Neue Wege für die mobile Vernetzung
Die Deutsche Telekom hat im Rahmen eines Feldversuchs in Tschechien ein innovatives Konzept zur Mobilfunkversorgung erprobt. Durch den Einsatz unbemannter Fluggeräte, die als fliegende Basisstationen fungieren, konnte ein Gebiet von rund 20 Quadratkilometern mit LTE- und 5G-Signalen abgedeckt werden. Ziel des Projekts ist es, in schwierigen Lagen oder bei Großereignissen eine zuverlässige Netzverbindung sicherzustellen, wo terrestrische Infrastruktur an ihre Grenzen stößt oder nicht vorhanden ist.
Technik hinter dem Einsatz
Für den Testlauf kamen zwei Flugzeuge des Typs Primoco One 150 zum Einsatz. Ein zentraler Vorteil dieses Setups ist die Redundanz: Während ein Fluggerät zur Betankung am Boden landet, übernimmt das zweite in der Luft die Funkversorgung. Dieser Wechselbetrieb ermöglicht eine unterbrechungsfreie Konnektivität. Die Smartphones der Nutzer vor Ort verbanden sich dabei automatisch mit der jeweils aktiven Zelle, ohne dass die Anwender einen manuellen Wechsel bemerkten.
Die Flugzeuge operierten in einer Höhe von zwei bis drei Kilometern. Dabei nutzten sie dieselben Standardfrequenzen, die auch in herkömmlichen terrestrischen Netzen üblich sind. Über einen 10-MHz-Kanal wurden Datenraten von etwa 100 MBit/s erreicht. Dies zeigt, dass fliegende Antennen eine durchaus leistungsfähige Ergänzung zum bestehenden Mobilfunknetz darstellen können.
Satellitenanbindung als Schlüsselkomponente
Ein wesentlicher Aspekt des Versuchs war die Anbindung der Flugzeuge an das Mobilfunkkernnetz. Anstatt auf eine lokale Bodenstation angewiesen zu sein, verfügten die Fluggeräte über eine integrierte Satellitenanbindung. Diese Unabhängigkeit von der terrestrischen Infrastruktur ist für Einsatzszenarien wie Waldbrände, Überschwemmungen oder abgelegene Veranstaltungen von entscheidender Bedeutung.
In diesem Kontext vertieft die Deutsche Telekom zudem ihre Kooperation mit Starlink. Nach einer bereits bestehenden Zusammenarbeit in den USA wurde eine Partnerschaft für den europäischen Markt vereinbart. Ziel ist es, die Mobilfunkversorgung per Satellit mittels „Direct-to-Device“-Technologie weiter auszubauen.
Praxisbeispiel: Sportevent in den Brdy-Bergen
Die Leistungsfähigkeit des Konzepts wurde während des Trailrunning-Events „Běhej lesy“ in den tschechischen Brdy-Bergen unter realen Bedingungen demonstriert. Während der Start- und Zielbereich durch einen klassischen mobilen Mobilfunkmast abgedeckt wurde, übernahmen die Flugzeuge die Versorgung entlang der abgelegenen Laufstrecke. Insgesamt konnten so etwa 1.900 Teilnehmende kontinuierlich mit Mobilfunk versorgt werden.
Perspektiven für die Mobilfunkinfrastruktur
Die Ergebnisse unterstreichen das Potenzial für eine resilientere Netzarchitektur. Laut Vertretern der Deutschen Telekom liegt der Fokus auf der Bereitstellung von Kapazitäten für besondere Einsatzlagen. Die Kombination aus fliegenden Plattformen und Satellitenanbindung könnte in Zukunft eine wichtige Rolle spielen, um bei Naturkatastrophen oder in dünn besiedelten Regionen die Kommunikation aufrechtzuerhalten. Die erfolgreiche Integration von 5G-Technik in diese fliegenden Einheiten markiert einen weiteren Schritt in der technologischen Entwicklung mobiler Netze.