News aus aller Welt
Start
Waldgarten gewinnt Hessischen Landschaftsarchitekturpreis
Regional · 25.08.2026 09:07

Waldgarten gewinnt Hessischen Landschaftsarchitekturpreis

Kurz: Der Waldgarten am Helleböhnweg in Kassel wurde mit dem Hessischen Landschaftsarchitekturpreis in der Kategorie „Junge Landschaftsarchitektur“ ausgezeichnet.

Auszeichnung für Kasseler Vorzeigeprojekt

Der Waldgarten am Helleböhnweg in Kassel hat eine bedeutende Anerkennung erhalten: Das Projekt wurde mit dem Sonderpreis „Junge Landschaftsarchitektur“ im Rahmen des Hessischen Landschaftsarchitekturpreises ausgezeichnet. Diese Ehrung unterstreicht die hohe Qualität und die innovative Herangehensweise bei der Gestaltung urbaner Grünflächen, die weit über eine rein ästhetische Funktion hinausgehen. Die Auszeichnung würdigt den Mut und die Kreativität, mit der in Kassel neue Wege in der Stadtplanung beschritten wurden. Es handelt sich dabei um eine Anerkennung für ein Konzept, das Naturerfahrung, ökologische Nachhaltigkeit und soziale Interaktion in den Mittelpunkt stellt. Dass gerade ein Projekt, das auf bürgerschaftlichem Engagement basiert, eine solche fachliche Würdigung erfährt, ist ein starkes Signal für die Bedeutung von Gemeinschaftsgärten in modernen Städten. Die Preisverleihung markiert einen weiteren Höhepunkt in der noch jungen Geschichte der Kasseler Waldgärten, die sich innerhalb kürzester Zeit von einem ambitionierten Experiment zu einem national beachteten Modellprojekt für urbane Biodiversität und Klimaanpassung entwickelt haben. Die Anerkennung durch die Fachjury bestätigt, dass die Verbindung von ökologischer Forschung und praktischer Umsetzung im urbanen Raum ein zukunftsweisendes Modell darstellt, das Schule machen könnte.

Wissenschaftliche Belege für den Erfolg

Die Auszeichnung basiert nicht allein auf optischen Eindrücken, sondern wird durch fundierte wissenschaftliche Daten untermauert. Eine begleitende Untersuchung durch die Universität Potsdam liefert beeindruckende Belege für die ökologische Wirksamkeit der Anlage. So konnte nachgewiesen werden, dass sich die Artenvielfalt im Vergleich zu den ursprünglichen Beständen teilweise um das Fünffache gesteigert hat. Dies ist ein bemerkenswerter Zuwachs, der zeigt, wie effektiv eine mehrschichtige, naturnahe Bepflanzung als Lebensraum fungieren kann. Auch in Bezug auf das lokale Mikroklima konnten messbare positive Effekte identifiziert werden. Die Waldgärten wirken wie natürliche Klimaanlagen: Die Temperaturen liegen innerhalb der Gartenflächen niedriger als in der unmittelbaren Umgebung, zudem ist die Luftfeuchtigkeit erhöht. Diese Ergebnisse sind von großer Relevanz für die Stadtplanung, da sie belegen, dass solche Projekte aktiv zur Milderung von Hitzeinseln in Städten beitragen können. Die Kombination aus einer vielfältigen Flora, die Lebensraum für zahlreiche Tierarten bietet, und der kühlenden Wirkung der Vegetation macht die Waldgärten zu einem wertvollen Instrument für den ökologischen Stadtumbau, der die Lebensqualität der Bewohner direkt positiv beeinflusst.

Die Geschichte der urbanen Oasen

Das Projekt „Urbane Waldgärten: Mehrjährig, mehrschichtig, multifunktional“ ist das Ergebnis einer langfristigen Planung, die eng mit der Stadtgesellschaft verzahnt ist. Es wird im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit gefördert. Von Beginn an war es das Ziel, die Bürgerinnen und Bürger aktiv in die Planung und Gestaltung der Flächen einzubeziehen. Dieser partizipative Ansatz hat dazu geführt, dass die Gärten nicht nur als ökologische Projekte wahrgenommen werden, sondern als echte soziale Treffpunkte. Die Entwicklung der Standorte am Helleböhnweg und am Wahlebach zeigt, dass eine solche Form der Grünflächengestaltung auf eine breite Akzeptanz stößt. Die Anerkennung als „Naturschutzprojekt des Jahres 2026“ durch die Kommunen für biologische Vielfalt sowie der erste Platz beim polis Award 2025 als „Lebenswerter Freiraum“ belegen die kontinuierliche Erfolgsgeschichte. Diese Auszeichnungen sind kein Zufall, sondern das Resultat einer konsequenten Umsetzung eines Konzepts, das auf Nachhaltigkeit, Partizipation und wissenschaftlicher Fundierung basiert und somit eine Vorbildfunktion für andere Kommunen einnimmt.

Akteure und Gemeinschaft vor Ort

Im Zentrum des Projekts steht das ehrenamtliche Engagement zahlreicher Bürgerinnen und Bürger. Es sind Menschen, die ein tiefes Interesse an der Natur mitbringen und Freude daran haben, gemeinsam aktiv zu werden. Diese Freiwilligen sind das Herzstück der Waldgärten: Sie pflanzen, pflegen, beobachten und lernen gemeinsam, wie ein solches Ökosystem funktioniert. Die Ernte ist dabei ein zentrales Element des Gemeinschaftsgefühls. In diesem Jahr konnten die Gärtnerinnen und Gärtner eine reiche Auswahl an Früchten genießen, darunter Himbeeren, Taybeeren, Maibeeren, Jostabeeren, Stachelbeeren, Walderdbeeren, Johannisbeeren, Weinbeeren, Felsenbirnen sowie die Früchte der Ölweide. Diese Vielfalt ist nicht nur ein kulinarischer Gewinn, sondern auch ein Symbol für die erfolgreiche Arbeit der Gruppen. Die Stadt Kassel unterstützt dieses Engagement durch das Umwelt- und Gartenamt, das als Ansprechpartner fungiert. Das Miteinander in den Gärten ist geprägt von einem intensiven Austausch, bei dem das Wissen über Pflanzen und Anbaumethoden weitergegeben wird. Die Gärten sind somit nicht nur Produktionsstätten für Lebensmittel, sondern auch Orte des sozialen Lernens und der Begegnung zwischen verschiedenen Generationen und Bevölkerungsgruppen, die gemeinsam Verantwortung für ein Stück städtische Natur übernehmen.

Einordnung der Bedeutung für die Stadtentwicklung

Einzuordnen ist das Projekt als ein Paradebeispiel für moderne Stadtökologie. Die Waldgärten zeigen, dass städtisches Grün mehr sein kann als nur Zierde. Durch die bewusste Entscheidung für mehrjährige und mehrschichtige Pflanzungen entsteht ein stabiles System, das weniger pflegeintensiv ist als klassische Parkanlagen und gleichzeitig einen deutlich höheren ökologischen Mehrwert bietet. Den Berichten zufolge ist die soziale Komponente dabei ebenso wichtig wie die ökologische. Die Gärten fördern die Gemeinschaft, indem sie einen Raum schaffen, in dem Menschen gemeinsam an einem Ziel arbeiten. Die Auszeichnungen, die das Projekt in den vergangenen Monaten und Jahren erhalten hat, bestätigen, dass dieser multifunktionale Ansatz den Nerv der Zeit trifft. In einer Zeit, in der Städte zunehmend unter klimatischem Druck stehen, bieten solche Projekte konkrete, lokal umsetzbare Lösungen. Es ist ein Modell, das zeigt, wie durch die Kombination von bürgerschaftlichem Engagement, wissenschaftlicher Begleitung und politischer Unterstützung aus einfachen Brachflächen oder städtischen Grünflächen wertvolle, resiliente Lebensräume entstehen können, die sowohl der Natur als auch den Menschen zugutekommen.

Offene Fragen zur Zukunft und Nutzung

Trotz des großen Erfolgs gibt es Aspekte, die im Rahmen der bisherigen Berichterstattung nicht abschließend geklärt werden. So bleibt beispielsweise offen, wie die langfristige Finanzierung und Pflege der Flächen gesichert werden soll, sobald die Förderung durch das Bundesprogramm ausläuft. Auch die Frage, wie mit dem Spannungsfeld zwischen der öffentlichen Zugänglichkeit und dem Schutz der Ernte umgegangen werden soll, bleibt eine Herausforderung. Zwar ist das „Naschen“ ausdrücklich erlaubt und erwünscht, doch kommt es immer wieder vor, dass Pflanzen vollständig abgeerntet werden, was die ehrenamtlich Tätigen frustriert. Eine klare Regelung oder ein gesellschaftlicher Konsens über das Maß der Entnahme ist hier noch in der Findungsphase. Es ist zudem nicht explizit ausgeführt, wie die Stadt Kassel plant, das Konzept der Waldgärten auf weitere Stadtteile auszuweiten oder ob die Kapazitäten der bestehenden Standorte bereits ausgereizt sind. Auch die konkreten Auswirkungen auf die lokale Biodiversität in den kommenden Jahren, etwa in Bezug auf die Ansiedlung seltener Insektenarten, werden erst durch weitere Langzeitstudien vollständig bewertbar sein. Diese offenen Punkte zeigen, dass das Projekt trotz seiner Reife noch in einem dynamischen Entwicklungsprozess steckt.

Ausblick auf die kommenden Schritte

Die Arbeit in den Kasseler Waldgärten geht auch nach der Preisverleihung unvermindert weiter. Das Team lädt weiterhin alle Interessierten ein, sich aktiv an der Gestaltung und Pflege zu beteiligen. Die wöchentlichen Gartentermine sind feste Ankerpunkte im Kalender: Jeweils mittwochs um 16.30 Uhr im Waldgarten am Helleböhnweg und donnerstags um 16 Uhr im Waldgarten am Wahlebach finden sich die Gruppen zusammen, um gemeinsam zu arbeiten, sich auszutauschen und die Früchte der Arbeit zu ernten. Diese Termine sind offen für alle, die Interesse haben, sich einzubringen oder mehr über das Konzept der Waldgärten zu erfahren. Wer größere Mengen ernten möchte, wird dazu ermutigt, Teil der Waldgartengruppe zu werden, um so einen fairen Beitrag zur Pflege der Flächen zu leisten. Die Stadt Kassel bietet über ihr Waldgarten-Team weiterhin die notwendige Unterstützung und Koordination an. Der Erfolg des Projekts dient dabei als Motivation, den eingeschlagenen Weg der naturnahen Stadtgestaltung weiter zu verfolgen. Die kommenden Monate werden zeigen, wie sich die Waldgärten weiterentwickeln und welche neuen Impulse durch das bürgerschaftliche Engagement gesetzt werden können, um die Lebensqualität in Kassel nachhaltig zu steigern.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/luftaufnahme-eines-wohngebiets-in-frankfurt-am-main-36696311/ · Foto: Christina & Peter
Quelle: https://www.kassel.de/pressemitteilungen/august/waldgarten-helleboehnweg-gewinnt-preis.php