Ein Jubiläum im Zeichen der Monarchie
In der Hauptstadt Bandar Seri Begawan herrscht festliche Stimmung: Mit einer prunkvollen Militärparade begeht Sultan Hassanal Bolkiah seinen 80. Geburtstag. Entlang der Straßen säumen Schulkinder den Weg, während der Monarch in einem seiner zahlreichen Oldtimer an den Feierlichkeiten teilnimmt. Das Ereignis unterstreicht die Sonderstellung des Herrschers, der seit dem Tod von Queen Elizabeth als der am längsten amtierende Monarch weltweit gilt.
Ein Leben zwischen Luxus und Tradition
Der Sultan von Brunei, der bereits im Alter von 21 Jahren gekrönt wurde, ist für seinen außergewöhnlichen Lebensstil bekannt. Sein Vermögen wird auf etwa 25 Milliarden Euro geschätzt, was ihm unter anderem eine der weltweit größten Sammlungen an Luxusautos ermöglicht hat – darunter hunderte Rolls-Royce und Ferraris. Sein Palast, der als der größte der Welt gilt, umfasst über 1.700 Zimmer und verfügt sogar über eine eigene Rennstrecke.
Die Biografie des Sultans ist eng mit der Geschichte Bruneis verknüpft. Er ist mit Königin Saleha verheiratet, aus drei Ehen gingen insgesamt zwölf Kinder hervor. Während er früher als reichster Mann der Welt gelistet wurde, haben ihn mittlerweile Tech-Milliardäre in dieser Rangliste überholt.
Absolute Macht in einem kleinen Staat
Brunei, flächenmäßig kleiner als das deutsche Bundesland Schleswig-Holstein, ist eine absolute Monarchie. Der Sultan vereint dabei fast alle zentralen Staatsämter in seiner Person: Er fungiert als Premierminister, Finanz- und Verteidigungsminister, Oberbefehlshaber der Streitkräfte sowie als oberster Hüter des Islam. Politische Wahlen gibt es in dem Land nicht; das Parlament besitzt lediglich eine beratende Funktion und tritt nur einmal jährlich zusammen.
Experten wie der Anthropologe Dominik Müller betonen, dass die Machtausübung des Sultans weniger durch offene Gewalt als durch ein subtiles System der Machterhaltung geprägt ist. Gesetze werden per Dekret erlassen, wobei der Sultan als unangefochtene Autorität agiert.
Gesellschaftliche Spannungen und der "Wohlfühlstaat"
Die innenpolitische Situation ist ambivalent. Einerseits genießt der Sultan in der Bevölkerung eine hohe Popularität. Dies liegt vor allem am umfangreichen Sozialsystem, das durch die Einnahmen aus dem Export von Öl und Flüssigerdgas finanziert wird. Bildung ist kostenlos, medizinische Versorgung wird stark subventioniert, und es werden weder Einkommens- noch Mehrwertsteuern erhoben. Dieser "Wohlfühlstaat" sorgt laut Beobachtern für eine hohe Stabilität, die jegliche organisierte Rebellion im Keim erstickt.
Andererseits steht das Land international regelmäßig in der Kritik. Besonders die Verschärfung der Scharia-Gesetze im Jahr 2014 sorgte weltweit für Empörung. Die Gesetzgebung sieht unter anderem drastische Strafen für Ehebruch oder Diebstahl vor. Auch für die LGBTQI+-Community hat sich die Lage durch die rechtliche Situation verschlechtert. Zwar existiert ein Moratorium für die Todesstrafe, das seit 1957 angewendet wird, doch die bloße Existenz dieser Gesetze bleibt ein kontroverser Punkt.
Ein Blick in die Zukunft
Trotz der Einschränkungen der politischen Freiheit bleibt die Stimmung im Land ruhig. Die Bevölkerung profitiert von der wirtschaftlichen Sicherheit, die der Sultan durch die Rohstoffvorkommen garantiert. Der Monarch selbst zeigt sich nahbar: Im Rahmen seiner Geburtstagsfeierlichkeiten reist er durch das Land, um den direkten Austausch mit den Bürgern zu suchen. Ob sich das politische System langfristig weiter öffnen wird, bleibt abzuwarten, doch derzeit festigt der Sultan seine Rolle als zentrale Integrationsfigur eines stabilen, aber autoritär geführten Staates.