Einzigartiges Forschungsprojekt zur Sonnenfinsternis
Wenn sich am 12. August 2026 der Mond vor die Sonne schiebt, bietet sich für die Wissenschaft eine seltene Gelegenheit. Während in Deutschland lediglich eine partielle Verdunkelung zu beobachten sein wird, erlebt die iberische Halbinsel eine totale Sonnenfinsternis. Dieses Naturschauspiel nehmen Forschende in Katalonien zum Anlass, um im Rahmen des Projekts „Solaris“ die Auswirkungen des Phänomens auf den menschlichen Körper zu untersuchen.
Das Vorhaben ist als Citizen-Science-Projekt konzipiert. Initiiert durch das Ministerium für Forschung und Hochschulen unter dem Motto „Katalonien schaut in den Himmel“, beteiligen sich das Vall d’Hebron Research Institute sowie das Institut für Weltraumstudien von Katalonien (IEEC) an der Datenerhebung.
Vitaldaten per App erfassen
Der Kern des Projekts ist die Nutzung von Wearables. Da Smartwatches und Fitness-Tracker heute weit verbreitet sind, können Teilnehmende ihre Gesundheitsdaten ohne Laborbesuch zur Verfügung stellen. Die eigens entwickelte „Solaris“-App dient dabei als Schnittstelle. Wer an der Studie teilnehmen möchte, installiert die Anwendung und stellt seine Vitaldaten für einen Zeitraum von insgesamt fünf Tagen bereit.
Dieser Beobachtungszeitraum ist bewusst gewählt: Er umfasst zwei Tage vor der Sonnenfinsternis, den Tag des Ereignisses selbst sowie zwei Tage danach. Durch diesen Aufbau erhalten die Forschenden nicht nur Daten während des eigentlichen Phänomens, sondern verfügen zudem über einen Kontrollzeitraum, um die Werte besser einordnen zu können. Erfasst werden dabei primär die Herzfrequenz sowie Atemmuster der Probanden.
Physiologische Reaktion auf ein Naturereignis
Die Hypothese der Forschenden ist, dass die Kombination aus plötzlicher Dunkelheit, sinkenden Temperaturen und dem gemeinsamen Erleben eines außergewöhnlichen Ereignisses messbare physiologische Spuren hinterlässt. Núria Montserrat, die spanische Ministerin für Forschung und Hochschulen, betont den besonderen Charakter der Situation. Die Hoffnung ist, dass die aggregierten Datenmengen Aufschluss über die körperliche Reaktion auf ein solches kollektives Naturerlebnis geben können.
Das Interesse an der Studie ist laut Berichten bereits vorhanden: Die App wurde bereits von mehreren tausend Personen heruntergeladen. Die niedrige Hürde zur Teilnahme soll eine möglichst breite Datenbasis schaffen, die Eduard Masana vom IEEC als wesentlichen Vorteil gegenüber klassischen, stationären Studien hervorhebt.
Einordnung der Datenqualität
Trotz des innovativen Ansatzes weisen die Verantwortlichen auf die Grenzen der Methode hin. Smartwatches und Consumer-Wearables sind nicht mit medizinischen Präzisionsgeräten gleichzusetzen. Die Genauigkeit der Daten kann je nach Hersteller und Modell variieren, weshalb sie Laboruntersuchungen nicht vollständig ersetzen können.
Die gesammelten Informationen dienen daher eher als Grundlage für erste Einblicke in die physiologischen Zusammenhänge. Bevor wissenschaftlich fundierte Schlussfolgerungen gezogen werden können, sind nach der Datenerhebung umfangreiche Analysen notwendig, um die Qualität und Vergleichbarkeit der verschiedenen Geräte-Inputs zu bewerten. Dennoch markiert das Solaris-Projekt einen interessanten Weg, wie moderne Alltagstechnologie genutzt werden kann, um großflächige wissenschaftliche Beobachtungen zu ermöglichen.