Ein spannender Renntag auf dem Weg nach Tournon-sur-Rhône
Die sechste Etappe der Tour de France Femmes 2026 bot den Radsportfans ein intensives Kletter-Spektakel. Auf einer Strecke von 153,4 Kilometern zwischen Montbrison und Tournon-sur-Rhône galt es für das Peloton, insgesamt 2.600 Höhenmeter und sechs Bergwertungen zu überwinden. Während die Favoritinnen auf das Gelbe Trikot den Fokus auf die Gesamtwertung legten, entwickelte sich der Kampf um den Tagessieg zu einer taktischen Herausforderung.
Früh im Rennen formierte sich eine dreiköpfige Ausreißergruppe, die jedoch keine entscheidende Rolle spielen konnte. Bereits 54 Kilometer vor dem Ziel erhöhten die Favoritinnen um die Trägerin des Weißen Trikots, Antonia Niedermaier, das Tempo an der Spitze. In dieser Phase festigte das Team Movistar seine taktische Position: Die Gesamtführende Marlen Reusser wurde von ihrer Edelhelferin Liane Lippert begleitet, was dem Team eine komfortable Ausgangslage verschaffte.
Taktisches Kalkül und die Rolle von Liane Lippert
Lippert gelang es, sich in einer Abfahrt vor dem letzten Anstieg gemeinsam mit fünf weiteren Fahrerinnen vom Feld abzusetzen. Diese Konstellation war ideal für die deutsche Radsportlerin, da sie durch die Unterstützung ihrer Teamkolleginnen im Feld von Führungsarbeit entlastet wurde. Die Gruppe konnte einen Vorsprung von etwa 30 Sekunden in den finalen Anstieg zum Côte de Boucieu-le-Roi retten.
Obwohl nach dem Anstieg zahlreiche Attacken innerhalb der Spitzengruppe erfolgten, konnte sich keine Fahrerin entscheidend absetzen. Im Hintergrund ließ das Feld der Favoritinnen – darunter auch die spätere Siegerin Kim Le Court-Pienaar sowie Riejanne Markus – gewähren, da diese Fahrerinnen keine unmittelbare Bedrohung für das Gelbe Trikot von Marlen Reusser darstellten.
Sprint-Entscheidung zugunsten von Le Court-Pienaar
Für Liane Lippert war der Plan klar: Sie erhielt vom Team das Mandat, um den Tagessieg zu sprinten. In der entscheidenden Phase vergrößerte sich die Spitzengruppe auf acht Fahrerinnen, da Le Court-Pienaar erfolgreich den Anschluss gefunden hatte. Im finalen Sprint fehlte Lippert jedoch das nötige Timing. Nach eigener Aussage war sie etwas zu weit hinten positioniert, was den idealen Sprint verhinderte. Kurz vor der Ziellinie brach die Deutsche ihren Versuch ab und beendete das Rennen auf dem sechsten Platz.
Den Tagessieg sicherte sich Kim Le Court-Pienaar aus Mauritius, gefolgt von Cedrine Kerbaol und Puck Pieterse. Die Favoritinnen auf den Gesamtsieg erreichten das Ziel mit einem Rückstand von 28 Sekunden auf die Spitze.
Ausblick auf die entscheidenden Etappen
Trotz des verpassten Sieges zieht Liane Lippert ein positives Zwischenfazit. Die taktische Ausrichtung des Teams Movistar scheint aufzugehen, da Marlen Reusser weiterhin das Gelbe Trikot trägt und Antonia Niedermaier in der Wertung der besten Nachwuchsfahrerin führt.
Der Blick richtet sich nun auf die kommenden Etappen der insgesamt neun Abschnitte umfassenden Tour de France Femmes 2026. Besonders die bevorstehende Etappe, die auf dem legendären Mont Ventoux endet, gilt als wegweisend. Experten und Beobachter erwarten dort eine Vorentscheidung im Kampf um das begehrte Gelbe Trikot, da die anspruchsvolle Bergankunft die Kletterqualitäten der Favoritinnen erneut auf eine harte Probe stellen wird.