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Ungarn schaltet Licht an Wahrzeichen wegen Energiekrise ab
Schlagzeilen · 07.08.2026 10:39

Ungarn schaltet Licht an Wahrzeichen wegen Energiekrise ab

Kurz: Wegen extremer Hitze und Niedrigwasser an der Donau muss Ungarn Strom sparen. Wahrzeichen wie das Parlament in Budapest bleiben nachts nun dunkel.

Ein ungewohntes Bild in Budapest

Besucher und Einheimische in der ungarischen Hauptstadt Budapest erleben derzeit ein ungewohntes nächtliches Panorama. Bekannte Wahrzeichen, die sonst die Silhouette der Stadt prägen, bleiben in den Abendstunden in vollkommener Dunkelheit. Zu den betroffenen Bauwerken zählen das neugotische Parlamentsgebäude, die historische Kettenbrücke sowie die Budaer Burg. Diese Maßnahme ist Teil einer landesweiten Strategie, um den Stromverbrauch in einer kritischen Phase der Energieversorgung zu reduzieren.

Die Ursache: Wassermangel am AKW Paks

Hintergrund der Energieknappheit ist die anhaltende Hitzewelle, die Ungarn und weite Teile Europas fest im Griff hat. Mit Temperaturen von über 40 Grad und ausbleibenden Niederschlägen sind die Pegelstände der Donau auf historische Tiefststände gesunken. Dies hat direkte Auswirkungen auf das Atomkraftwerk Paks, das etwa 100 Kilometer südlich von Budapest liegt.

Das AKW Paks ist für die ungarische Stromversorgung von zentraler Bedeutung, da es fast die Hälfte des landesweit benötigten Stroms produziert. Da die Anlage auf das Wasser der Donau zur Kühlung ihrer vier Reaktorblöcke angewiesen ist, hat der niedrige Pegelstand schwerwiegende Konsequenzen: Das Kraftwerk musste seine Leistung auf lediglich zwölf Prozent drosseln. Nach Angaben von Ministerpräsident Peter Magyar stand die Anlage nur knapp vor einer vollständigen Abschaltung. Lediglich ein minimaler Anstieg des Wasserpegels um 1,5 Zentimeter verhinderte den kompletten Stillstand und ermöglichte den Fortbetrieb auf niedrigem Niveau.

Energiesparen als Gebot der Stunde

Die ungarische Regierung hat Unternehmen dazu aufgerufen, ihren Energieverbrauch insbesondere in den abendlichen Spitzenzeiten zu senken. Die Bemühungen zeigen Wirkung: Laut Ministerpräsident Magyar liegt der aktuelle Stromverbrauch des Landes rund 500 Megawatt unter dem Wert, der an einem normalen Sommertag zu erwarten wäre.

Die Situation in Ungarn verdeutlicht die Anfälligkeit von Energiesystemen, die stark auf Atomkraft angewiesen sind, gegenüber den Folgen des Klimawandels. Da die Kühlung der Reaktoren bei extremen Temperaturen und Wassermangel zum kritischen Engpass wird, wächst der Druck auf die Energieversorger in der gesamten Region.

Regionale Auswirkungen: Rumänien unter ähnlichem Druck

Auch in den Nachbarländern sind die Folgen der Dürre deutlich spürbar. Rumänien kämpft ebenfalls mit einer Energiekrise, die durch das Niedrigwasser der Donau ausgelöst wurde. Dort musste der Energiekonzern Nuclearelectrica einen Reaktor des AKW Cernavoda abschalten, da die Kühlwasserzufuhr nicht mehr ausreichend gewährleistet war. Da dieses Kraftwerk etwa ein Fünftel des rumänischen Strombedarfs deckt, sah sich die Regierung gezwungen, drastische Maßnahmen zu ergreifen.

Um den Strombedarf zu senken, haben große Automobilhersteller wie Ford und Dacia angekündigt, ihre Produktion bis zum 19. August einzustellen. Dieser Schritt führte bereits zu einer Entlastung des Stromnetzes um rund 200 Megawatt. Auch in der rumänischen Hauptstadt Bukarest wurde als Reaktion auf die Knappheit die Straßenbeleuchtung gedimmt und die Anstrahlung von Wahrzeichen eingestellt. In Rumänien wurden zudem technische Maßnahmen ergriffen, um den Wasserzufluss zum AKW Cernavoda durch die Sprengung von Felsen im Flussbett zu verbessern.

Ausblick und Kontext

Die aktuelle Lage zeigt, wie eng die Energieversorgung in Südosteuropa mit den hydrologischen Bedingungen der großen Flusssysteme verknüpft ist. Während die kurzfristigen Sparmaßnahmen wie das Abschalten von Beleuchtungen den Druck auf die Netze mindern, bleibt die langfristige Stabilität der Stromversorgung bei anhaltenden Hitzewellen eine Herausforderung. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die getroffenen Sparmaßnahmen ausreichen, um die kritische Phase bis zu einer Entspannung der Wetterlage zu überbrücken.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/fluss-blauer-himmel-ungarn-budapest-13334084/ · Foto: Soner Arkan
Quelle: https://www.tagesschau.de/ausland/europa/ungarn-energiesparen-niedrigwasser-100.html