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Usability-Desaster: 34 Klicks bis zur Morgenkonferenz
Technik · 13.08.2026 10:30

Usability-Desaster: 34 Klicks bis zur Morgenkonferenz

Kurz: Der tägliche digitale Arbeitsbeginn wird zur Geduldsprobe: 34 Klicks sind nötig, um Konferenz-Tools zu starten. Ein Plädoyer gegen unnötige Usability-Hürden.

Ein täglicher Hürdenlauf durch die Software-Landschaft

Der Start in den Arbeitstag ist für viele Nutzer zu einem komplexen, technisch anspruchsvollen Unterfangen geworden, das weit über das bloße Einschalten des Computers hinausgeht. Der Autor Gregor Honsel hat in einem Selbstversuch dokumentiert, wie viel Zeit und manuelle Interaktion erforderlich sind, um lediglich die grundlegende Arbeitsumgebung für eine Morgenkonferenz vorzubereiten. Das Ergebnis ist ernüchternd: Ganze 34 Klicks sind notwendig, um sich bei den erforderlichen Diensten anzumelden und die notwendige Infrastruktur bereitzustellen. Dieser Prozess beginnt mit der Zeiterfassung, die eine Microsoft-Anmeldung erfordert, welche wiederum durch einen Passwort-Manager abgesichert ist. Allein für diesen ersten Schritt, bei bereits laufendem System und geöffnetem Browser, schlagen 18 Klicks zu Buche. Der zweite Teil des morgendlichen Rituals, der Login bei Google Meet, erfordert weitere 16 Klicks. Diese Zahlen verdeutlichen ein strukturelles Problem in der modernen Software-Architektur, bei der die Effizienz der Benutzerführung offenbar hinter bürokratische oder redundante Sicherheitsabfragen zurückfällt. Was als einfacher Start in den Tag gedacht ist, entwickelt sich so zu einem zähen, frustrierenden Prozess, der die kostbare Zeit der Nutzer bereits vor dem eigentlichen Arbeitsbeginn massiv beansprucht.

Die Anatomie der überflüssigen Interaktionen

Die Analyse der einzelnen Klicks offenbart eine Vielzahl an redundanten und teils widersprüchlichen Dialogfenstern, die den Arbeitsfluss stören. Ein prominentes Beispiel ist die Anmeldeaufforderung von Microsoft. Jeden Morgen erscheint ein Fenster mit der Frage, ob der Nutzer angemeldet bleiben möchte, um die Anzahl der künftigen Abfragen zu reduzieren. Trotz einer Checkbox, die verspricht, diese Meldung dauerhaft zu unterdrücken, erscheint sie beharrlich Tag für Tag erneut. Dies ist ein Paradoxon: Ein Dialogfenster, das eigentlich dazu dienen soll, Klicks einzusparen, wird selbst zur Quelle für zusätzliche Klicks. Ähnlich verhält es sich bei Google Meet. Trotz der umfangreichen Datensammlung, die Google über seine Nutzer betreibt, schafft es die Software nicht, die bevorzugte externe Webcam dauerhaft zu speichern. Stattdessen muss der Nutzer bei jeder Sitzung manuell bestätigen, dass nicht die interne Kamera verwendet werden soll. Auch das Betriebssystem Windows trägt zu dieser Problematik bei, indem es hartnäckig falsche Speicherorte für Dateien vorschlägt, anstatt sich an die vom Nutzer bevorzugten Verzeichnisse auf dem Server zu erinnern. Diese Beispiele zeigen, dass die Software-Entwicklung oft an den tatsächlichen Bedürfnissen der Anwender vorbeigeht.

Ein historischer Blick auf die Usability-Entwicklung

Die aktuelle Situation ist das Resultat einer schleichenden Entwicklung, bei der Software-Updates nicht etwa zu einer Verschlankung, sondern zu einer zunehmenden Komplexität führen. Der Autor beobachtet, dass mit fast jeder Aktualisierung neue Ebenen der Interaktion hinzugefügt werden, anstatt bestehende Hürden abzubauen. Ein Beispiel hierfür ist Microsoft Word, wo früher ein einfacher Klick in das Textfeld ausreichte, um Kommentare zu bearbeiten. Heute ist ein zusätzlicher Klick auf ein „Bearbeiten“-Symbol erforderlich. Auch die Noten-App Musescore hat durch ein Update eine zusätzliche Klick-Ebene erhalten, die den Zugriff auf eigene Partituren verlangsamt. Früher konnte man direkt auf die Noten zugreifen, heute muss man sich zunächst durch eine Thumbnail-Ansicht klicken. Diese Entwicklung lässt sich als eine Art „digitale Umweltverschmutzung“ beschreiben, die den Nutzer wie zäher Schleim in seiner Bewegungsfreiheit einschränkt. Es entsteht der Eindruck, dass die Usability in der Software-Entwicklung derzeit einen Tiefpunkt erreicht hat, bei dem die Bedienung von Anwendungen immer träger und umständlicher wird, anstatt die technologischen Möglichkeiten für eine intuitivere Steuerung zu nutzen.

Die Akteure hinter der Klick-Epidemie

In die Kritik geraten verschiedene große Technologiekonzerne und Software-Anbieter, die maßgeblich für die Gestaltung der digitalen Arbeitsumgebungen verantwortlich sind. Microsoft steht exemplarisch für die Problematik der Anmelde-Dialoge und die hartnäckige Ignoranz gegenüber den Einstellungen des Nutzers, was die Persistenz von Logins betrifft. Google wird für die mangelnde Speicherung von Hardware-Präferenzen in Videokonferenz-Tools kritisiert, was besonders vor dem Hintergrund der umfangreichen Datenerhebung des Unternehmens als inkonsequent empfunden wird. Auch das ZDF wird als Beispiel für eine besonders ineffiziente Gestaltung der Mediathek genannt, bei der das Setzen einer Merkliste unnötig viele Klicks erfordert. Im Gegensatz dazu werden ARD und Arte als positive Beispiele angeführt, die zeigen, dass eine nutzerfreundlichere Gestaltung durchaus möglich ist. Der Autor, Gregor Honsel, tritt hier als kritischer Beobachter auf, der die Perspektive des entnervten Anwenders einnimmt und die Entwickler dazu aufruft, die Bedürfnisse der Nutzer wieder in den Mittelpunkt zu stellen, anstatt sie mit überflüssigen Dialogen zu belasten.

Die Bedeutung der digitalen Zeitverschwendung

Einzuordnen ist diese Entwicklung als ein Raubbau an der wertvollsten Ressource des Internets: der Zeit und den Nerven der Nutzer. Wenn Software-Lösungen, die eigentlich die Produktivität steigern sollten, durch ihre Bedienung das Gegenteil bewirken, liegt ein systemisches Versagen vor. Den Berichten zufolge fühlen sich Nutzer bei der Navigation durch moderne Webseiten wie Abenteurer, die sich durch ein Dickicht aus Cookie-Bannern und Popups kämpfen müssen. Die ständige Abfrage von Zustimmungen, die sich als wirkungslos erweisen, führt zu einer Abstumpfung der Nutzer gegenüber Sicherheits- und Datenschutzhinweisen. Es ist eine Form der digitalen Ermüdung, die dazu führt, dass Arbeitsprozesse als zäh und frustrierend wahrgenommen werden. Die Metapher des „zähen Schleims“ verdeutlicht, dass die digitale Welt zwar technologisch fortschrittlich ist, ihre Nutzbarkeit aber unter einer Schicht aus bürokratischer Überregulierung und mangelhaftem UI-Design leidet. Die Kritik richtet sich nicht gegen die Werkzeuge an sich, sondern gegen die Art und Weise, wie diese dem Anwender im Alltag entgegentreten.

Lücken im Verständnis der Klick-Problematik

Der Quelltext lässt einige Fragen offen, die für ein vollständiges Bild der Situation von Bedeutung wären. So wird zwar kritisiert, dass Windows hartnäckig falsche Speicherorte vorschlägt, es wird jedoch nicht explizit geklärt, ob dies ein unveränderbares Verhalten ist oder ob der Autor lediglich die entsprechende Einstellung in den komplexen Windows-Menüs noch nicht gefunden hat. Ebenso bleibt offen, ob die Entwickler der genannten Software-Produkte sich der Problematik bewusst sind oder ob hinter den redundanten Klicks strategische Entscheidungen – etwa zur Datensammlung oder zur rechtlichen Absicherung durch Consent-Banner – stehen. Es wird nicht beantwortet, ob es technische Limitierungen gibt, die beispielsweise das Speichern der Webcam-Auswahl bei Google Meet verhindern könnten. Zudem fehlen konkrete Zahlen darüber, wie viele Nutzer weltweit von diesen spezifischen Usability-Problemen betroffen sind oder ob es sich um Einzelfälle handelt, die stark von der individuellen Systemkonfiguration abhängen. Die Frage, warum manche Anbieter wie ARD und Arte eine bessere Usability bieten können als andere, wird zwar gestellt, aber nicht im Detail analysiert.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/wahrzeichen-reise-reisen-usa-20185817/ · Foto: Shea B
Quelle: https://t3n.de/news/usability-desaster-klicks-morgenkonferenz-1757840/?utm_source=rss&utm_medium=newsFeed&utm_campaign=newsFeed