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TV-Kritik: Sarah Tacke: Sarah Tacke und die Kunst der einseitigen Empörung
Schlagzeilen · 31.07.2026 06:12

TV-Kritik: Sarah Tacke: Sarah Tacke und die Kunst der einseitigen Empörung

Kurz: Sarah Tacke startet ihre neue ZDF-Talkshow mit einem Fokus auf Islamismus. Doch die einseitige Gästeauswahl und die Ausblendung queerer Perspektiven sorgen für

Ein neuer Talk-Platz mit bekannter Handschrift

Sarah Tacke, langjährige ZDF-Rechtsredakteurin und bekannt aus Formaten wie „WISO“, hat den prominenten Sendeplatz von Maybrit Illner für die Sommerwochen übernommen. Ihre Premiere widmete sie dem islamistischen Anschlag am Rande des Berliner CSD. Mit einer aufwendigen Inszenierung – inklusive QR-Codes für Zuschauerinteraktionen und Vor-Ort-Reportagen – versuchte die Moderatorin, sich von bestehenden Formaten abzugrenzen. Doch inhaltlich blieb die Sendung hinter dem Anspruch zurück, eine breite Debatte abzubilden.

Einigkeit statt Kontroverse

Die Gästerunde, bestehend aus NRW-Innenminister Herbert Reul, der Menschenrechtsaktivistin Düzen Tekkal und dem Psychologen Ahmad Mansour, präsentierte sich in einer bemerkenswerten Einigkeit. Alle Beteiligten forderten mehr staatliche Härte im Umgang mit Islamisten. Da eine Gegenposition – etwa eine juristische Stimme, die das aktuelle Jugendstrafrecht verteidigt oder die bestehende Praxis erläutert hätte – fehlte, entwickelte sich kein echter Diskurs. Stattdessen wurden lediglich Nuancen in der Umsetzung staatlicher Maßnahmen verhandelt.

Tacke agierte dabei als Moderatorin, die zwar handwerklich sauber Fragen stellte und die Runde ordnete, jedoch ihre eigene inhaltliche Nähe zur Runde kaum verbergen konnte. Während sie den Gästen teilweise kritische Rückfragen stellte, blieb die grundlegende Stoßrichtung der Sendung – die These des Staatsversagens – unangetastet.

Die Ausblendung der Zielgruppe

Ein zentraler Kritikpunkt der Sendung ist die Einordnung des Anschlags. Obwohl der Täter gezielt Besucher einer queeren Parade angriff, ordnete Tacke die Tat in ihrem Einspieler in eine generische Reihe von Islamismus-Anschlägen ein. Die spezifische Bedrohungslage für queere Menschen, deren Straftaten laut BKA und Innenministerium in den letzten Jahren massiv zugenommen haben, fand in der einstündigen Debatte kaum Raum.

Als Düzen Tekkal darauf hinwies, dass es sich um einen Anschlag auf Minderheiten handelte, unterbrach die Moderatorin den Gedanken, um eine Zuschauerumfrage per QR-Code einzuleiten. Diese Umfrage, die die Zuschauer zwischen „härterem Jugendstrafrecht“ und „mehr Prävention“ wählen ließ, wirkte wie ein Pflichtelement zur Aktivierung der digitalen Zielgruppe, ohne jedoch einen Erkenntnisgewinn zu liefern.

Ein Muster der Verengung?

Die Kritik an der Sendung erinnert an frühere Arbeiten Tackes. Bereits bei ihrer Dokumentation über das Bürgergeld gab es Vorwürfe, sie habe Einzelfälle ohne statistische Einordnung überbetont und betroffene Verbände nicht ausreichend zu Wort kommen lassen. Auch in der Talk-Premiere scheint sich dieses Muster zu wiederholen: Die Sendung fokussiert sich auf eine bestimmte Perspektive und lässt alternative Sichtweisen oder eine tiefere gesellschaftliche Einordnung vermissen.

Obwohl die Gäste mit pointierten Aussagen aufwarteten – etwa zur Rolle des Schweigens als „Bodyguard der Täter“ oder zur Komplexität der Deradikalisierung –, blieb der erhoffte Erkenntnisgewinn aus. Die Sendung bot einen Austausch von Erfahrungen, wie Tacke es zum Abschluss selbst formulierte, statt einer echten, kontroversen Debatte. Für die kommenden Wochen bleibt abzuwarten, ob die Moderatorin den Fokus weiten und auch unbequemere, abweichende Perspektiven in ihre Runden integrieren wird.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/herbstportrat-einer-frau-am-see-in-deutschland-29476939/ · Foto: Bastian Riccardi
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien-und-film/talkshow/tv-kritik-sarah-tacke-die-kunst-der-einseitigen-empoerung-accg-201082422.html