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Studie zeigt: Multitasking ist möglich – wenn dein Gehirn diese Umleitung nutzt
Technik · 28.07.2026 13:00

Studie zeigt: Multitasking ist möglich – wenn dein Gehirn diese Umleitung nutzt

Kurz: Eine neue Studie zeigt: Multitasking ist möglich, erfordert aber ein intensives Training, das das Gehirn physisch umbaut und Kapazitäten im Denkzentrum freigibt

Das Ende des kognitiven Staus

In der heutigen Arbeitswelt gilt Multitasking gemeinhin als Produktivitätskiller. Wer versucht, mehrere anspruchsvolle Aufgaben gleichzeitig zu bewältigen, verliert meist den Fokus und riskiert eine höhere Fehlerquote. Die gängige Lehrmeinung stützt sich dabei auf den sogenannten „frontalen Flaschenhals“ im präfrontalen Kortex. Dieses Areal ist zwar für komplexe Gedankengänge zuständig, kann jedoch nach aktuellem Verständnis nur eine einzige komplexe Aufgabe zur gleichen Zeit verarbeiten. Versucht man, dieses Limit zu überschreiten, entsteht ein kognitiver Stau, der die Leistung mindert.

Neuronale Umleitung durch intensives Training

Ein Forschungsteam der Georgetown University in Washington hat nun jedoch Erkenntnisse gewonnen, die dieses Paradigma infrage stellen. In einer im Fachmagazin *Journal of Cognitive Neuroscience* veröffentlichten Studie untersuchten die Wissenschaftler:innen die neuronalen Grundlagen des Lernens. Über einen Zeitraum von fünf bis zehn Wochen absolvierten elf Proband:innen mehr als 30.000 Kategorisierungsaufgaben, bei denen sie computergenerierte Autobilder in Gruppen sortieren mussten.

Durch den Einsatz von hochauflösender funktioneller Magnetresonanztomografie (MRT) und Elektroenzephalografie (EEG) konnten die Forschenden die Gehirnaktivität vor und nach diesem intensiven Trainingsblock präzise erfassen. Das Ergebnis war eine radikale Veränderung der Hirnstruktur: Die Verarbeitung der gelernten Aufgabe wanderte aus dem präfrontalen Kortex in den ventralen okzipitotemporalen Kortex. Normalerweise ist dieser Bereich für die Verarbeitung visueller Objekte und Erinnerungen zuständig und fungiert wie ein automatisches Archiv. Durch die exzessive Wiederholung baute das Gehirn eine „neuronale Überholspur“, die das bewusste Denkzentrum entlastet.

Messbares Dual-Tasking

Durch diese räumliche Verschiebung wurden Kapazitäten im präfrontalen Kortex frei, die für andere anspruchsvolle Prozesse genutzt werden konnten. In abschließenden Tests waren die Proband:innen in der Lage, die Kategorisierungsaufgabe korrekt auszuführen und gleichzeitig eine zweite Herausforderung fehlerfrei zu bewältigen. Der Neurowissenschaftler Maximilian Riesenhuber ordnet dies als Beweis dafür ein, dass Multitasking durch eine messbare Umgestaltung der Gehirnarchitektur erlernbar ist.

Einordnung: Theorie versus Praxis

Obwohl die Ergebnisse faszinierend sind, mahnen Experten zur Vorsicht bei der Interpretation. Die methodische Basis der Studie ist mit elf Versuchspersonen sehr schmal. Zudem ist die Übertragbarkeit auf den Büroalltag begrenzt: Die hochspezifische Laboraufgabe lässt sich kaum mit der Komplexität moderner Arbeitsprozesse vergleichen. Der praktische Nutzen für den Berufsalltag wird aktuell als gering eingeschätzt.

Dennoch liefert die Studie eine wissenschaftliche Erklärung für Phänomene, die wir aus dem Alltag kennen. Das Autofahren dient hierbei als anschauliches Beispiel: Während Fahranfänger ihre gesamte Aufmerksamkeit für die Bedienung des Fahrzeugs benötigen, führen erfahrene Fahrer nach Jahren der Praxis routinierte Handlungen nahezu automatisch aus. Das Gehirn hat die Anforderungen in den okzipitotemporalen Regionen verankert, wodurch Kapazitäten für parallele Tätigkeiten, wie etwa ein Gespräch, frei werden. Echte Parallelverarbeitung ist demnach möglich, erfordert jedoch eine langjährige Spezialisierung.

Ausblick für die Forschung

Die nachgewiesene Plastizität des Gehirns könnte langfristig über die Neurowissenschaften hinaus von Bedeutung sein. Sollten KI-Entwickler diese biologischen Prinzipien der neuronalen Umleitung auf künstliche neuronale Netze übertragen können, könnten diese in Zukunft deutlich effizienter arbeiten. Die Forschung steht hierbei jedoch noch am Anfang, um zu klären, wie sich solche biologischen Mechanismen in technologische Architekturen übersetzen lassen.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/foto-der-person-vor-laptop-3228682/ · Foto: Engin Akyurt
Quelle: https://t3n.de/news/studie-gehirn-multitasking-moeglich-1755266/?utm_source=rss&utm_medium=newsFeed&utm_campaign=newsFeed