gradmesser für den Erfolg der Wiederverwendbarkeit. Hierfür sind wiederkehrende Start- und Landeserien notwendig, um die Praxistauglichkeit zu verifizieren.

Zudem identifiziert die Branche weiterhin kritische Bereiche, die eine stetige Weiterentwicklung erfordern:

* **Anlagenstabilität:** Konstante Qualität in der Produktion.

* **Materialkonsistenz:** Sicherstellung gleichbleibender Werkstoffeigenschaften.

* **Fehlererkennung:** Zuverlässige Methoden zur Qualitätsprüfung.

* **Zertifizierung:** Etablierung standardisierter Prüfverfahren für den Luft- und Raumfahrtbereich.

Ob die im 3D-Druck gefertigten Komponenten den extremen Belastungen bei wiederholten Einsätzen dauerhaft standhalten können, wird sich in den kommenden Jahren im operativen Betrieb zeigen.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/stadt-wahrzeichen-winter-park-16722360/ · Foto: Tony Wu
Quelle: https://www.golem.de/news/wiederverwendbarkeit-wachstumsmarkt-des-3d-drucks-in-chinesischen-raketen-2607-211133.html