News aus aller Welt
Start
Syrien und Israel führen erstmals direkte Gespräche
Politik · 24.08.2026 02:15

Syrien und Israel führen erstmals direkte Gespräche

Kurz: Erstmals seit Jahrzehnten haben Syrien und Israel direkte Gespräche geführt. Unter US-Vermittlung in Amman wurde über eine Deeskalation der Lage beraten.

Ein historischer Wendepunkt: Direkte Gespräche in Amman

In einer bemerkenswerten diplomatischen Entwicklung haben Syrien und Israel erstmals direkte Gespräche geführt, um die seit Wochen eskalierenden Spannungen abzubauen. Wie das syrische Außenministerium offiziell bestätigte, fand das Treffen in der jordanischen Hauptstadt Amman statt. Diese Zusammenkunft markiert eine Zäsur in den jahrzehntelangen, höchst feindseligen Beziehungen zwischen den beiden Nachbarstaaten. Die Gespräche wurden unter der Vermittlung der Vereinigten Staaten organisiert, die damit aktiv versuchen, eine weitere militärische Eskalation in der Region zu verhindern. Die syrische Regierung unterstrich, dass das Treffen primär dazu dienen solle, die instabile Sicherheitslage im Süden Syriens zu beruhigen und die Stabilität sowohl innerhalb des Landes als auch in der gesamten Region zu fördern. Diese diplomatische Initiative folgt auf eine Phase massiver militärischer Aktivitäten Israels auf syrischem Boden, die in den vergangenen Tagen eine neue Intensität erreicht hatten. Die internationale Gemeinschaft beobachtet diesen Schritt genau, da er das Potenzial hat, die festgefahrenen Fronten zwischen Damaskus und Tel Aviv in einer Zeit des politischen Umbruchs in Syrien neu zu definieren.

Die Akteure und der diplomatische Rahmen

Die Delegation der syrischen Seite wurde durch Außenminister Asaad al-Schaibani angeführt, was das hohe Gewicht unterstreicht, das Damaskus diesen Verhandlungen beimisst. Auf israelischer Seite waren laut Berichten des Nachrichtenportals „Axios“ sowie des israelischen Senders N12 hochrangige Sicherheitsvertreter anwesend, darunter der Chef des israelischen Auslandsgeheimdienstes Mossad, Roman Gofman. Die Rolle der USA als Vermittler wird durch den US-Sondergesandten für Syrien, Tom Barrack, verkörpert, der zugleich als US-Botschafter in der Türkei fungiert. Barrack hatte bereits im Vorfeld der Gespräche die israelischen Militäraktionen als unnötige Eskalation kritisiert und das amerikanische Engagement für eine diplomatische Lösung betont. Die Zusammenkunft in Amman fand unter strenger Geheimhaltung statt, wobei die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana erst nach Abschluss der ersten Gesprächsrunden eine offizielle Bestätigung veröffentlichte. Dass beide Seiten überhaupt an einem Tisch Platz nahmen, gilt als direktes Ergebnis des massiven diplomatischen Drucks, der nach den jüngsten Luftschlägen gegen syrische Militäreinrichtungen durch Washington ausgeübt wurde.

Hintergrund: Ein seit 1948 schwelender Konflikt

Der aktuelle Dialog findet vor dem Hintergrund eines offiziellen Kriegszustands statt, der bereits seit dem Jahr 1948 besteht. In all den Jahrzehnten gelang es nie, einen Friedensvertrag zu schließen, der die grundlegenden Differenzen dauerhaft hätte beilegen können. Ein zentraler und historisch tief verwurzelter Streitpunkt sind die Golanhöhen. Israel besetzte das Gebiet im Jahr 1967 und vollzog 1981 die Annexion, die jedoch international bis heute nicht anerkannt wird. Syrien beharrt unverändert auf seinem Standpunkt, dass es sich bei den Golanhöhen um syrisches Hoheitsgebiet handelt. Dennoch signalisierte das syrische Außenministerium eine gewisse pragmatische Zurückhaltung: Eine Diskussion über den endgültigen Status der Golanhöhen sei zum jetzigen Zeitpunkt noch verfrüht. Vielmehr liege die unmittelbare Priorität der syrischen Regierung auf dem Rückzug der israelischen Streitkräfte auf jene Positionen, die sie vor dem großen Machtwechsel in Syrien Ende 2024 innehatten. Diese historische Last bildet das schwierige Fundament, auf dem die aktuellen Verhandlungen in Amman nun aufbauen müssen.

Israels Militärstrategie nach dem Machtwechsel

Die israelische Armee hat ihre Einsätze in Syrien seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Baschar al-Assad Ende 2024 massiv ausgeweitet. Besonders im südlichen Teil Syriens sind israelische Truppen verstärkt präsent und haben sogar Bereiche innerhalb der von den Vereinten Nationen kontrollierten entmilitarisierten Pufferzone zwischen Syrien und den besetzten Golanhöhen betreten. Israel rechtfertigt diese militärische Präsenz und die wiederholten Luftschläge gegen Ziele in Syrien damit, dass man Waffenlager zerstören und das militärische Gerät feindlich gesinnter Extremisten ausschalten müsse. Diese Aktionen haben jedoch nicht nur in Damaskus für Empörung gesorgt, sondern auch die Spannungen mit der Türkei verschärft. Ein besonders kritischer Vorfall ereignete sich am vergangenen Dienstag, als ein israelischer Angriff auf einen Militärflugplatz im Nordwesten Syriens stattfand. Sowohl die syrische Führung als auch die Türkei verurteilten diesen Angriff scharf als eine Verletzung der Souveränität Syriens. Israel hatte behauptet, Syrien habe türkischen Truppen die Stationierung auf diesem Flugplatz nahe Aleppo erlaubt, was sowohl Ankara als auch Damaskus entschieden zurückwiesen.

Einordnung der aktuellen Lage

Einzuordnen ist das Treffen als ein Versuch, das Machtvakuum und die Instabilität nach dem Ende der Assad-Ära zu bewältigen. Den Berichten zufolge steht Syrien vor einem schwierigen Neuanfang. Während in Damaskus zwar wieder gebaut wird, bremsen hohe Preise, niedrige Löhne sowie eklatante Defizite in der medizinischen Versorgung und im Bildungswesen die wirtschaftliche Erholung. Die innenpolitische Lage ist fragil, was durch die juristische Aufarbeitung der Vergangenheit unterstrichen wird; so wurde etwa Wassim al-Assad, ein Cousin des gestürzten Machthabers, kürzlich zum Tode verurteilt. Die israelischen Angriffe, die oft als Sicherheitsmaßnahme deklariert werden, wirken in diesem ohnehin geschwächten Umfeld destabilisierend. Die Vermittlung der USA deutet darauf hin, dass Washington ein Interesse daran hat, Syrien nicht in ein komplettes Chaos abgleiten zu lassen, das anderen regionalen Akteuren oder extremistischen Gruppierungen in die Hände spielen könnte. Die diplomatische Annäherung ist somit auch als ein notwendiges Sicherheitsventil zu verstehen, um unkontrollierte militärische Zusammenstöße zu verhindern, die das Risiko einer regionalen Ausweitung des Konflikts bergen.

Offene Fragen und künftige Herausforderungen

Trotz der Aufnahme direkter Gespräche bleiben zahlreiche Fragen unbeantwortet. Es ist unklar, welche konkreten Zugeständnisse Israel bereit ist zu machen, insbesondere hinsichtlich des Rückzugs aus der UN-Pufferzone, den Damaskus als unmittelbare Priorität einfordert. Ebenso bleibt offen, wie die israelische Seite auf die Forderung nach einem Status quo vor dem Machtwechsel reagieren wird, da Israel seine Sicherheitsinteressen in Syrien als langfristig und nicht verhandelbar betrachtet. Eine weitere Lücke in der Berichterstattung betrifft die Rolle anderer regionaler Mächte, wie etwa den Iran oder Russland, deren Einfluss in Syrien über Jahre hinweg prägend war und deren Reaktion auf die US-vermittelte Annäherung zwischen Syrien und Israel bisher nicht explizit thematisiert wurde. Auch ist nicht geklärt, ob die Waffenruhe, die von der syrischen Übergangsregierung verkündet wurde, tatsächlich von allen beteiligten Milizen und Akteuren vor Ort respektiert wird. Die langfristige Stabilität Syriens hängt zudem von der wirtschaftlichen Entwicklung ab, für die das aktuelle Treffen in Amman zwar eine sicherheitspolitische Voraussetzung schaffen könnte, aber keine direkte Lösung für die humanitäre Krise bietet.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/kriegszerstorte-gebaudefassade-in-homs-syrien-36756018/ · Foto: mori dad
Quelle: https://www.zdfheute.de/politik/ausland/syrien-israel-delegation-treffen-konflikt-100.html