Zunehmende Gefahr für die Ladeinfrastruktur
Der Diebstahl von Ladekabeln an öffentlichen Schnellladestationen hat sich zu einem wachsenden Problem für Betreiber und Nutzer entwickelt. Während der reine Materialwert des im Kabel enthaltenen Kupfers laut Schätzungen des Automobilclubs Verkehr (ACV) bei lediglich rund 50 Euro liegt, entstehen durch die Tat massive wirtschaftliche Folgen. Die Kosten für Reparatur und Ersatz der beschädigten Infrastruktur belaufen sich pro Vorfall auf etwa 5000 bis 8000 Euro. Hinzu kommt die erhebliche Beeinträchtigung für Elektromobilisten, die auf die betroffenen Ladepunkte angewiesen sind.
Besonders betroffen sind Gleichstrom-Schnellladestationen (DC), da die Kabel hier fest mit der Säule verbunden sind. Bei langsameren Wechselstrom-Ladestationen (AC) hingegen führen die Nutzer ihr eigenes Kabel mit, weshalb dort kein Diebstahlrisiko für die Ladeinfrastruktur besteht.
TankE reagiert mit zweistufigem Schutzkonzept
Der Kölner Ladeinfrastruktur-Dienstleister TankE verzeichnete in seinem Versorgungsgebiet einen deutlichen Anstieg der Delikte. Während im gesamten Jahr 2024 lediglich fünf Kabel entwendet wurden, stieg diese Zahl im Zeitraum von Januar bis Oktober 2025 auf etwa 60 Fälle an. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, hat das Unternehmen ein zweistufiges Sicherheitssystem implementiert.
Die Maßnahmen umfassen:
* **Schnitthemmende Ummantelung:** Die Ladekabel werden mit einer speziellen Hülle versehen, die das Durchtrennen mit Werkzeugen erheblich erschwert und die Widerstandsfähigkeit gegenüber äußeren Einwirkungen deutlich steigert.
* **Aktives Alarmsystem:** Sollte es dennoch zu Manipulationsversuchen kommen, aktiviert das System eine Sirene sowie ein optisches Blitzlicht, um Täter abzuschrecken und auf den Vorfall aufmerksam zu machen.
Laut Angaben von TankE fiel die Wahl auf dieses System, da es sowohl in technischer Hinsicht als auch im laufenden Betrieb überzeugte. Ein wesentlicher Vorteil für den Betreiber ist zudem die Möglichkeit, bestehende Ladesäulen ohne nennenswerte Ausfallzeiten nachzurüsten.
Ein bundesweites Phänomen
Die Problematik beschränkt sich nicht nur auf den Raum Köln. Auch andere große Betreiber melden steigende Fallzahlen. Der Energieversorger EnBW, der das größte Schnellladenetz in Deutschland betreibt, registrierte bis Oktober 2025 bereits über 900 Kabeldiebstähle. Auch der Anbieter EWE Go meldet Vorfälle im mittleren bis hohen zweistelligen Bereich. Da es bislang keine bundesweite statistische Erfassung gibt, ist von einer hohen Dunkelziffer auszugehen.
Vielfältige Lösungsansätze der Branche
Da der Vandalismus und Diebstahl an Ladesäulen zunimmt, experimentieren verschiedene Unternehmen mit unterschiedlichen Schutzstrategien. Während einige Betreiber auf eine verstärkte Videoüberwachung an kritischen Standorten setzen, verfolgen andere technische Ansätze:
* **GPS-Tracking:** Der britische Anbieter InstaVolt rüstet Kabel mit GPS-Sendern aus, um diese im Falle eines Diebstahls orten zu können.
* **Markierungssysteme:** Tesla integriert in seine Kabel eine nicht abwaschbare Farbe, die bei einer Beschädigung der Ummantelung austritt und sowohl das Diebesgut als auch den Täter markiert.
* **Materialwahl:** Einige Unternehmen prüfen den Austausch des kupferhaltigen Innenlebens gegen günstigere Alternativen wie Aluminium, um den Anreiz für Diebe zu minimieren.
Die Entwicklung zeigt, dass die Betreiber gezwungen sind, ihre Infrastruktur proaktiv abzusichern, um die Zuverlässigkeit der Elektromobilität im öffentlichen Raum langfristig zu gewährleisten.