Ein neuer Akteur auf dem Spielfeld: Take-Two gründet Small Axe Studios
Der US-amerikanische Spielepublisher Take-Two Interactive hat offiziell die Gründung eines neuen AAA-Entwicklerstudios bekannt gegeben. Unter dem Namen Small Axe Studios soll in Vancouver ein Team aufgebaut werden, das sich explizit auf die Entwicklung einer neuen, großen Sportspielmarke fokussiert. Die Ankündigung, die am 14. August 2026 erfolgte, markiert einen strategisch bedeutenden Schritt für das Unternehmen, das bereits durch seine Tochtergesellschaft 2K Games im Sportsegment stark vertreten ist. Während das Unternehmen in seiner offiziellen Mitteilung auf der Plattform LinkedIn bewusst vage blieb, was die genaue Sportart angeht, sind die Indizien für Branchenbeobachter dennoch erdrückend. Die Gründung eines dedizierten Studios in einem der weltweit wichtigsten Hubs für Spieleentwicklung unterstreicht die Ambitionen von Take-Two, ein Produkt zu schaffen, das technologisch und inhaltlich mit den etablierten Größen des Marktes konkurrieren kann. Das Ziel scheint klar definiert: Die Etablierung eines neuen Schwergewichts im Bereich der digitalen Sportsimulationen, das langfristig den Marktanteil des Publishers signifikant ausbauen soll.
Die Details hinter der Neugründung: Personal und visuelle Hinweise
Die personelle Besetzung der Führungsebene bei den Small Axe Studios liefert die wohl deutlichsten Hinweise auf die geplante Ausrichtung des Projekts. Als Studioleiter wurde Aaron McHardy berufen, eine Persönlichkeit, die in der Branche kein unbeschriebenes Blatt ist. McHardy verbrachte viele Jahre bei Electronic Arts und war maßgeblich an der Entwicklung der bekannten Fifa-Reihe beteiligt. Seine Expertise in der Simulation des Fußballsports ist unbestritten und macht ihn zur logischen Wahl für ein Projekt, das in genau diesem Genre Fuß fassen will. Neben ihm wurden weitere leitende Mitarbeiter verpflichtet, die ebenfalls über umfangreiche Erfahrungen aus früheren Fifa- und EA-Sports-Projekten verfügen. Diese gezielte Abwerbung von Branchenexperten, die genau wissen, wie eine Fußballsimulation aufgebaut sein muss, ist ein starkes Signal an die Konkurrenz. Ergänzt werden diese personellen Indizien durch visuelle Hinweise: In dem offiziellen Bildmaterial, das zur Ankündigung der Small Axe Studios veröffentlicht wurde, ist ein stilisiertes Fußballwappen zu sehen. Für viele Beobachter ist dies mehr als nur ein grafisches Element; es wird als bewusster Hinweis auf die inhaltliche Ausrichtung des Studios interpretiert.
Der Weg zum Fußball: Eine Vorgeschichte der Verhandlungen
Die Gründung der Small Axe Studios findet nicht in einem luftleeren Raum statt, sondern fügt sich in eine Reihe von Berichten über die strategische Neuausrichtung von Take-Two ein. Bereits seit längerer Zeit kursieren Gerüchte über mögliche Gespräche zwischen der Take-Two-Tochter 2K Games und dem Fußball-Weltverband Fifa. Noch im Juni 2026 hieß es aus informierten Kreisen, dass die Verhandlungen über eine langfristige Lizenzpartnerschaft bereits weit fortgeschritten seien. Im Zentrum dieser angeblichen Gespräche standen komplexe Themen wie die Vertragslaufzeiten, die Implementierung spezifischer Spielmodi sowie die exklusive Nutzung der offiziellen Fifa-Rechte. Obwohl diese Gespräche von keiner der beiden Seiten jemals offiziell bestätigt wurden, verleiht die Gründung eines neuen Studios in Vancouver diesen Berichten eine neue Glaubwürdigkeit. Es scheint, als habe Take-Two die Vorbereitungen getroffen, um im Falle eines erfolgreichen Abschlusses der Verhandlungen sofort mit der Entwicklung beginnen zu können. Die Kombination aus den Lizenzgerüchten und der gezielten Personalrekrutierung ergibt ein stimmiges Bild einer langfristigen Unternehmensstrategie.
Die Akteure: 2K Games und der Weltverband Fifa
Im Zentrum dieser Entwicklung steht die Take-Two-Tochter 2K Games. Das Studio ist bereits für seine erfolgreiche Basketballreihe NBA 2K bekannt, die für ihren hohen Realismus geschätzt wird, jedoch auch regelmäßig in der Kritik steht, da sie Mikrotransaktionen und Pay-to-win-Elemente in ihre Spielmechanik integriert. Diese Erfahrung im Bereich der Sportspiele ist ein zweischneidiges Schwert: Einerseits bietet sie das notwendige Know-how für die technische Umsetzung einer komplexen Fußballsimulation, andererseits weckt sie bei Spielern Bedenken hinsichtlich der Monetarisierung des potenziellen neuen Titels. Auf der anderen Seite steht der Fußball-Weltverband Fifa. Nach dem Ende der jahrzehntelangen Partnerschaft mit Electronic Arts, die in der Umbenennung der bekannten Reihe in EA Sports FC gipfelte, hat der Weltverband mehrfach öffentlich betont, weiterhin im Videospielmarkt präsent bleiben zu wollen. Eine Kooperation mit einem Schwergewicht wie Take-Two wäre für die Fifa die logische Konsequenz, um die eigene Marke wieder in die Wohnzimmer der Spieler zu bringen und die Marktdominanz von Electronic Arts herauszufordern.
Einordnung der Marktsituation: Angriff auf EA Sports FC
Einzuordnen ist das Vorhaben von Take-Two als direkter Angriff auf die Vormachtstellung von Electronic Arts und deren Marke EA Sports FC. Seit Jahrzehnten dominiert EA den Markt für Fußballsimulationen nahezu unangefochten. Sollte Take-Two tatsächlich mit einer eigenen, lizenzierten Fußballsimulation auf den Markt kommen, würde dies eine Zäsur in der Videospielbranche darstellen. Den Berichten zufolge ist der Markt für Sportspiele hochgradig gesättigt, aber auch extrem lukrativ. Take-Two scheint bereit zu sein, das Risiko einzugehen, um sich einen Teil dieses Kuchens zu sichern. Der Erfolg eines solchen Unterfangens hängt jedoch nicht nur von der technischen Qualität ab, sondern auch von der Akzeptanz durch die Spielerschaft, die bei Sportspielen oft sehr konservativ auf Veränderungen reagiert. Zudem ist die Frage der Lizenzen entscheidend: Ohne die echten Namen der Vereine und Spieler ist es für einen neuen Akteur extrem schwierig, gegen eine etablierte Marke wie EA Sports FC zu bestehen. Die Strategie von Take-Two scheint daher darauf ausgerichtet zu sein, durch die Kombination aus Branchenerfahrung und potenziellen offiziellen Lizenzen eine ernsthafte Alternative zu schaffen.
Was wir noch nicht wissen: Offene Fragen zum Projekt
Trotz der klaren Indizien bleiben zahlreiche Fragen zum Projekt der Small Axe Studios unbeantwortet. Die wichtigste Lücke ist die offizielle Bestätigung der Lizenzpartnerschaft zwischen Take-Two und der Fifa. Bisher handelt es sich bei den Informationen über die Verhandlungen lediglich um unbestätigte Berichte, die zwar durch die Neugründung an Plausibilität gewinnen, aber eben keine Fakten sind. Ebenso unklar bleibt der zeitliche Rahmen: Wann genau ist mit einer ersten spielbaren Version oder einer offiziellen Ankündigung des Spiels zu rechnen? Der Quelltext macht hierzu keinerlei Angaben. Auch über die inhaltliche Tiefe des Spiels oder die technologische Basis, auf der die Simulation entwickelt wird, gibt es keine Informationen. Wird das Spiel auf der Engine der NBA-Reihe aufbauen oder entwickelt das Team in Vancouver eine völlig neue technologische Grundlage? Zudem ist nicht bekannt, ob das Spiel exklusiv für bestimmte Plattformen erscheinen soll oder ob Take-Two eine breite Verfügbarkeit anstrebt. Diese Lücken lassen Raum für Spekulationen, zeigen aber auch, wie früh sich das Projekt in der tatsächlichen Umsetzung befinden könnte.
Der Blick nach vorne: Was als Nächstes zu erwarten ist
Wie es mit den Small Axe Studios weitergeht, hängt nun maßgeblich von den weiteren Schritten des Managements in Vancouver ab. Zunächst steht der Aufbau des Entwicklerteams im Vordergrund, um die notwendige Infrastruktur für ein AAA-Projekt zu schaffen. Beobachter werden in den kommenden Monaten genau verfolgen, welche weiteren Personalentscheidungen getroffen werden und ob es offizielle Stellungnahmen zu den Lizenzverhandlungen geben wird. Termine für eine erste Präsentation des Spiels wurden bisher nicht genannt, was darauf hindeutet, dass sich das Projekt noch in einer sehr frühen Phase befindet. Die Branche wartet nun gespannt auf Signale, ob die Fifa tatsächlich den Weg für eine neue Partnerschaft freimacht oder ob Take-Two möglicherweise einen anderen Weg einschlägt, um im Fußballsegment Fuß zu fassen. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Small Axe Studios lediglich ein ambitioniertes Experiment bleiben oder ob sie tatsächlich das Fundament für den nächsten großen Konkurrenten im Bereich der Sportspiele legen werden. Die Erwartungshaltung ist hoch, und der Druck auf das Team in Vancouver, ein konkurrenzfähiges Produkt zu liefern, wird mit jeder neuen Meldung wachsen.