News aus aller Welt
Start
VW-Chef Blume: "Ein Werk zu schließen, ist immer die letzte Lösung"
Schlagzeilen · 24.07.2026 16:05

VW-Chef Blume: "Ein Werk zu schließen, ist immer die letzte Lösung"

Kurz: VW-Chef Oliver Blume steht unter Druck. Im Interview erläutert er den Sparkurs, die Krise der Branche und warum Werksschließungen nur das letzte Mittel sind.

Eine Branche im Umbruch: VW sucht Wege aus der Krise

Der Volkswagen-Konzern befindet sich in einer Phase, die Konzernchef Oliver Blume als die umfassendste Transformation in der Geschichte des Unternehmens bezeichnet. Angesichts sinkender Gewinne, einer schwachen Nachfrage auf dem chinesischen Markt und zunehmender internationaler Konkurrenz steht der Automobilhersteller vor massiven Herausforderungen. Blume betont, dass es sich dabei nicht um ein isoliertes Problem von VW handelt, sondern um eine Krise, die die gesamte Automobilindustrie erfasst hat.

Strategische Neuausrichtung und Sparziele

Um die Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern, hat der Vorstand ein tiefgreifendes Transformationsprogramm eingeleitet. Ein zentraler Punkt ist die Reduzierung von Überkapazitäten. Laut Blume plant das Unternehmen, insgesamt eine Million Fahrzeuge aus dem Produktionsnetz zu nehmen – jeweils zur Hälfte in China und in Europa. Jede Überkapazität belaste die Bilanz, weshalb die Steigerung der Produktivität und die Optimierung der Strukturen oberste Priorität haben.

Der Konzernchef stellt klar, dass ein Großteil der geplanten Maßnahmen ohne explizite Zustimmung des Aufsichtsrats umsetzbar ist, da sie bereits in die laufende operative Arbeit integriert wurden. Dennoch erfordern weitreichende Entscheidungen, die Standorte oder das Personal direkt betreffen, eine enge Abstimmung mit den Gremien. Blume beschreibt den Dialog mit dem Aufsichtsrat als konstruktiv, wenngleich kontrovers.

Werksschließungen als letzte Option

Die Sorge um den Erhalt von Arbeitsplätzen ist ein zentrales Thema der aktuellen Debatte. Blume unterstreicht, dass die Schließung eines Werkes stets die letzte und zugleich teuerste Lösung darstellt. Vorrangig gehe es darum, die Wettbewerbsfähigkeit der bestehenden Standorte durch intelligente Ansätze zu steigern. Dazu gehören unter anderem:

* Die Prüfung von Kooperationen mit industriellen Partnern zur Nachnutzung von Produktionskapazitäten.

* Der Import von in China entwickelten Modellen für europäische Marktsegmente, in denen VW bislang nicht vertreten ist.

* Die konsequente Ausrichtung der Werke auf eine höhere Performance.

Neue Perspektiven für Standorte: Der Fall Osnabrück

Ein konkretes Beispiel für den Strukturwandel ist das Werk in Osnabrück. Nachdem feststeht, dass dort ab 2027 keine Volkswagen-Modelle mehr gefertigt werden, sucht der Konzern nach alternativen Nutzungsmöglichkeiten. Blume bestätigte, dass sich das Unternehmen in fortgeschrittenen Gesprächen mit der Rüstungsindustrie befindet. Eine Entscheidung dazu soll noch in diesem Jahr kommuniziert werden.

Synergien mit der Rüstungsindustrie

Die mögliche Zusammenarbeit mit Rüstungsunternehmen wird von Blume als sinnvoller Weg bewertet, um Fachkräfte und Automatisierungskompetenzen zu nutzen. Der VW-Konzern beabsichtigt dabei, Know-how in Bereichen wie militärischer Transport oder Verteidigungssysteme einzubringen. Eine Investition in die Waffenproduktion selbst schließt der Vorstandsvorsitzende jedoch aus, da dies nicht zur Kernkompetenz des Automobilherstellers gehöre. Er sieht in der Kooperation eine Win-win-Situation, um vorhandene Kapazitäten sinnvoll auszulasten.

Zusammenarbeit mit der Politik

Das Verhältnis zum Land Niedersachsen, einem wichtigen Anteilseigner, bezeichnet Blume als konstruktiv. Er betont die klare Rollenverteilung zwischen dem Konzernvorstand und der Landesregierung unter Ministerpräsident Olaf Lies. Diese traditionelle Zusammenarbeit funktioniere auch in der aktuellen, anspruchsvollen Phase der Unternehmensgeschichte gut. Für Blume bleibt der Fokus klar: Er müsse das Unternehmen sicher durch die Transformation führen, wobei der Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit in Deutschland das zentrale Ziel bleibt, um langfristig Arbeitsplätze zu sichern.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/licht-dammerung-landschaft-natur-27797805/ · Foto: Tommes Frites
Quelle: https://www.tagesschau.de/wirtschaft/unternehmen/vw-vorstandschef-blume-interview-100.html