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Verwaltung: Bayern und Schleswig-Holstein kooperieren bei offener IT
Schlagzeilen · 06.11.2026 08:18

Verwaltung: Bayern und Schleswig-Holstein kooperieren bei offener IT

Kurz: Bayern und Schleswig-Holstein schließen sich zusammen, um durch offene IT-Lösungen die digitale Souveränität ihrer Verwaltungen zu stärken.

Ein strategisches Bündnis für digitale Unabhängigkeit

Am 4. November 2026 haben das bayerische Digitalministerium und die Staatskanzlei Schleswig-Holstein in Berlin eine wegweisende Kooperationsvereinbarung unterzeichnet. Ziel dieses Zusammenschlusses ist die gemeinsame Entwicklung und Weiterentwicklung von offener Software sowie IT-Infrastrukturen, die eine hohe Kompatibilität aufweisen. Durch diese Initiative streben beide Bundesländer danach, die Abhängigkeit ihrer jeweiligen Landesverwaltungen von großen, internationalen IT-Konzernen signifikant zu reduzieren. Die zentrale Motivation hinter diesem Vorhaben ist die Erlangung einer größeren Kontrolle über die eigene technische Infrastruktur sowie die sensiblen Daten, die in den Behörden verarbeitet werden. Durch den Austausch von Erfahrungen und die Bündelung von Ressourcen wollen die beiden Länder sicherstellen, dass die öffentliche Verwaltung in Deutschland resilienter gegenüber externen Einflüssen wird. Diese Zusammenarbeit ist nicht als isoliertes Projekt zu verstehen, sondern als ein konkreter Schritt zur Umsetzung eines Beschlusses der Ministerpräsidentenkonferenz, der darauf abzielt, bis zum 31. März 2027 digital souveräne Alternativen zu proprietärer Arbeitsplatzsoftware flächendeckend bereitzustellen.

Details zur Vereinbarung und den Akteuren

Die Unterzeichnung der Vereinbarung fand offiziell am 4. November 2026 in Berlin statt. Beteiligt sind auf bayerischer Seite das Digitalministerium unter der Leitung von Fabian Mehring sowie auf schleswig-holsteinischer Seite die Staatskanzlei, vertreten durch den Staatskanzleichef Dirk Schrödter. Ein wesentlicher Bestandteil des Abkommens ist der systematische Austausch über bereits gesammelte Erfahrungen mit Open-Source-Lösungen. Während Bayern mit dem Projekt SovereignIT derzeit verschiedene alternative Arbeitsplatzlösungen testet, um deren Alltagstauglichkeit in einer komplexen Behördenlandschaft zu evaluieren, kann Schleswig-Holstein bereits auf vollzogene Migrationsprozesse verweisen. Schleswig-Holstein hat nach eigenen Angaben bis Oktober 2025 innerhalb von nur sechs Monaten mehr als 40.000 E-Mail-Postfächer erfolgreich migriert und dabei Microsoft Exchange sowie Outlook durch Open-Xchange und Thunderbird ersetzt. Zudem wurde Libreoffice als Ersatz für Microsoft Office implementiert. In der Kieler Staatskanzlei arbeiteten im September 2026 bereits über 200 Beschäftigte mit Linux anstelle von Windows. Diese praktischen Erfahrungen bilden das Fundament, auf dem die Kooperation aufbauen will, um Synergieeffekte zwischen den Ländern zu erzielen.

Der Weg zur digitalen Souveränität

Die Entwicklung hin zu offener IT ist kein plötzlicher Entschluss, sondern das Ergebnis eines längeren Prozesses innerhalb der deutschen Verwaltungspolitik. Die Ministerpräsidentenkonferenz hat hierfür den Rahmen gesetzt, indem sie den 31. März 2027 als Stichtag für die Verfügbarkeit digital souveräner Alternativen definiert hat. Bayerns Digitalminister Fabian Mehring begründet die Dringlichkeit dieses Vorhabens mit der Gefahr von fremdstaatlichen Zugriffen auf Verwaltungsdaten und potenziellen Eingriffen in den IT-Betrieb. Er betont, dass eine Verwaltung ohne Alternativen faktisch ausgeliefert sei. Bei der Beschaffung von IT-Lösungen soll daher künftig neben den klassischen Kriterien der Wirtschaftlichkeit und Funktionalität zwingend auch die digitale Souveränität als entscheidender Faktor gewertet werden. Dennoch stellt Mehring klar, dass internationale Technologiekonzerne keineswegs als Partner ausgeschlossen werden, sondern weiterhin in das Ökosystem integriert werden können. Schleswig-Holsteins Staatskanzleichef Dirk Schrödter ergänzt diese Perspektive um einen wirtschaftspolitischen Aspekt: Er plädiert dafür, die öffentlichen IT-Ausgaben gezielt dazu zu nutzen, die heimische Digitalwirtschaft zu stärken und damit den Standort Deutschland nachhaltig zu fördern.

Die Akteure und ihre unterschiedlichen Ansätze

Die beteiligten Akteure verfolgen bei der Umsetzung ihrer Ziele unterschiedliche methodische Ansätze. Bayerns Digitalministerium konzentriert sich aktuell stark auf das Projekt SovereignIT. Hierbei geht es darum, eine Standardarbeitsplatzlösung zu entwickeln, die sich nahtlos in die bestehende IT-Infrastruktur einfügt. Ein explizites Ziel ist es, dass bis Ende März 2027 mindestens 20 Prozent der bayerischen Beschäftigten ausschließlich mit diesen neuen, offenen Lösungen arbeiten. Interessanterweise hat sich Bayern von früheren Plänen distanziert, Microsoft-Lizenzen für Behörden und Kommunen zentral zu bündeln. Nach einem internen Streit in der Staatsregierung wurden diese Vorhaben offiziell nicht weiterverfolgt, was den Weg für die nun eingeschlagene Strategie der offenen Software ebnete. Schleswig-Holstein hingegen hat bereits konkrete finanzielle Erfolge vorzuweisen. Das Land bezifferte die Einsparungen bei den Lizenzkosten im Dezember 2025 auf über 15 Millionen Euro. Dem gegenüber standen einmalige Investitionen von neun Millionen Euro für das Jahr 2026, die in die Migration und die gezielte Weiterentwicklung der offenen Lösungen flossen. Diese Zahlen dienen als Referenz für die Effizienz der Umstellung.

Einordnung der aktuellen Entwicklung

Einzuordnen ist das Vorhaben von Bayern und Schleswig-Holstein als eine Reaktion auf die zunehmende Abhängigkeit der öffentlichen Hand von einer Handvoll globaler Softwareanbieter. Den Berichten zufolge markiert die Kooperation eine Abkehr von der bisherigen Praxis, bei der proprietäre Software als alternativlos betrachtet wurde. Die Entscheidung, auf offene Standards zu setzen, ist aus Sicht der beteiligten Ministerien eine notwendige Maßnahme zur Sicherung der staatlichen Handlungsfähigkeit. Die Bewertung der Situation durch die Politik ist eindeutig: Digitale Souveränität wird als essenzieller Bestandteil der nationalen Sicherheit und der administrativen Effizienz angesehen. Dass zwei Bundesländer mit unterschiedlichen politischen Schwerpunkten hierbei an einem Strang ziehen, unterstreicht die Bedeutung des Themas über Parteigrenzen hinweg. Die Kooperation zeigt zudem, dass die Umstellung auf Open-Source-Lösungen nicht nur eine ideologische Entscheidung ist, sondern durch die Einsparungspotenziale bei Lizenzgebühren auch eine ökonomische Komponente besitzt. Dennoch bleibt die Herausforderung bestehen, die Komplexität der IT-Landschaften in den verschiedenen Behörden so zu harmonisieren, dass die neuen Lösungen in der Breite akzeptiert und technisch stabil betrieben werden können.

Offene Fragen und verbleibende Lücken

Obwohl die Kooperationsvereinbarung klare Ziele definiert, lässt der vorliegende Quelltext einige Fragen unbeantwortet, die für den weiteren Verlauf von Bedeutung sein könnten. Es bleibt beispielsweise unklar, wie genau die technische Schnittstelle zwischen den verschiedenen IT-Systemen der beiden Länder in der Praxis aussehen wird. Auch wird nicht explizit ausgeführt, welche konkreten Softwarekomponenten jenseits von E-Mail und Office-Anwendungen in den Fokus der gemeinsamen Entwicklung rücken sollen. Zudem ist offen, wie die Einbindung der Kommunen in Bayern und Schleswig-Holstein konkret gestaltet werden soll, da diese oft über eigene IT-Strukturen verfügen, die nicht zwingend mit den Landeslösungen identisch sind. Eine weitere offene Frage ist die Reaktion der betroffenen IT-Dienstleister, die bisher proprietäre Lösungen bereitgestellt haben, sowie die Frage nach der langfristigen Wartung und dem Support der neu entwickelten offenen Systeme. Der Quelltext macht zudem keine Angaben dazu, welche weiteren Bundesländer sich der Kooperation gegebenenfalls anschließen könnten oder ob es bereits Gespräche mit anderen Akteuren auf Bundesebene gibt, die über die Ministerpräsidentenkonferenz hinausgehen. Die genaue Ausgestaltung der Governance-Struktur der Kooperation bleibt ebenfalls vage.

Ausblick auf die kommenden Monate

Die nächsten Schritte sind durch den Zeitplan der Ministerpräsidentenkonferenz eng getaktet. Bis zum 31. März 2027 müssen die digital souveränen Alternativen zur proprietären Arbeitsplatzsoftware in den Verwaltungen bereitstehen. Für Bayern bedeutet dies, dass das Projekt SovereignIT in den kommenden Monaten eine entscheidende Phase durchläuft, in der die Zielmarke von 20 Prozent der Beschäftigten, die mit den neuen Systemen arbeiten, erreicht werden soll. Aus diesen Tests soll ein Standardarbeitsplatz hervorgehen, der perspektivisch auch anderen Behörden zur Verfügung gestellt werden kann. Die Kooperation mit Schleswig-Holstein wird hierbei als Katalysator dienen, um die Entwicklung zu beschleunigen und Doppelentwicklungen zu vermeiden. Es ist davon auszugehen, dass in den kommenden Monaten weitere Berichte über die Fortschritte bei der Migration sowie über die gemeinsame Entwicklung der IT-Infrastrukturen folgen werden. Die finanzielle Bilanz, die Schleswig-Holstein bereits positiv gezogen hat, dürfte dabei als Argumentationshilfe für die Akzeptanz in anderen Behörden dienen. Die kommenden Monate werden zeigen, ob der ambitionierte Zeitplan eingehalten werden kann und wie reibungslos die Integration der offenen Lösungen in den täglichen Dienstbetrieb gelingt.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/barockarchitektur-von-schloss-roseburg-29511017/ · Foto: Wolfgang Weiser
Quelle: https://www.golem.de/news/verwaltung-bayern-und-schleswig-holstein-kooperieren-bei-offener-it-2611-214914.html