Ein cineastisches Highlight im Vordertaunus
In der letzten Ferienwoche verwandelt sich der Vordertaunus in eine Bühne für die Filmwelt. Das Taunus Filmfest, das in diesem Jahr sein 15-jähriges Bestehen feiert, bietet ein vielfältiges Programm mit rund 40 Kurz- und Langfilmen. Unter dem Namen „Taunale“ – eine Anspielung auf renommierte Festivals wie die Berlinale oder die Biennale – hat sich die Veranstaltung von einem lokalen Projekt in Oberursel zu einem regionalen Ereignis entwickelt, das nun erstmals vier Städte umfasst: Oberursel, Bad Homburg, Bad Soden und Eschborn.
Emotionen und Premieren
Das Programm ist breit gefächert und zielt darauf ab, das Publikum emotional zu berühren. Laut den Festivalleitern Alexander Mereien und Eva Debrodt steht nicht nur die Unterhaltung im Vordergrund, sondern das Erzeugen von Emotionen – sei es durch Lachen, Wut oder Nachdenklichkeit. Ein besonderes Highlight ist die Deutschlandpremiere der Actionkomödie „Marsupilami“, die den Auftakt des Festivals bildet. Zudem wird die Verfilmung des Romans „Identitti“ von Mithu Sanyal gezeigt, noch bevor der offizielle Kinostart erfolgt. Zur Vorführung werden sowohl die Autorin als auch die Hauptdarstellerin, die Frankfurter Rapperin Sabrina Setlur, für ein Filmgespräch erwartet.
Ein Festival durch ehrenamtliches Engagement
Die Organisation des Festivals ist ein bemerkenswertes Beispiel für bürgerschaftliches Engagement. Die Festivalleitung liegt in den Händen von Alexander Mereien, der hauptberuflich als Paartherapeut arbeitet, und der Rechtsanwältin und Schauspielerin Eva Debrodt. Beide bringen eigene Erfahrungen im Kurzfilmbereich mit. Unterstützt werden sie von einem großen Team aus ehrenamtlichen Helfern. Was einst als „Filmfest Oberursel“ begann, hat sich durch die Vision der Gründer zu einer Plattform entwickelt, die trotz anfänglicher Skepsis heute regelmäßig prominente Gäste in die Region lockt.
Ungewöhnliche Spielorte und Vernetzung
Da Oberursel über kein eigenes Kino verfügt, ist die Organisation kreativ gefordert. Die Spielorte des Festivals sind daher besonders vielfältig: Neben Hotels und klassischen Kinos werden Leinwände in Parks und sogar in einer aktiven Kirche, der Christuskirche in Oberursel, installiert. Diese Kombination aus ungewöhnlichen Orten und einem professionellen Anspruch unterstreicht den besonderen Charakter der Taunale.
Das Festival versteht sich zudem als Brücke zwischen der Filmbranche und dem Publikum. Neben den Filmvorführungen gibt es ein umfangreiches Rahmenprogramm mit:
* Filmgesprächen mit Regisseuren und Darstellern
* Workshops für Laien und Profis
* Partys zur Vernetzung
* Kunstausstellungen
Eine Fachjury, geleitet vom Regisseur Jerry Digby aus Los Angeles, bewertet die Beiträge und vergibt Preise in den Kategorien Dokumentar-, Spiel- und Kurzfilm. Die Mischung aus Branchentreff und öffentlichem Event bietet sowohl Filmschaffenden als auch interessierten Zuschauern vielfältige Möglichkeiten zum Austausch.
Ausblick und Bedeutung
Die Erweiterung auf vier Standorte markiert einen wichtigen Schritt in der Geschichte des Festivals. Die Taunale hat sich damit fest im Kulturkalender der Region etabliert. Die kommenden Tage bis zum 9. August bieten den Besuchern die Gelegenheit, an einem der ungewöhnlichen Orte in die Welt des Films einzutauchen und den direkten Austausch mit den Machern zu suchen. Die Entwicklung zeigt, dass durch beharrliche Visionen auch in kleineren Städten ein kulturelles Angebot entstehen kann, das überregionale Aufmerksamkeit genießt.