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Sorgen um Geld: Frauen fühlen sich finanziell unsicherer
Wirtschaft · 07.10.2026 09:14

Sorgen um Geld: Frauen fühlen sich finanziell unsicherer

Kurz: Eine neue Umfrage zeigt: Frauen in Deutschland blicken deutlich sorgenvoller auf ihre finanzielle Zukunft als Männer. Fehlende Spielräume sind die Hauptursache.

Die finanzielle Unsicherheit bei Frauen nimmt besorgniserregende Ausmaße an

Die finanzielle Zukunft bereitet einem erheblichen Teil der weiblichen Bevölkerung in Deutschland große Sorgen. Aktuellen Erhebungen zufolge blicken fast 50 Prozent der Frauen mit einer deutlichen Anspannung auf ihre wirtschaftliche Situation im Alter. Diese Entwicklung ist kein bloßes subjektives Empfinden, sondern spiegelt sich in einer repräsentativen Online-Umfrage wider, die im Auftrag des unabhängigen Geldratgebers Finanztip durchgeführt wurde. Die Ergebnisse verdeutlichen eine signifikante Diskrepanz zwischen den Geschlechtern: Während 47 Prozent der befragten Frauen angeben, große oder sehr große Sorgen um ihre Altersvorsorge zu haben, liegt dieser Wert bei den Männern bei lediglich 35 Prozent. Besonders alarmierend ist die Lage bei der jüngeren Generation. In der Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen fühlen sich lediglich 37 Prozent der Frauen sicher in Bezug auf ihre persönlichen Finanzen. Im direkten Vergleich dazu äußern 55 Prozent der gleichaltrigen Männer ein Gefühl der finanziellen Sicherheit. Diese Zahlen unterstreichen, dass die Sorge um das Geld bereits in jungen Jahren beginnt und sich durch verschiedene Lebensphasen hindurchzieht, wobei Frauen systematisch benachteiligt scheinen.

Konkrete Hürden und die statistische Realität des Sparens

Die Daten der Umfrage liefern detaillierte Einblicke in die Gründe für diese Unsicherheit. Ein zentraler Faktor ist das schlichte Fehlen von finanziellem Spielraum, um überhaupt nennenswerte Rücklagen für die Zukunft bilden zu können. Knapp 45 Prozent der Frauen identifizieren den Mangel an verfügbarem Kapital als das größte Hindernis für eine effektive Altersvorsorge. Die Zahlen sind hierbei drastisch: Gut jede vierte Frau, also 26 Prozent der Befragten, verfügt nach Abzug der regelmäßigen monatlichen Ausgaben über weniger als 50 Euro oder gar über keinerlei Mittel, die für Sparen, Investitionen oder eine private Vorsorge genutzt werden könnten. Bei den Männern stellt sich die Situation etwas anders dar, wenngleich auch hier Herausforderungen bestehen. Etwa 36 Prozent der Männer geben zwar ebenfalls an, aufgrund eines zu geringen Budgets nicht mehr für die Zukunft tun zu können, doch nur 17 Prozent von ihnen berichten, dass sie monatlich weniger als 50 Euro oder gar nichts zur Verfügung haben. Diese Differenz verdeutlicht, dass Frauen über alle Einkommensschichten hinweg häufiger mit einer extremen finanziellen Enge konfrontiert sind, die jegliche langfristige Planung massiv erschwert.

Die strukturellen Ursachen der finanziellen Schieflage

Warum Frauen finanziell häufiger schlechter dastehen als Männer, ist auf ein komplexes Geflecht aus strukturellen und gesellschaftlichen Faktoren zurückzuführen. Die Umfrageteilnehmerinnen benennen hierbei vor allem die steigenden Lebenshaltungskosten als Hauptbelastung, was 51 Prozent der Frauen bestätigen. Ein zu geringes Einkommen wird von 36 Prozent als wesentlicher Faktor genannt, während 22 Prozent unter der Last von Schulden und Krediten leiden. Ein weiterer entscheidender Punkt ist die Arbeitszeitgestaltung. Rund 15 Prozent der Frauen führen Teilzeitbeschäftigungen oder reduzierte Arbeitszeiten als Grund für ihre prekäre finanzielle Lage an, während dies bei den Männern nur auf sieben Prozent zutrifft. Diese Diskrepanz wird durch den sogenannten „Gender Hours Gap“ untermauert, den das Statistische Bundesamt veröffentlicht hat. Im Jahr 2025 arbeiteten Männer über alle Beschäftigungsverhältnisse hinweg im Durchschnitt gut 34 Stunden pro Woche, während Frauen auf knapp 28 Stunden kamen. Dies bedeutet, dass Frauen 18 Prozent weniger Zeit für bezahlte Erwerbsarbeit aufbrachten. Diese Zeit fehlt nicht nur im Portemonnaie, sondern wirkt sich direkt auf die Rentenansprüche aus.

Die unsichtbare Last der unbezahlten Arbeit

Ein wesentlicher Hintergrund für die geringere Erwerbsarbeitszeit von Frauen ist die enorme Menge an unbezahlter Care-Arbeit, die sie leisten. Laut einer Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend erbringen Frauen in Deutschland jährlich etwa 72 Milliarden Stunden an unbezahlter Arbeit. Dazu zählen unter anderem die Kinderbetreuung, die Pflege von Angehörigen sowie die allgemeine Haushaltsführung. Diese Tätigkeiten sind zwar gesellschaftlich unverzichtbar, werden jedoch nicht entlohnt und tragen somit nicht zur individuellen Altersvorsorge bei. Die Kombination aus Teilzeitarbeit, die oft aufgrund familiärer Verpflichtungen gewählt wird, und der hohen Belastung durch unbezahlte Tätigkeiten führt dazu, dass Frauen weniger Zeit und Energie in den Aufbau von Vermögen investieren können. Hinzu kommen rechtliche Hürden, wie beispielsweise die Situation von selbstständigen Frauen, die nicht unter das Mutterschutzgesetz fallen und somit bei einer Schwangerschaft ein hohes wirtschaftliches Risiko tragen, was die finanzielle Planung zusätzlich verkompliziert.

Einordnung der Ergebnisse und der Bedarf an Orientierung

Einzuordnen ist diese Situation als ein systemisches Problem, das weit über individuelle Sparentscheidungen hinausgeht. Den Berichten zufolge benötigen Frauen keineswegs spezielle „Frauen-Finanzprodukte“, wie oft fälschlicherweise suggeriert wird. Vielmehr besteht ein dringender Bedarf an verständlicher Orientierung, die ihre spezifische Lebensrealität – etwa Phasen der Elternzeit oder die Notwendigkeit von Teilzeitarbeit – berücksichtigt. Mirjam Mohr, Geschäftsführerin von Finanztip, betont, dass Frauen sich vor allem mehr finanziellen Spielraum wünschen, um überhaupt agieren zu können. Etwa 37 Prozent der befragten Frauen gaben dies als ihren größten Wunsch an. Zudem besteht ein hoher Bedarf an Aufklärung: Jede fünfte Frau wünscht sich verständliche Erklärungen zu komplexen Finanzthemen, und 17 Prozent suchen nach einfachen Schritt-für-Schritt-Anleitungen. Die finanzielle Unsicherheit ist somit nicht auf mangelndes Interesse zurückzuführen, sondern auf den Mangel an Ressourcen und die Komplexität der Rahmenbedingungen, die eine eigenständige Vorsorge für viele Frauen derzeit nahezu unmöglich machen.

Offene Fragen und der Weg in die Zukunft

Der vorliegende Quelltext lässt einige Fragen offen, die für eine vollständige Analyse der Problematik relevant wären. So wird beispielsweise nicht explizit beantwortet, welche konkreten politischen Maßnahmen oder gesetzlichen Änderungen die Befragten als wirksame Hilfe gegen ihre finanzielle Unsicherheit ansehen würden, abgesehen von dem allgemeinen Wunsch nach mehr Spielraum. Auch bleibt unklar, inwieweit sich die finanzielle Situation von Frauen in verschiedenen Bundesländern oder sozialen Schichten unterscheidet, da die Umfrageergebnisse hier nur aggregierte Werte liefern. Zudem wird nicht detailliert ausgeführt, welche Rolle das Ehegattensplitting oder andere steuerliche Anreize in der Wahrnehmung der Frauen spielen. Wie es weitergeht, hängt nun maßgeblich davon ab, ob die Politik auf die Forderungen nach besseren Rahmenbedingungen für Selbstständige und die Anerkennung von Care-Arbeit reagiert. Die Debatte um die finanzielle Gleichstellung ist durch diese Umfrage erneut befeuert worden, doch konkrete Zeitpläne für Reformen, die den „Gender Hours Gap“ schließen könnten, werden im Text nicht genannt. Die finanzielle Vorsorge bleibt für viele Frauen somit eine Herausforderung, die ohne strukturelle Veränderungen kaum zu bewältigen ist.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/fashion-mode-jeans-einkaufen-18066265/ · Foto: Engin Akyurt
Quelle: https://www.tagesschau.de/wirtschaft/finanzen/finanzen-frauen-sicherheit-unsicher-100.html