Ein goldener Sommer für den spanischen Sport
Nur eine Woche nach dem historischen Erfolg der spanischen Nationalmannschaft bei der Fußball-WM haben auch die Segler des Landes für Furore gesorgt. Beim SailGP im britischen Portsmouth demonstrierte das Team „Los Gallos“ erneut seine Klasse. In einem hochkarätig besetzten Vierer-Finale setzten sich die Spanier gegen die Konkurrenz aus Schweden (Artemis), Kanada (NorthStar) und der Schweiz (Explora Journeys) durch.
Der Sieg war das Ergebnis einer taktischen Meisterleistung. Trotz eines verhaltenen Starts in das entscheidende Rennen bewies die Crew um den 49er-Olympiasieger Diego Botin ein feines Gespür für die Windverhältnisse. Zur Rennhalbzeit wählten die Spanier eine andere Kursseite als die bis dahin führenden Schweden. Mit diesem strategischen Kniff übernahmen sie auf dem vorletzten Abschnitt die Führung und verteidigten diese bis ins Ziel.
Aufholjagd in der Gesamtwertung
Für die spanische Equipe markiert der Triumph in Portsmouth den zweiten Sieg in Folge in der sechsten SailGP-Saison, nachdem sie bereits im Juni in Halifax erfolgreich waren. Mit nun 54 Punkten rücken sie in der Meisterschaftswertung bedrohlich nah an die australischen Rekordmeister, die „Bonds Flying Roos“, heran, die derzeit mit 66 Punkten die Tabelle anführen. In Portsmouth kamen die Australier nicht über einen siebten Platz hinaus, was die Spannung für die verbleibenden fünf Saisonstationen weiter erhöht.
Herausfordernde Bedingungen und Favoritensterben
Das Rennwochenende im Solent-Revier war geprägt von einem extrem hohen Leistungsdichte. Bei sogenannten „Champagner-Segelbedingungen“ und Geschwindigkeiten von bis zu 100 km/h zeigten die F50-Katamarane ihr volles Potenzial. Dass es in den zehn ausgetragenen Rennen zehn verschiedene Sieger gab, unterstreicht die Ausgeglichenheit der internationalen Segel-Elite.
Für einige Mitfavoriten verlief das Wochenende jedoch enttäuschend. Besonders die britischen SailGP-Meister von 2025 um Fahrer Dylan Fletcher erlebten vor heimischer Kulisse vor rund 10.000 Zuschauern pro Tag ein Debakel. Mit einem elften Platz unter 13 Teams blieben sie ohne Punkte und rutschten in der Gesamtwertung auf den fünften Rang ab.
Team Germany: Zwischen Pech und Hoffnung
Auch für das deutsche Team verlief der Auftakt der europäischen Phase nicht nach Wunsch. Mit Rang zehn in Portsmouth blieb die Crew um Steuermann Erik Kosegarten-Heil hinter den eigenen Erwartungen zurück. Bereits in der ersten Hälfte des Events büßte das Team durch Startschwierigkeiten wertvollen Boden ein.
Besonders dramatisch gestaltete sich der Samstag: Ein Abstimmungsfehler an Bord führte beinahe zu einer Kenterung. Obwohl Experten die anschließende Rettungsaktion als brillant bewerteten, war die gute Ausgangsposition im Feld verloren. Am Sonntag zeigte das Team zwar durch einen dominanten Rennsieg und die Auszeichnung von James Wierzbowski als „Flight Controller des Tages“ sein Potenzial, doch eine umstrittene Schiedsrichterentscheidung im Duell mit dem US-Team warf die Deutschen im letzten Rennen auf Platz fünf zurück.
Blick nach vorn: Das Heimspiel in Sassnitz
Mit nur einem Punkt aus Portsmouth liegt das deutsche Team aktuell auf dem achten Tabellenplatz. Dennoch herrscht Optimismus im Lager der Mannschaft, die von Unternehmer Thomas Riedel und dem viermaligen Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel unterstützt wird. Der Fokus liegt nun voll auf dem kommenden deutschen Heimspiel am 22. und 23. August in Sassnitz.
Die Erinnerungen an die Ostsee sind positiv: Im vergangenen Jahr gelang dem Team dort mit einem fünften Platz die Trendwende, die schließlich in einen Sieg auf dem Genfersee mündete. Nach den Stationen in Sassnitz, Valencia, Genf, Dubai und Abu Dhabi wird sich zeigen, ob die deutsche Crew den Anschluss an die Spitze wiederherstellen kann.