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Straßenfest "Hey Hillbrow! Let’s Dlala!" belebt ein Problemviertel
Schlagzeilen · 09.08.2026 17:46

Straßenfest "Hey Hillbrow! Let’s Dlala!" belebt ein Problemviertel

Kurz: Das Straßenfest 'Hey Hillbrow! Let’s Dlala!' verwandelt das als gefährlich geltende Viertel in Johannesburg einmal jährlich in eine Bühne für Kunst und Hoffnung

Ein Viertel im Wandel der Wahrnehmung

Hillbrow, ein zentraler Stadtteil von Johannesburg, ist in der öffentlichen Wahrnehmung fest mit Begriffen wie Kriminalität, Verfall und Armut verknüpft. Auf engem Raum leben hier etwa 100.000 Menschen in einer Umgebung, die von verwahrlosten Hochhäusern und einer belasteten Sicherheitslage geprägt ist. Doch abseits der Schlagzeilen über Gewalt und Korruption existiert eine andere Realität. Einmal im Jahr wird das Viertel zur Bühne für ein besonderes Ereignis: Das Straßenfest "Hey Hillbrow! Let’s Dlala!".

Spielerische Rückeroberung des öffentlichen Raums

Die Initiative, deren Name aus dem Zulu übersetzt so viel wie "Lasst uns spielen!" bedeutet, wurde 2016 vom Windybrow Arts Centre gemeinsam mit lokalen Partnern ins Leben gerufen. Ziel ist es, Kindern und Jugendlichen einen spielerischen Zugang zu ihrem Wohnumfeld zu ermöglichen. In einem zweiwöchigen Ferienprogramm entwickeln die jungen Teilnehmer Kostüme, Tänze und Lieder, die sie anschließend im Rahmen einer großen Parade auf den Straßen präsentieren.

Gerard Bester, Leiter des Kunstzentrums, betont den therapeutischen Charakter des Projekts. Nach Phasen der Angst und Einschüchterung, die das Viertel regelmäßig prägen, soll das Fest "spielerische Leichtigkeit" in die Straßenschluchten bringen. Die diesjährige Ausgabe steht unter dem Motto "Arise" (sich erheben) und nutzt das Symbol des Vogels, um Themen wie Migration, Widerstand und den Mut zur Freiheit zu verarbeiten.

Kontext: Zwischen fremdenfeindlichen Spannungen und kultureller Kraft

Die Bedeutung der Veranstaltung lässt sich nur vor dem Hintergrund der aktuellen gesellschaftlichen Lage in Südafrika verstehen. Hillbrow ist ein multikultureller Schmelztiegel, in dem Menschen aus verschiedenen afrikanischen Staaten zusammenkommen. Erst kürzlich war das Viertel Schauplatz eskalierender fremdenfeindlicher Proteste, die das gesamte Land erschütterten und das Kunstzentrum zeitweise zur Schließung zwangen.

In diesem angespannten Klima fungiert das Festival als ein notwendiges Ventil. Es bietet einen Moment der Ablenkung und fördert das Gemeinschaftsgefühl. Für die Beteiligten ist es eine Möglichkeit, den öffentlichen Raum – der sonst oft von Unsicherheit dominiert wird – kurzzeitig als einen Ort der Schönheit und Kreativität neu zu definieren.

Historische Bezüge und gesellschaftliche Wirkung

Die diesjährige Parade knüpft zudem an bedeutende historische Ereignisse an. Sie erinnert an den Jugendaufstand von Soweto vor 50 Jahren sowie an den 70. Jahrestag des Frauenmarsches gegen die Apartheid-Passgesetze. Diese Einbettung in die südafrikanische Geschichte unterstreicht den Anspruch, dass Hillbrow nicht nur ein Ort der Probleme, sondern auch ein Ort des Widerstands und der kulturellen Identität ist.

Besucher, sowohl aus dem Viertel als auch von außerhalb, erleben durch die bunten Kostüme und die lebendige Atmosphäre eine Transformation des Stadtbildes. Für Kinder wie den Anwohner Lucas, der Kostüme bisher nur aus dem Fernsehen kannte, wird die Parade zu einem greifbaren Erlebnis, das die Realität des Alltags kurzzeitig überlagert.

Die Zukunft der Initiative

Obwohl die strukturellen Herausforderungen in Hillbrow – von der Armut bis zur prekären Sicherheitslage – bestehen bleiben, zeigt das Projekt die Kraft lokaler Initiativen. Die Veranstaltung macht sichtbar, dass hinter der Fassade des "Problemviertels" eine lebendige Gemeinschaft existiert. Die nächsten Schritte für die Organisatoren liegen darin, diesen kreativen Freiraum trotz der schwierigen politischen und sozialen Rahmenbedingungen dauerhaft zu bewahren und den Kindern weiterhin eine Plattform für ihre Ausdrucksformen zu bieten. Das Festival bleibt somit ein wichtiges Zeichen dafür, dass selbst unter widrigen Umständen Raum für Farbe, Freude und ein friedliches Miteinander geschaffen werden kann.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/stadt-gebaude-geschafte-laden-11621197/ · Foto: Jimmy Liao
Quelle: https://www.tagesschau.de/ausland/afrika/hillbrow-johannesburg-strassenfest-100.html