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Regional · 29.09.2026 11:15

Stadt Kassel veröffentlicht Hitzeaktionsplan

Kurz: Die Stadt Kassel hat einen umfassenden Hitzeaktionsplan vorgestellt, um Bürger vor den gesundheitlichen Folgen zunehmender Hitzewellen zu schützen.

Ein neuer Schutzschild gegen die Hitze: Kassel reagiert auf den Klimawandel

Die Stadt Kassel hat auf die zunehmende Erwärmung reagiert und einen offiziellen Hitzeaktionsplan (HAP) veröffentlicht. Angesichts der Tatsache, dass die vergangenen Sommer in der Region Kassel immer wärmer wurden und die Folgen des globalen Klimawandels auch das städtische Leben vor neue Herausforderungen stellen, hat die Verwaltung ein umfassendes Konzept erarbeitet. Bürgermeisterin Nicole Maisch betonte bei der Vorstellung des Plans, dass Hitzeereignisse eine wachsende Belastung für den Gesundheitsschutz darstellen. In Deutschland sei eine deutliche Zunahme in der Häufigkeit und Dauer von Hitzewellen zu verzeichnen, eine Entwicklung, von der auch Kassel direkt betroffen ist. Der neue Plan verfolgt das Ziel, die Bürgerinnen und Bürger vor den gesundheitlichen Risiken zu schützen, die mit extremen Temperaturen einhergehen. Dabei wird der Hitzeschutz als eine zentrale kommunale Querschnittsaufgabe verankert, die nicht nur in einem Amt, sondern in der gesamten Stadtverwaltung und darüber hinaus gedacht werden muss. Mit diesem Schritt stellt sich Kassel systematisch auf künftige Sommer ein, die nach wissenschaftlichen Prognosen häufiger, länger und intensiver von Hitze geprägt sein werden.

Die Faktenlage: Ein Blick auf die klimatische Entwicklung in Kassel

Die Grundlage für den Hitzeaktionsplan bilden wissenschaftliche Daten, die den Anstieg der sommerlichen Maximaltemperaturen seit Ende der 1970er Jahre belegen. Laut Daten des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) zeigt sich ein klarer Trend: Die Anzahl der sogenannten heißen Tage, an denen das Thermometer die 30-Grad-Marke überschreitet, nimmt stetig zu. Ebenso steigen die Zahlen der Tropennächte, in denen die Temperaturen nicht unter 20 Grad fallen. Modellrechnungen des Helmholtz-Zentrums hereon zeichnen ein deutliches Bild für die Zukunft: Während in den letzten 30 Jahren im Durchschnitt knapp sieben heiße Tage pro Jahr verzeichnet wurden, könnte diese Zahl bis zum Ende des Jahrhunderts auf etwa 30 Tage ansteigen. Auch bei den Tropennächten wird eine Zunahme auf knapp zwölf Nächte pro Jahr prognostiziert. Diese klimatischen Veränderungen sind der Ausgangspunkt für die Notwendigkeit des HAP, da sie zeigen, dass die bisherigen Erfahrungswerte nicht mehr ausreichen, um die Bevölkerung angemessen auf die kommenden Jahrzehnte vorzubereiten.

Der Weg zum Hitzeaktionsplan: Historie und politischer Auftrag

Die Entstehung des Hitzeaktionsplans ist kein Zufallsprodukt, sondern das Ergebnis eines strukturierten politischen Prozesses. Alles begann mit einem Beschluss der Stadtverordnetenversammlung am 27. März 2023. In diesem Beschluss wurde der Magistrat der Stadt Kassel offiziell damit beauftragt, einen kommunalen Hitzeaktionsplan zu entwickeln. Die Vorgabe orientierte sich dabei an den bundesweiten Empfehlungen, die für Städte und Gemeinden als Leitfaden dienen. Ziel war es, ein konkretes Handlungskonzept zu erstellen, das die acht zentralen Handlungsfelder abdeckt, die vom Land Hessen für solche Pläne empfohlen werden. Seit dem Beschluss im Frühjahr 2023 wurde intensiv an der Ausarbeitung gearbeitet, wobei im Sommer 2025 eine interdisziplinäre Projektgruppe ins Leben gerufen wurde. Diese Gruppe hatte die Aufgabe, die politischen Vorgaben in die Praxis umzusetzen und sicherzustellen, dass der Plan sowohl die kurzfristige Vorbereitung auf den Sommer als auch die langfristige Anpassung der städtischen Strukturen an die klimatischen Gegebenheiten berücksichtigt.

Die Akteure hinter dem Konzept: Interdisziplinäre Zusammenarbeit

Die Erarbeitung des Hitzeaktionsplans erforderte ein hohes Maß an Kooperation zwischen verschiedenen städtischen Behörden. Das Gesundheitsamt Region Kassel übernahm dabei die Rolle des koordinierenden Amtes. Unter der Leitung von Dr. Britta Röper, der Leiterin des Gesundheitsamtes, wurde ein Konzept entwickelt, das besonders auf die Bedürfnisse vulnerabler Gruppen ausgerichtet ist. Neben dem Gesundheitsamt waren das Sozialamt sowie das Umwelt- und Gartenamt maßgeblich an der Erstellung beteiligt. Natalie Steeb, die als Koordinatorin des Hitzeaktionsplans im Gesundheitsamt fungiert, betonte, dass viele Maßnahmen bereits vor der offiziellen Veröffentlichung angestoßen wurden. In interdisziplinären Workshops wurden zudem weitere Fachämter einbezogen, um sicherzustellen, dass alle relevanten Perspektiven abgedeckt sind. Bürgermeisterin Nicole Maisch und Dr. Britta Röper sind sich einig, dass effektiver Hitzeschutz nur dann gelingen kann, wenn Zuständigkeiten und Maßnahmen über die Grenzen einzelner Fachbereiche hinweg verknüpft werden, um eine ganzheitliche Strategie für die Stadtgesellschaft zu gewährleisten.

Einordnung der Maßnahmen: Schutz für vulnerable Gruppen

Ein zentraler Aspekt des Hitzeaktionsplans ist der Schutz derjenigen, die unter Hitze besonders leiden. Dr. Britta Röper hebt hervor, dass hohe Temperaturen den menschlichen Körper stark belasten und bestehende chronische Erkrankungen massiv verschlimmern können. Zu den besonders gefährdeten Gruppen zählen ältere Menschen, kleine Kinder, pflegebedürftige Personen sowie sozial benachteiligte Bürgerinnen und Bürger. Der HAP reagiert auf diese gesundheitliche Vulnerabilität, indem er ein gesundheitsorientiertes Handlungskonzept schafft. Einzuordnen ist das so: Der Plan ist nicht nur eine Sammlung von technischen Bauvorgaben, sondern ein soziales Instrument. Durch spezifische Angebote, wie etwa eine verbesserte Risikokommunikation, soll sichergestellt werden, dass die Informationen auch bei denjenigen ankommen, die sie am dringendsten benötigen. Der Fokus liegt hierbei nicht nur auf der akuten Warnung, sondern auch auf einer langfristigen Vorsorge, die soziale Aspekte und gesundheitliche Prävention miteinander verbindet, um die Resilienz der Stadt Kassel gegenüber der Hitze zu erhöhen.

Die acht Handlungsfelder: Struktur und Strategie

Der Hitzeaktionsplan für Kassel gliedert sich in acht zentrale Handlungsfelder, die den Empfehlungen des Landes Hessen entsprechen. Diese Struktur stellt sicher, dass alle relevanten Bereiche abgedeckt sind. Erstens umfasst der Plan die zentrale Koordinierung und interdisziplinäre Zusammenarbeit, um die verschiedenen Ämter effizient zu vernetzen. Zweitens wird die Nutzung von Hitzewarnsystemen fokussiert, um rechtzeitig auf Gefahren reagieren zu können. Drittens steht die Information und Kommunikation im Mittelpunkt, um die Bevölkerung aufzuklären. Viertens geht es um die Reduzierung von Hitze in Innenräumen. Fünftens wird der Schutz besonders gefährdeter Bevölkerungsgruppen priorisiert. Sechstens befasst sich der Plan mit der Vorbereitung der Gesundheits- und Sozialsysteme auf Hitzewellen. Siebtens spielt die langfristige Stadtplanung und das Bauwesen eine Rolle, um die Stadt kühler zu gestalten. Achtens ist ein Monitoring und die Evaluation der Maßnahmen vorgesehen, um den Erfolg der Strategien zu messen und den Plan bei Bedarf fortzuschreiben.

Offene Fragen: Was der Plan noch nicht beantwortet

Obwohl der Hitzeaktionsplan eine detaillierte Roadmap für die kommenden Jahre darstellt, bleiben einige Aspekte im Quelltext unbeantwortet. So wird beispielsweise nicht konkretisiert, welche finanziellen Mittel für die Umsetzung der mittel- und langfristigen Maßnahmen, wie etwa die schrittweise Einrichtung temperierter Rückzugsräume an Schulen oder die baulichen Verschattungselemente, zur Verfügung stehen. Auch bleibt offen, wie genau die "schwer erreichbaren" hitzevulnerablen Gruppen in der Praxis identifiziert und direkt erreicht werden sollen, über die bereits genannten Informationsmaterialien hinaus. Zudem gibt es keine konkrete Auskunft darüber, wie die geplante Plattform für stadtteilbezogene Verhaltens- und Lüftungsempfehlungen technisch umgesetzt wird und ab wann diese für die Bürgerinnen und Bürger tatsächlich nutzbar sein wird. Die genaue zeitliche Taktung der einzelnen Sanierungsschritte an Schulen und Kitas ist ebenfalls nicht im Detail aufgeführt, was Raum für weitere Konkretisierungen in der Zukunft lässt.

Ausblick: Wie es in Kassel weitergeht

Die Stadt Kassel betrachtet den Hitzeaktionsplan als ein dynamisches Instrument, das sich stetig weiterentwickeln wird. Für die kommenden Sommersaisons ist eine dauerhafte Arbeitsgruppe innerhalb der Stadtverwaltung vorgesehen, die das Hitze-Management koordiniert. Bereits jetzt arbeiten verschiedene Abteilungen an der Entwicklung einer Plattform, die lokale Daten visualisieren und stadtteilbezogene Empfehlungen geben soll. Zudem sind kühle Aufenthaltsorte mit Sitzgelegenheiten und Wasserelementen im öffentlichen Raum geplant, um die Lebensqualität bei Hitze zu verbessern. Für Bildungseinrichtungen werden Toolboxen erarbeitet, die Lehrkräfte und Erzieher bei der Vorbereitung auf heiße Tage unterstützen sollen. Langfristig stehen die schrittweise Einrichtung temperierter Räume in Schulen sowie die bauliche Anpassung von Neubauvorhaben an den Klimawandel auf der Agenda. Eine regelmäßige Evaluation und Fortschreibung des Plans soll sicherstellen, dass die gewonnenen Erfahrungen aus den kommenden Hitzeperioden direkt in die weitere Arbeit einfließen und die gesundheitliche Resilienz der Stadt Kassel kontinuierlich gestärkt wird.

Quelle: https://www.kassel.de/pressemitteilungen/september/hitzaktionsplan.php