Ein neuer Akteur im Sternbild Orion
Beteigeuze, der markante Riesenstern in der linken Schulter des Sternbilds Orion, gilt seit Langem als eines der faszinierendsten Objekte am Nachthimmel. Mit einem Radius, der das 760-fache unserer Sonne übersteigt, und einer Masse, die etwa 20-mal so groß ist, zieht er die Aufmerksamkeit von Astronomen weltweit auf sich. Nun haben neue Beobachtungen des Very Large Telescope (VLT) der Europäischen Südsternwarte in Chile das Bild dieses Himmelskörpers maßgeblich verändert: Beteigeuze ist nicht allein.
Ein internationales Forschungsteam konnte den Nachweis für einen bisher nur vermuteten Begleiter erbringen. Das Objekt, das in der wissenschaftlichen Nomenklatur als Beteigeuze B bezeichnet wird, konnte durch das VLT direkt abgebildet werden. Die Ergebnisse dieser Untersuchung wurden in der Fachzeitschrift *Astronomy & Astrophysics* publiziert.
Auf der Suche nach Beteigeuze B
Die Vermutung, dass Beteigeuze einen Begleiter haben könnte, ist keineswegs neu. Bereits seit den Anfängen der modernen Sternenbeobachtung wurde ein solches Szenario als mögliche Ursache für die charakteristischen Helligkeitsschwankungen des Überriesen diskutiert. Lange Zeit fehlten jedoch konkrete Beweise. Eine Studie aus dem Jahr 2024 lieferte schließlich entscheidende Hinweise: Die Forscher sagten voraus, dass ein potenzieller Begleiter im Dezember 2024 seinen größten Abstand zum Hauptstern erreichen würde.
Basierend auf dieser Prognose richtete das Team das VLT auf den Riesenstern. Die Auswertung der Daten war erfolgreich: Statt lediglich indirekte Indizien zu finden, gelang es den Wissenschaftlern, das Licht des Begleitsterns direkt einzufangen.
Einordnung des Begleiters
Erste Analysen deuten darauf hin, dass Beteigeuze B eine Masse aufweist, die etwa dem Zwei- bis Dreifachen unserer Sonne entspricht. Dennoch ist der Begleiter im Vergleich zu Beteigeuze selbst deutlich lichtschwächer. Aufgrund dieser Diskrepanz in der Leuchtkraft ist Beteigeuze B nach aktuellem Kenntnisstand nicht allein für die ausgeprägten Helligkeitsschwankungen des Hauptsterns verantwortlich.
Ob die beiden Sterne tatsächlich ein gravitativ gebundenes System bilden, müssen zukünftige Beobachtungen bestätigen. Ein entscheidender Indikator für eine solche Bindung wäre es, wenn der Begleiter innerhalb eines Jahres auf der gegenüberliegenden Seite von Beteigeuze zu beobachten ist. Die Bestätigung dieser Umlaufbahn würde das Verständnis der Dynamik in diesem System vervollständigen.
Der Riesenstern und die Supernova-Frage
Beteigeuze steht aufgrund seines fortgeschrittenen Entwicklungsstadiums regelmäßig im Fokus der Öffentlichkeit. Vor etwa fünf Jahren sorgte eine ungewöhnlich starke Verdunklung des Sterns für Aufsehen. Damals spekulierten Beobachter, dies könne ein direktes Vorzeichen für eine unmittelbar bevorstehende Supernova sein.
Wie sich jedoch durch Untersuchungen am VLT herausstellte, war die Ursache eine Staubwolke, die sich in die Sichtlinie zwischen der Erde und dem rund 700 Lichtjahre entfernten Riesen geschoben hatte. Die aktuellen Helligkeitsschwankungen werden weiterhin als Anzeichen dafür gewertet, dass sich Beteigeuze in der letzten Phase vor seiner Explosion befindet. Sollte es tatsächlich zu einer Supernova kommen, würde dies auch das Ende für das gesamte System, inklusive des neu entdeckten Begleiters, bedeuten. Wann genau dieses Ereignis eintreten wird, bleibt jedoch eine Frage der Zeit, da die astronomischen Skalen weit über menschliche Zeiträume hinausgehen.