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Wie ein Goldhändler mit Krisen-Ängsten Millionen verdient
Schlagzeilen · 12.08.2026 18:00

Wie ein Goldhändler mit Krisen-Ängsten Millionen verdient

Kurz: Der YouTuber Dominik Kettner nutzt Krisenängste, um Gold zu verkaufen. Ein Blick auf sein Geschäftsmodell und die Vernetzung in die rechte Szene.

Was geschehen ist: Die Mechanik der Angst

Im Zentrum einer aktuellen medialen Debatte steht der 36-jährige Edelmetallhändler Dominik Kettner, der über seinen YouTube-Kanal „Kettner-Edelmetalle“ eine enorme Reichweite erzielt hat. Mit über einer halben Million Followern zählt er zu den einflussreichsten Polit-Influencern im deutschsprachigen Raum. Die Kernstrategie seines Geschäftsmodells ist dabei so simpel wie effektiv: In einer Vielzahl von Videos zeichnet Kettner düstere Zukunftsszenarien, die von einem drohenden Zusammenbruch des Finanzsystems über Währungskollapse bis hin zu staatlichen Enteignungen reichen. Diese apokalyptischen Warnungen, die oft mit reißerischen Thumbnails und dramatischen Formulierungen wie „Deutschland am Abgrund“ unterlegt sind, dienen als Vorbereitung für sein eigentliches Angebot. Kettner präsentiert den Kauf von Gold und Silber als alternativlose Absicherung gegen diese vermeintlich bevorstehenden Katastrophen. Indem er bei seinem Publikum gezielt Ängste vor dem Verlust des Vermögens schürt, positioniert er sich gleichzeitig als derjenige, der den rettenden Ausweg anbietet. Das ZDF-Format „Die Spur“ hat dieses System unter dem Titel „Vergoldete Angst“ analysiert und beleuchtet, wie aus der Verunsicherung der Menschen ein florierendes Millionen-Business geworden ist, das weit über den reinen Edelmetallhandel hinausgeht.

Die Einzelheiten: Zahlen, Namen und Strategien

Das Netzwerk, das Dominik Kettner um sich geschart hat, ist ebenso vielfältig wie umstritten. Neben seiner eigenen Präsenz auf YouTube, wo er seit Anfang 2026 gemeinsam mit dem Finanzinfluencer Philip Hopf den Podcast „Hopf & Kettner“ produziert, nutzt er seine Webseite für sogenannte „Live-Webinare“. In diesen Formaten treten regelmäßig Gäste auf, die aus dem rechtskonservativen, rechtslibertären und rechtsextremen Spektrum stammen. Die Gästeliste liest sich wie ein Who-is-Who der kontroversen Internet-Szene: Dazu zählen der AfD-Parteivorsitzende Tino Chrupalla, die Adelige Gloria von Thurn und Taxis sowie der als „Ketzer der Neuzeit“ bekannte Leonard Jäger. Auch Akteure, die für die Verbreitung von Verschwörungstheorien bekannt sind, wie der Mediziner Sucharit Bhakdi oder der ehemalige Betreiber des Portals „KenFM“, Ken Jebsen, fanden in Kettners Formaten eine Bühne. Selbst der rechtsextreme Influencer Timm Kellner war bereits zu Gast. Prominente wie Dieter Bohlen fungieren seit Ende 2025 sogar als Werbegesichter für das Unternehmen. Während Bohlen auf Anfragen nicht reagierte, distanzierte sich der Musiker Joey Kelly nach seinem Auftritt öffentlich von Kettners Inhalten und betonte, dessen Gedankenwelt in keiner Weise zu teilen.

Hintergrund: Vom Edelmetallhändler zum Polit-Influencer

Die Entwicklung von Dominik Kettner vom klassischen Edelmetallhändler hin zu einer zentralen Figur der rechten Szene ist eng mit der allgemeinen gesellschaftlichen Verunsicherung der letzten Jahre verknüpft. Die Weltlage, geprägt von Kriegen, Inflation und wirtschaftlicher Unsicherheit, hat den Goldpreis in die Höhe getrieben und das Edelmetall zu einem Symbol für die Sorgen des Bürgertums gemacht. Kettner hat diese Entwicklung frühzeitig erkannt und für sich genutzt. Er bedient eine Nische, in der wirtschaftliche Sorgen mit einer generellen Skepsis gegenüber dem Staat und dem bestehenden Finanzsystem verschmelzen. Die historische Entwicklung zeigt, dass solche „Crash-Propheten“ besonders in Zeiten multipler Krisen an Zulauf gewinnen. Kettner selbst weist den Vorwurf, ein Geschäftsmodell auf Angst aufzubauen, entschieden zurück. Gegenüber dem ZDF erklärte er schriftlich, dass der Begriff „Crashprophet“ ein mediales Konstrukt sei. Er argumentiert, dass seine Beiträge lediglich wirtschaftliche Risiken einordnen würden und der Vorwurf der Angstmacherei ebenso auf Versicherungsanbieter oder andere Vorsorgedienstleister zutreffen müsste. Diese Verteidigungslinie ist ein zentraler Bestandteil seiner Kommunikation, mit der er versucht, seine wirtschaftlichen Interessen als seriöse Finanzberatung zu legitimieren.

Die Beteiligten: Akteure und Perspektiven

Die Akteure in diesem Geflecht sind vielfältig. Auf der einen Seite steht Dominik Kettner, der als Unternehmer und Influencer agiert. Auf der anderen Seite stehen Experten wie Jan Rathje vom „Center for Monitoring and Analysis“ (CeMas), der das Phänomen wissenschaftlich einordnet. Rathje forscht zu Rechtslibertarismus und stellt fest, dass Crash-Propheten gezielt die Ängste des Bürgertums adressieren, insbesondere wenn es um den Erhalt des Privateigentums geht. Diese Strömung zeichne sich durch eine fundamentale Ablehnung des Staates aus. Kettner selbst betont auf Nachfrage, dass die Einladung von Gästen nicht gleichbedeutend mit einer inhaltlichen Übereinstimmung sei. Dennoch bleibt die Auswahl seiner Gesprächspartner ein zentraler Kritikpunkt. Institutionen wie der Verfassungsschutz, der das Portal von Ken Jebsen zeitweise als extremistischen Verdachtsfall führte, bilden den regulatorischen Rahmen, in dem sich einige der von Kettner eingeladenen Gäste bewegen. Die Rolle der Prominenten, die als Werbeträger auftreten, verleiht dem Kanal zudem eine zusätzliche Ebene der gesellschaftlichen Legitimation, die von Kritikern wie Joey Kelly jedoch aktiv durchbrochen wurde, indem er sich öffentlich von der Ideologie des Händlers distanzierte.

Einordnung: Was das Phänomen bedeutet

Einzuordnen ist das Geschäftsmodell von Dominik Kettner als eine Form der „vergoldeten Angst“. Den Berichten zufolge fungiert Gold in diesem Kontext nicht nur als inflationssichere Anlageform, sondern als ein politisches Signal gegen das System. Die Kombination aus wirtschaftlicher Beratung und ideologischer Aufladung schafft eine starke Bindung zur Zielgruppe. Politikwissenschaftler wie Jan Rathje weisen darauf hin, dass die sozialen Medien den perfekten Nährboden für solche Narrative bieten. Durch die ständige Wiederholung von Krisenszenarien entsteht ein Gefühl der Dringlichkeit, das den Verkauf von Edelmetallen ankurbelt. Kritisch zu betrachten ist dabei die Vermischung von seriöser Finanzanalyse und der Verbreitung von Verschwörungstheorien durch die geladenen Gäste. Wenn Akteure, die für die Verbreitung von Falschinformationen bekannt sind, in einem seriös wirkenden Webinar-Format auftreten, verschwimmen die Grenzen zwischen Information und Desinformation. Das System Kettner zeigt exemplarisch, wie wirtschaftlicher Erfolg in der digitalen Welt zunehmend von der Fähigkeit abhängt, die psychologischen Bedürfnisse und Ängste einer spezifischen Zielgruppe zu bedienen und diese in eine politische Identität zu übersetzen.

Offene Fragen: Was der Quelltext nicht klärt

Obwohl die Dokumentation des ZDF viele Aspekte des Systems Kettner beleuchtet, bleiben einige Fragen unbeantwortet. Der Quelltext macht keine Angaben dazu, wie hoch der tatsächliche Anteil der durch die „Crash-Prophetie“ generierten Umsätze im Vergleich zum regulären Edelmetallhandel ist. Ebenso bleibt unklar, welche vertraglichen oder finanziellen Vereinbarungen zwischen Kettner und den prominenten Werbegesichtern wie Dieter Bohlen bestehen. Auch die Frage, inwieweit die Algorithmen der sozialen Netzwerke das Geschäftsmodell durch die bevorzugte Ausspielung von angstbesetzten Inhalten aktiv unterstützen, wird im Text nicht weiter vertieft. Es wird zudem nicht explizit darauf eingegangen, ob es rechtliche Schritte gegen Kettner oder seine Geschäftspraktiken gibt, abgesehen von der medialen Kritik. Die genaue wirtschaftliche Verflechtung zwischen den verschiedenen Akteuren des Netzwerks bleibt ebenfalls im Dunkeln, da der Quelltext lediglich die personellen Verbindungen und die inhaltliche Nähe zu bestimmten politischen Spektren aufzeigt, ohne tiefere Einblicke in die finanzielle Struktur des Unternehmens zu gewähren.

Wie es weitergeht: Ausblick und Termine

Die Auseinandersetzung mit dem System Dominik Kettner findet ihren vorläufigen Höhepunkt in der Ausstrahlung der Dokumentation „Vergoldete Angst: Das System Dominik Kettner“ durch das ZDF. Die Sendung wurde für den 12. August 2026 angekündigt, mit einer Bereitstellung im Streaming-Portal ab 18:00 Uhr und einer Ausstrahlung im linearen Programm ab 22:45 Uhr. Über die Dokumentation hinaus sind keine weiteren offiziellen Schritte oder angekündigten Konsequenzen seitens der Behörden oder anderer Institutionen im Quelltext erwähnt. Die Debatte um den Einfluss von Finanzinfluencern und deren Rolle bei der Verbreitung politischer Narrative dürfte jedoch anhalten, da die Mechanismen, die Kettner für sich nutzt, auch bei anderen Akteuren im digitalen Raum zu beobachten sind. Es bleibt abzuwarten, ob die öffentliche Kritik, wie sie etwa durch Joey Kelly geäußert wurde, einen Dominoeffekt unter weiteren prominenten Partnern auslöst oder ob das Geschäftsmodell durch die mediale Aufmerksamkeit sogar eine weitere Stärkung erfährt. Die weitere Entwicklung hängt maßgeblich davon ab, wie das Publikum auf die Aufdeckung der Hintergründe reagiert und ob sich die regulatorischen Rahmenbedingungen für Finanzinfluencer in Zukunft verschärfen werden.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/gold-und-metallhandschuh-30201205/ · Foto: Aurelijus U.
Quelle: https://www.zdfheute.de/politik/deutschland/crash-propheten-gold-geschaeft-kettner-krisen-aengste-100.html