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Teurer zugang „Truth API“: Wer kauft Trumps Abo für 100.000 Dollar?
Kultur · 05.08.2026 14:01

Teurer zugang „Truth API“: Wer kauft Trumps Abo für 100.000 Dollar?

Kurz: Die Trump Media & Technology Group bietet für 100.000 Dollar monatlich einen exklusiven Datenfeed an. Experten debattieren über Marktintegrität und Rechtsfragen

Ein Geschäftsmodell mit politischer Brisanz

Donald Trump nutzt seine Präsenz in den sozialen Medien seit Jahren, um politische und wirtschaftliche Entwicklungen maßgeblich zu beeinflussen. Seine Äußerungen auf der Plattform „Truth Social“ führen regelmäßig zu Kursschwankungen an den Finanzmärkten. Die Trump Media & Technology Group hat nun ein Angebot lanciert, das diesen Einfluss direkt in Kapital umwandeln soll: Die sogenannte „Truth API“.

Für eine monatliche Gebühr von 100.000 Dollar erhalten Abonnenten Zugriff auf einen Hochgeschwindigkeits-Datenfeed. Dieser ermöglicht es, die Posts des US-Präsidenten sowie anderer Nutzer in Echtzeit zu empfangen. Wer sich für einen Dreijahresvertrag entscheidet, zahlt monatlich 60.000 Dollar. Das Angebot richtet sich gezielt an Akteure, für die Sekundenbruchteile über Gewinn oder Verlust entscheiden können.

Die Perspektive der Finanzwelt: Nutzen oder Unruhefaktor?

Die Reaktionen in der Finanzbranche sind gespalten. Während einige Experten den tatsächlichen Mehrwert des Dienstes hinterfragen, sehen andere die Integrität der Märkte gefährdet.

Für Hendrik Leber, Gründer von Acatis Investment, haben die Äußerungen Trumps für langfristige Anlagen keine fundamentale Bedeutung. Er bezeichnet den Datenstrom als „volatilitätstreibenden Unruhefaktor“ und lehnt das Angebot ab. Auch Johannes Mayr von Eyb & Wallwitz betont, dass der Nutzen für den Großteil der Branche noch unklar sei.

Demgegenüber steht die Sichtweise von Hochfrequenzhändlern. Andreas Hackethal, Professor für Finanzen an der Goethe-Universität Frankfurt, gibt zu bedenken, dass für diese Akteure ein enormer Druck entstehen könne, den Dienst zu abonnieren. Sobald ein Wettbewerber sich einen Zeitvorsprung erkauft, sehen sich andere Marktteilnehmer gezwungen, nachzuziehen, um nicht ins Hintertreffen zu geraten.

Ethische Bedenken und rechtliche Grauzonen

Die Kritik an der „Truth API“ geht weit über rein ökonomische Erwägungen hinaus. Ulrich Kaffarnik von DJE Kapital kritisiert den Interessenkonflikt, da Trump nicht als Privatperson, sondern als Teil der US-Exekutive agiere. Die Monetarisierung politischer Kommunikation könne das Vertrauen in die Integrität der Märkte nachhaltig schädigen.

Rechtlich gesehen ist der Verkauf von Geschwindigkeit zwar nicht per se illegal, sofern keine Vorabinformationen weitergegeben werden – die Posts werden lediglich schneller an die Abonnenten übermittelt als an die breite Öffentlichkeit. Dennoch sehen Kritiker wie Hendrik Leber darin einen Rechtsverstoß. Auch demokratische US-Politiker, darunter Senator Adam Schiff und Chuck Schumer, haben bereits vor den Auswirkungen dieses Geschäftsmodells gewarnt.

Die Rolle der Marktteilnehmer und Regulierungsbehörden

Große Finanzhäuser und Verbände zeigen sich derzeit abwartend. Es wird erwartet, dass die Entscheidung über den Erfolg oder Misserfolg des Dienstes maßgeblich von den US-Finanzhäusern abhängt. Ulrich Kaffarnik plädiert für eine kollektive Ablehnung durch die Branche, hält dies jedoch aufgrund des entstehenden Nachahmungsdrucks für schwierig.

Die Experten sind sich einig, dass eine saubere Lösung nur durch staatliche Institutionen erreicht werden könnte. Andreas Hackethal schlägt vor, dass Behörden amtliche Informationen zeitgleich über neutrale, öffentliche Kanäle bereitstellen sollten, um eine Bevorzugung zahlungskräftiger Akteure zu verhindern. Ob eine solche Regulierung unter den aktuellen politischen Gegebenheiten realistisch ist, bleibt jedoch offen.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/eingangsfassade-des-historischen-theaters-heidelberg-31266349/ · Foto: Ramon Karolan
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien-und-film/medienpolitik/was-sagt-der-kapitalmarkt-zu-trumps-100-000-dollar-abo-truth-api-201097704.html