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Trumps Umbau der USA: Die zweite amerikanische Revolution ist eine autoritäre
Kultur · 01.10.2026 08:12

Trumps Umbau der USA: Die zweite amerikanische Revolution ist eine autoritäre

Kurz: Cathryn Clüver Ashbrook analysiert in ihrem neuen Buch den autoritären Umbau der USA unter Donald Trump und warnt vor den Gefahren für westliche Demokratien.

Eine Zäsur in der amerikanischen Geschichte

Die Vereinigten Staaten befinden sich in einer Phase tiefgreifender politischer Transformation, die von der Politikwissenschaftlerin Cathryn Clüver Ashbrook als eine autoritäre Revolution charakterisiert wird. Während vor 250 Jahren die Gründungsväter der amerikanischen Kolonien gegen die britische Krone für ihre Unabhängigkeit stritten, sieht sich das Land heute mit einer gänzlich anderen Bedrohung konfrontiert. Ashbrook identifiziert Donald Trump als die zentrale Figur, die als Tyrann im Weißen Haus agiert und den Umbau der staatlichen Ordnung mit einer beispiellosen Geschwindigkeit und Härte vorantreibt. Diese Entwicklung ist kein zufälliges Ereignis, sondern das Resultat einer gezielten Strategie, die darauf abzielt, demokratische Normen und Institutionen systematisch auszuhebeln. Die Autorin rekonstruiert in ihrem Werk, wie die Anhänger des ehemaligen Präsidenten, die sogenannten Trumpisten, faschistoide Elemente in ihr politisches Handeln integrieren, um ihre Machtbasis dauerhaft zu sichern. Es handelt sich hierbei um einen Prozess, der die Grundfesten der amerikanischen Demokratie erschüttert und den Übergang zu einer Autokratie markiert.

Die Architektur der Machtübernahme

Ein zentraler Begriff in Ashbrooks Analyse ist die „zweite amerikanische Revolution“. Dieser Terminus wurde maßgeblich von Kevin Roberts geprägt, dem CEO der rechtsnationalen Heritage Foundation. Bereits im Jahr 2023 legte Roberts mit dem sogenannten „Projekt 2025“ ein Manifest vor, das als Blaupause für den autokratischen Umbau der USA dient. Ashbrook stützt sich in ihrer Argumentation auf den Philosophen Jason Stanley und kommt zu dem Schluss, dass die USA in eine Phase eingetreten sind, in der eine Autokratie mit faschistoiden Zügen entsteht. Ein wesentliches Ziel der MAGA-Bewegung besteht darin, den pluralistischen Charakter der amerikanischen Gesellschaft aufzubrechen. An dessen Stelle soll ein ethnonationalistisches Staatsverständnis treten, das ausschließlich ein „wahres“, also weißes Staatsvolk definiert. Diese Ideologie bildet das Fundament für die weitreichenden politischen Veränderungen, die derzeit das politische Klima in den Vereinigten Staaten dominieren und die gesellschaftliche Spaltung weiter vertiefen.

Historische Wurzeln und sozioökonomische Faktoren

Der Prozess der Autokratisierung der USA ist keineswegs ein plötzliches Phänomen, das erst mit Trumps zweiter Amtszeit begann. Ashbrook weist darauf hin, dass der Nährboden für diese Entwicklung bereits in den 1960er Jahren gelegt wurde, als die politische Polarisierung des Landes drastisch zunahm. Über einen Zeitraum von 25 Jahren haben insbesondere die Republikaner diese Spaltung instrumentalisiert, um Feindbilder zu verhärten und eine Verrohung des politischen Diskurses zu forcieren. Der Republikaner Newt Gingrich prägte hierfür den Begriff des „Kriegs mit Worten“. Parallel dazu wurde die wachsende sozioökonomische Ungleichheit populistisch aufgeladen. Ein paradoxer Aspekt ist dabei, dass sowohl Demokraten als auch Republikaner durch ihre Politik der wirtschaftlichen Deregulierung den Boden für den Aufstieg der MAGA-Bewegung bereiteten. Diese konnte die wirtschaftlich benachteiligten Schichten als Wählergruppe gewinnen, obwohl die Politik unter Trump, etwa durch das „One Big Beautiful Bill“, primär den Interessen der Reichen dient und die Korruption befeuert.

Die Akteure hinter der Bewegung

Die Koalition, die den Umbau der USA vorantreibt, ist in ihrer Zusammensetzung äußerst heterogen. Ashbrook beschreibt ein komplexes Geflecht aus rechtskonservativen und rechtsextremen Ideologen, einflussreichen Tech-Oligarchen, militanten Gruppierungen, evangelikalen Gemeinschaften und rechten Frauengruppen. Auch einfache „Fußsoldaten“ der MAGA-Bewegung, die sich beispielsweise in lokalen School Boards gegen inklusive Lehrpläne engagieren, spielen eine entscheidende Rolle. Diese Akteure vereinen unterschiedliche Interessen und politische Methoden, was auf ein erhebliches Konfliktpotenzial innerhalb der Bewegung hindeutet. Ashbrook prognostiziert, dass ein interner Machtkampf spätestens zur Präsidentschaftswahl 2028 unvermeidlich sein wird. Trotz der scheinbaren Geschlossenheit der Bewegung sind die internen Spannungen zwischen den verschiedenen Interessengruppen bereits jetzt erkennbar, was langfristig die Stabilität des gesamten politischen Projekts gefährden könnte, da die unterschiedlichen Fraktionen nur durch den gemeinsamen Gegner und die charismatische Führung Trumps zusammengehalten werden.

Einordnung der globalen Auswirkungen

Die Analyse von Cathryn Clüver Ashbrook bietet eine wichtige Einordnung für die internationale Gemeinschaft. Den Berichten zufolge ist die Entwicklung in den USA nicht nur ein nationales Problem, sondern stellt eine Gefahr für europäische Demokratien dar. Ashbrook warnt davor, dass die Trump-Administration aktiv nach gleichgesinnten Verbündeten in Europa sucht, was beispielsweise in den Kontakten zwischen Teilen der AfD und der MAGA-Bewegung deutlich wird. Eine solche internationale Vernetzung könnte die Polarisierung innerhalb Europas weiter verschärfen. Gleichzeitig betont die Autorin, dass die Situation nicht ausweglos ist. Trotz massiver Einschüchterungsversuche gibt es weiterhin Massenproteste und einzelne US-Bundesstaaten, die sich der Politik Trumps widersetzen. Für Europa ergibt sich daraus die Notwendigkeit, strategische Partnerschaften mit diesen widerständigen Bundesstaaten zu suchen, anstatt sich nur auf die transatlantische Ebene der Bundesregierung zu verlassen. Einzuordnen ist das so, dass die Stabilität der westlichen Welt von der Fähigkeit abhängt, den demokratiezersetzenden Tendenzen entschlossen entgegenzutreten.

Lücken in der Analyse und offene Fragen

Obwohl Ashbrook eine detaillierte Diagnose der aktuellen Lage vorlegt, bleiben einige Fragen im Kontext des Quelltextes unbeantwortet. Es bleibt unklar, wie die spezifischen Mechanismen der Machtausübung in den kommenden Jahren genau aussehen werden, insbesondere im Hinblick auf die angekündigte Unabhängigkeit von den eigenen Wählern durch den Umbau des Wahlsystems. Der Quelltext lässt offen, wie die verschiedenen Fraktionen innerhalb der MAGA-Bewegung ihre ideologischen Differenzen nach einer möglichen Konsolidierung der Macht beilegen wollen. Zudem wird nicht explizit ausgeführt, welche konkreten rechtlichen Instrumente den US-Bundesstaaten in ihrem Widerstand gegen die Administration zur Verfügung stehen und wie effektiv diese gegen die exekutive Gewalt auf Bundesebene tatsächlich sind. Auch die langfristigen Auswirkungen der wirtschaftlichen Umverteilung durch das „One Big Beautiful Bill“ auf die Stabilität der staatlichen Grundversorgung werden zwar als riskant eingestuft, aber die genauen ökonomischen Konsequenzen bleiben spekulativ, da der Text keine detaillierten Prognosen über die Reaktion der Finanzmärkte oder der betroffenen Bevölkerungsschichten nach den Zwischenwahlen 2026 liefert.

Ausblick auf die kommenden Herausforderungen

Die zeitliche Planung der Trump-Administration ist präzise. Die Einschnitte in die staatliche Grundversorgung sind so terminiert, dass sie erst nach den Zwischenwahlen 2026 ihre volle Wirkung entfalten, was die kurzfristige politische Handlungsfähigkeit der Regierung sichern soll. Perspektivisch streben die Trumpisten an, durch eine fundamentale Umgestaltung des Wahlsystems die Abhängigkeit von der Zustimmung der Wähler zu verringern. Für Deutschland und Europa stellt sich die drängende Frage, wie man auf diesen „amerikanischen Weckruf“ reagieren soll. Ashbrook mahnt, dass man aus der eigenen Geschichte lernen müsse, wozu mangelnder Widerstand gegen autoritäre Bestrebungen führen kann. Es gilt, wachsam zu bleiben und den strategischen Bestrebungen antidemokratischer Parteien mit einer fundierten Diagnose entgegenzuwirken. Ob dieser Weckruf in der europäischen Politik tatsächlich Gehör findet und zu einer strategischen Neuausrichtung führt, bleibt eine der zentralen offenen Fragen der kommenden Jahre.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/37148213/ · Foto: Ruben Boekeloo
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/sachbuch/der-amerikanische-weckruf-von-cathryn-cluever-ashbrook-accg-201143479.html