News aus aller Welt
Start
UEFA bleibt hart - wie geht es weiter?
Sport · 07.08.2026 11:02

UEFA bleibt hart - wie geht es weiter?

Kurz: Der Machtkampf zwischen der UEFA und FIFA-Präsident Gianni Infantino spitzt sich zu. Trotz Entschuldigungen hält die UEFA an ihrem Boykott fest.

Ein tiefes Zerwürfnis an der Spitze des Weltfußballs

Die Spannungen zwischen der UEFA und der FIFA-Führung unter Gianni Infantino haben eine neue Stufe erreicht. Obwohl der Weltverband seine Pläne, den Fußball durch externe Investoren zu privatisieren, offiziell zurückgezogen hat, hält die Europäische Fußball-Union an ihrem harten Kurs fest. Für die 55 europäischen Verbände ist die bloße Rücknahme der umstrittenen Pläne nicht ausreichend. Sie fordern eine grundlegende Garantie, dass derartige Versuche, den Sport in ein globales Wirtschaftsunternehmen umzuwandeln, in Zukunft unterbleiben. Da diese Bedingung nach Ansicht der UEFA nicht erfüllt wurde, bleibt das Vertrauensverhältnis zu Infantino zerrüttet.

Drohende Konsequenzen für den internationalen Spielbetrieb

Die Konsequenzen dieser Blockadehaltung könnten zeitnah spürbar werden. Die UEFA hält an ihrem Boykott der FIFA-Wettbewerbe fest, was den internationalen Turnierkalender unmittelbar gefährdet. Als erste betroffene Veranstaltung gilt die U20-Frauen-WM in Polen, die für September 2026 angesetzt ist. Auch weitere Turniere, darunter die U17-Weltmeisterschaften der Frauen und Männer sowie der geplante Meisterpokal der Frauen 2027 in Miami und die Frauen-WM 2027 in Brasilien, stehen unter dem Vorbehalt dieser sportpolitischen Auseinandersetzung.

Interne Vorwürfe und Druck auf Führungskräfte

Parallel zum Konflikt mit den Kontinentalverbänden sieht sich Infantino mit schwerwiegenden Vorwürfen konfrontiert. Medienberichten zufolge soll es innerhalb der FIFA zu einer massiven Einflussnahme auf hochrangige Funktionäre gekommen sein. Demnach seien fünf Spitzendirektoren, das sogenannte „FIFA-Büro“, kurz vor dem WM-Finale unter Druck gesetzt worden, dem Privatisierungsprojekt zuzustimmen. Während drei der Verantwortlichen – darunter angeblich Generalsekretär Mattias Grafström – das Abkommen unterzeichneten, verweigerten zwei weitere die Zustimmung. Betroffene sollen sich dabei überrumpelt und unter Druck gesetzt gefühlt haben. Die FIFA hat eine Stellungnahme zu diesen Vorwürfen bislang abgelehnt.

Eine gespaltene Weltorganisation

Die Unterstützung für den FIFA-Präsidenten präsentiert sich derzeit als ein Flickenteppich. Während die UEFA und der nord- und mittelamerikanische Verband CONCACAF auf Distanz gehen, sichert der afrikanische Dachverband CAF Infantino weiterhin einstimmig seine Unterstützung zu. Auch aus Südamerika gibt es geteilte Signale: Während der Verband CONMEBOL die Bedeutung demokratischer Institutionen betont, haben sich Verbände wie Argentinien und Mexiko hinter den aktuellen Kurs gestellt. Diese globale Zersplitterung zeigt, dass Infantino die Fußballwelt derzeit tief spaltet.

Politische Dimensionen und der Blick auf 2027

Der Druck auf den FIFA-Chef wächst mittlerweile auch aus der Politik. Hochrangige Staatsvertreter, darunter der britische Premierminister Andy Burnham und der kanadische Regierungschef Mark Carney, haben sich öffentlich für einen Rücktritt Infantinos ausgesprochen. Mit Blick auf die Wahl am 18. März 2027 in Rabat bringt sich die Opposition bereits in Stellung. Als wahrscheinlichster Herausforderer gilt CONCACAF-Präsident Victor Montagliani, der von Carney unterstützt wird. Auch Namen wie die norwegische Verbandspräsidentin Lise Klaveness oder UEFA-Chef Aleksander Ceferin werden in diesem Zusammenhang als mögliche Alternativen gehandelt.

Infantinos Strategie der Verteidigung

Ungeachtet der Kritik zeigt sich Infantino kämpferisch. Er signalisierte, dass die FIFA Angriffe auf ihre Integrität nicht länger hinnehmen werde und kündigte an, alle notwendigen Maßnahmen zum Schutz des Verbandsnamens zu ergreifen. Ein freiwilliger Rücktritt des Präsidenten gilt derzeit als unwahrscheinlich. Ob es vor dem regulären Wahltermin 2027 zu einem außerordentlichen Kongress kommt, um eine vorzeitige Ablösung zu forcieren, bleibt angesichts der komplexen Machtstrukturen innerhalb der FIFA jedoch fraglich.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/leere-stadionsitze-bei-der-uefa-europa-league-35781791/ · Foto: hayati ilker ergün
Quelle: https://www.sportschau.de/fussball/uefa-bleibt-hart-wie-geht-es-weiter,fifa-infantino-weiter-kritik-nach-krisentreffen-100.html