Ein prägendes Gesicht des deutschen Kinos
Der Schauspieler, Drehbuchautor und spätere Maler Werner Enke ist im Alter von 85 Jahren in München gestorben. Enke erlangte Ende der 1960er Jahre durch seine Zusammenarbeit mit der Regisseurin May Spils nationale Bekanntheit. Sein wohl bedeutendstes Werk, der Film „Zur Sache, Schätzchen“ aus dem Jahr 1968, gilt bis heute als ein filmisches Dokument des damaligen Zeitgeistes, auch wenn es sich bewusst von den politischen Strömungen jener Jahre absetzte.
Der Zeitgeist von 1968 abseits der Proteste
Während das Jahr 1968 in der deutschen Geschichte vor allem mit politischem Aufbruch und Protestmärschen verknüpft ist, erzählte der Film von Enke und Spils eine andere Geschichte. „Zur Sache, Schätzchen“ porträtierte ein Lebensgefühl, das Autoritäten und starre Arbeitsstrukturen ablehnte. Der Protagonist, den Enke selbst entwarf, suchte sein Glück nicht in der großen gesellschaftlichen Revolution, sondern in einer radikalen Selbstbestimmung im Augenblick.
Die Figur, die Enke verkörperte, zeichnete sich durch eine Mischung aus Charme und Melancholie aus. Ein zentrales Motiv des Films ist das Verstreichen von Lebenszeit. Die Angst vor dem Älterwerden – symbolisiert durch den bevorstehenden 25. Geburtstag des Protagonisten – verleiht der eigentlich leichten Erzählung eine nachdenkliche Tiefe.
Schlagfertigkeit als Lebensphilosophie
Die Dialoge des Films, die maßgeblich von Enke stammten, haben ihren festen Platz in der deutschen Filmgeschichte gefunden. Seine Figur zeichnete sich durch eine distanzierte Haltung gegenüber der Hektik des Alltags aus. Sätze, in denen er sich gegen eine zu frühe Dynamik am Morgen wehrte oder das Überraschende als potenziell „böse“ einstufte, wurden zu Markenzeichen seines Spiels.
Besonders bezeichnend für den Charakter des Protagonisten war seine Leidenschaft für kreative Eigenleistungen, wie etwa selbst gefertigte Daumenkinos, während er sich von konventionellen Erwerbsquellen wie Schlagertexten eher distanzierte. Diese Haltung spiegelte eine Form der persönlichen Opposition zur damaligen Nachkriegsgesellschaft wider, die weniger durch lauten Protest als durch eine konsequente Verweigerung der Anpassung geprägt war.
Einblicke in die Entstehung
Die Zusammenarbeit zwischen Werner Enke und May Spils war eng verzahnt. Während Spils Regie führte, lieferte Enke die inhaltliche Vorlage. Interessanterweise war der Film in einer frühen Fassung des Drehbuchs deutlich düsterer angelegt: Der Protagonist sollte ursprünglich durch den Schuss aus einer Polizeiwaffe sterben. Dass diese Szene nicht umgesetzt wurde, markiert einen deutlichen Kontrast zu den gesellschaftlichen Spannungen der Entstehungszeit.
Rückblick auf ein filmisches Erbe
Nach dem großen Erfolg von „Zur Sache, Schätzchen“, das vielfach ausgezeichnet wurde, setzten Enke und Spils ihre Zusammenarbeit in weiteren Projekten fort. Kritiker merkten jedoch an, dass diese nachfolgenden Werke nicht mehr an die Inspiration und den Zeitgeist des Debüts anknüpfen konnten. Werner Enke, der sich in späteren Jahren verstärkt der Malerei widmete, hinterlässt ein Werk, das den Wunsch nach einem Leben im Moment und die Skepsis gegenüber gesellschaftlichen Erwartungen eindrucksvoll konservierte.