News aus aller Welt
Start
"Sunset & Sound" am 15. August: 23-Jähriger gründet in Wiesbaden Elektrofestival
Regional · 14.08.2026 11:19

"Sunset & Sound" am 15. August: 23-Jähriger gründet in Wiesbaden Elektrofestival

Kurz: Der 23-jährige David Dick bringt mit dem "Sunset & Sound" ein neues Elektrofestival in den Wiesbadener Kurpark. Ein riskantes Projekt mit internationalem Anspru

Ein neues Kapitel für die Wiesbadener Musikszene

Am 15. August 2026 findet in Wiesbaden eine Premiere statt, die das kulturelle Profil der hessischen Landeshauptstadt nachhaltig verändern könnte. Der erst 23-jährige David Dick hat es sich zur Aufgabe gemacht, ein Elektrofestival unter dem Namen "Sunset & Sound" ins Leben zu rufen. Die Veranstaltung findet in der historischen Kulisse des Wiesbadener Kurparks statt, direkt an der Konzertmuschel, einem Ort, der zwar für musikalische Darbietungen bekannt ist, bisher jedoch noch nie Schauplatz eines Open-Air-Festivals dieser Art war. Für die Premiere rechnet der Veranstalter mit bis zu 4.100 Besucherinnen und Besuchern, denen ein abwechslungsreiches Programm aus House, Minimal und UK-House geboten wird. David Dick, der in Wiesbaden aufgewachsen ist und dort auch sein Studium der Wirtschaftspsychologie absolvierte, verfolgt mit diesem Projekt ein klares Ziel: Er möchte seiner Heimatstadt, die in seinen Augen oft als "tote Stadt" missverstanden wird, neues Leben einhauchen. Sein Anspruch ist es, an die Zeiten anzuknüpfen, in denen internationale Weltstars wie Elton John oder Sting in Wiesbaden auftraten und Menschen von außerhalb in die Stadt lockten. Mit seinem Festival möchte er nicht nur ein musikalisches Ausrufezeichen setzen, sondern auch die lokale Wirtschaft – von der Gastronomie über die Hotellerie bis hin zum Einzelhandel – beleben und die Attraktivität Wiesbadens unterstreichen.

Hinter den Kulissen: Zahlen, Namen und die Logistik

Die Organisation eines Festivals dieser Größenordnung ist mit erheblichen finanziellen und logistischen Herausforderungen verbunden. Die Gesamtkosten für die Premiere belaufen sich auf knapp 320.000 Euro. Um diese Summe aufzubringen, war Dick auf externe Unterstützung angewiesen. Er konnte die Bürgschaftsbank Hessen sowie die Wiesbadener Volksbank von seinem Konzept überzeugen und erhielt eine Finanzierung in Höhe von 220.000 Euro. Den Restbetrag deckte er durch kleinere Sponsoren sowie eigenes Kapital ab. Der logistische Aufwand ist beträchtlich: Am Tag des Festivals sind insgesamt 111 Personen im Einsatz, um den reibungslosen Ablauf zu gewährleisten. Musikalisch setzt Dick auf eine Mischung aus regionalen und internationalen Künstlern. Neben den lokalen DJs Parox und Lenzinger treten internationale Größen wie Hannah Wants aus England, Rebuke aus Irland und Julia Sandstorm aus Schweden auf. Ein besonderes Highlight ist die irische Künstlerin Jazzy, die heute international mit Stars wie Calvin Harris zusammenarbeitet. Dick hatte das Glück, Jazzy bereits zu einem frühen Zeitpunkt ihrer Karriere für das Festival zu gewinnen, als sie noch als Geheimtipp galt, was ihm heute erhebliche Kosten erspart hat. Die Veranstaltung findet am 15. August zwischen 14 und 22 Uhr statt. Tickets kosten rund 65 Euro und sind sowohl online als auch an der Abendkasse verfügbar.

Ein langer Weg von der Idee zur Umsetzung

Die Entstehungsgeschichte des Festivals gleicht einer Odyssee. Alles begann im August 2025, als David Dick sein Konzept der Stadt Wiesbaden präsentierte. Der Erfolg kam überraschend schnell: Die Stadt stimmte dem Vorhaben zu, obwohl der junge Gründer zu diesem Zeitpunkt weder über ein festes Budget noch über konkrete Künstlerverträge oder einen detaillierten Plan verfügte. Dick beschreibt diesen Moment als eine Phase purer Euphorie, der jedoch schnell die harte Realität der Planung folgte. Ohne Kontakte in der Musikbranche musste er sich erst mühsam ein Netzwerk aufbauen. Über das Amsterdam Dance Festival (ADE) gelang es ihm schließlich, Kontakt zu internationalen Managern aufzunehmen, was den Grundstein für das heutige Line-up legte. Parallel dazu nutzte er soziale Medien, insbesondere Instagram, um Aufmerksamkeit für das Projekt zu generieren. Die größte Hürde blieb jedoch die Finanzierung. Dick musste während der Vorbereitungsphase hohe finanzielle Vorleistungen erbringen, während er gleichzeitig auf die Zusagen der Banken wartete. Diese Zeit war geprägt von Rückschlägen und Unsicherheiten, die den jungen Veranstalter an seine Grenzen brachten und ihn mit der Last der Verantwortung konfrontierten.

Die Akteure hinter dem Festival

Im Zentrum des Geschehens steht David Dick, der nicht nur als Veranstalter fungiert, sondern auch tief in der lokalen Gastronomieszene verwurzelt ist. Seine Eltern betreiben das Pub "Scotch 'n' Soda" in der Wiesbadener Goldgasse, wo Dick bereits während seines Studiums in Vollzeit mitarbeitete. Diese Erfahrung in der Gastronomie half ihm zwar bei der Personalverantwortung, doch die Dimensionen eines Festivals stellten ihn vor völlig neue Herausforderungen. Neben Dick spielen die Geldgeber – die Bürgschaftsbank Hessen und die Wiesbadener Volksbank – eine entscheidende Rolle, da sie das finanzielle Risiko erst ermöglichten. Auch die Stadt Wiesbaden ist als Partner involviert, indem sie den Kurpark als Veranstaltungsort zur Verfügung stellt. Die Künstler selbst bilden das Herzstück des Events, wobei Dick bei der Auswahl ein glückliches Händchen bewies, indem er Talente wie Jazzy frühzeitig verpflichtete. Die Koordination der 111 Mitarbeiter am Veranstaltungstag erfordert zudem ein hohes Maß an Vertrauen, da der Gründer eingestehen musste, dass man in einer solchen Größenordnung nicht mehr jeden Aspekt selbst kontrollieren kann.

Einordnung der Ambitionen

Einzuordnen ist das Projekt als mutiges Unterfangen eines jungen Unternehmers, der versucht, eine Nische in der Wiesbadener Kulturszene zu besetzen. Den Berichten zufolge ist das finanzielle Risiko für Dick sehr hoch, da er für die Premiere nach eigenen Angaben sogar eigenes Kapital zuschießen muss. Die Wahl des Kurparks, insbesondere die Kombination aus der historischen Konzertmuschel und moderner elektronischer Musik, ist laut Dick eine bewusste Entscheidung, um Kontraste zu schaffen und den Standort als Urlaubs- und Sommerort zu inszenieren. Dass er das Kurhaus als eines der schönsten Gebäude Deutschlands bezeichnet, unterstreicht seine emotionale Bindung an den Veranstaltungsort. Dass das Festival trotz der hohen Kosten und der organisatorischen Hürden kurz vor der Premiere fast ausverkauft ist – lediglich 12 Prozent der Tickets waren kurz vor dem Termin noch verfügbar –, deutet darauf hin, dass die Nachfrage nach einem solchen Format in Wiesbaden vorhanden ist. Es bleibt jedoch abzuwarten, ob das Konzept langfristig wirtschaftlich tragfähig ist, da die aktuelle Veranstaltung laut Dick eher als Investition in die Zukunft zu verstehen ist.

Offene Fragen und Lücken im Bericht

Obwohl der Quelltext viele Details zur Entstehung und Organisation liefert, bleiben einige Fragen offen. So wird nicht explizit erläutert, welche spezifischen Sicherheitsvorkehrungen für die 4.100 Besucher im Kurpark getroffen wurden oder wie das Lärmschutzkonzept für die Anwohner in der direkten Umgebung aussieht. Auch über die genauen Vertragsbedingungen mit der Stadt Wiesbaden, etwa bezüglich der Miete für den Kurpark oder der Auflagen für die Nutzung der historischen Stätte, gibt der Text keine Auskunft. Zudem bleibt unklar, wie die genaue Aufteilung der 111 Mitarbeiter auf die verschiedenen Aufgabenbereiche wie Sicherheit, Technik, Gastronomie und Einlass aussieht. Auch die Frage, welche konkreten Sponsoren neben den Banken das Projekt unterstützen, wird nicht im Detail beantwortet. Die langfristige Planung, zweimal pro Jahr ein solches Festival auszurichten, wird zwar erwähnt, aber es gibt keine Informationen darüber, ob bereits konkrete Termine oder Zusagen für das Folgejahr existieren oder ob dies lediglich eine Vision des Gründers bleibt.

Der Blick in die Zukunft

Für David Dick ist das "Sunset & Sound" am 15. August erst der Anfang. Sein erklärtes Ziel ist es, das Festival langfristig als feste Größe in Wiesbaden zu etablieren und die Veranstaltung künftig zweimal pro Jahr durchzuführen. Während er für die Premiere noch finanziell draufzahlt, soll sich das Projekt in den kommenden Jahren wirtschaftlich selbst tragen. Die hohe Auslastung der Tickets kurz vor dem Start stimmt den Veranstalter optimistisch. Die unmittelbare Zukunft liegt nun in der erfolgreichen Durchführung der Premiere, bei der sich zeigen wird, ob die logistische Planung und das Sicherheitskonzept den Erwartungen standhalten. Sollte das Festival ein Erfolg werden, könnte dies die Position von David Dick als Veranstalter in der Region festigen und den Weg für weitere kulturelle Projekte ebnen. Die Abendkasse wird am Veranstaltungstag geöffnet sein, um den restlichen Ticketbestand abzuverkaufen, was den letzten offiziellen Schritt vor der Umsetzung der Vision darstellt.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/meer-strand-sand-manner-18594572/ · Foto: Anastasiya Badun
Quelle: https://www.tagesschau.de/inland/regional/hessen/hr-sunset--sound-am-15-august-23-jaehriger-gruendet-in-wiesbaden-elektrofestival-100.html