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So lief die Debatte um die Guterres-Nachfolge
Politik · 24.07.2026 07:37

So lief die Debatte um die Guterres-Nachfolge

Kurz: Wer tritt die Nachfolge von António Guterres an? Sechs Kandidaten stellten sich einer Debatte über die Zukunft der Vereinten Nationen und ihre Handlungsfähigkei

Ein kritischer Blick auf die Weltorganisation

Die Suche nach einer Nachfolge für UN-Generalsekretär António Guterres hat eine öffentliche Debatte ausgelöst, die weit über bloße Personalfragen hinausgeht. Sechs Bewerberinnen und Bewerber nutzten eine Veranstaltung in der Generalversammlung, um ihre Visionen für die Vereinten Nationen zu präsentieren. Dabei kristallisierte sich ein gemeinsamer Nenner heraus: Die UN befinden sich in einer tiefen Krise und drohen, in der internationalen Politik an den Rand gedrängt zu werden.

Obwohl der amtierende Generalsekretär Guterres während der Veranstaltung namentlich nicht direkt adressiert wurde, war die Kritik an der aktuellen Führung der Organisation unüberhörbar. Die Kandidaten zeichneten das Bild einer Institution, die bei der Lösung globaler Konflikte kaum noch eine gestaltende Rolle spielt.

Der Vorwurf der Handlungsunfähigkeit

Besonders deutlich wurde Rafael Grossi, der aktuelle Direktor der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA). Er kritisierte scharf, dass die Vereinten Nationen bei den drängendsten Konflikten der Gegenwart faktisch abwesend seien. Während Guterres in seiner Amtszeit oft mit dem Argument verteidigt wurde, dass die Blockadehaltung der Vetomächte im UN-Sicherheitsrat jeden Handlungsspielraum einenge, lässt Grossi dieses Argument nur bedingt gelten.

Der 65-Jährige verwies auf seine eigene Arbeit bei der IAEA. Trotz der schwierigen politischen Großwetterlage sei es gelungen, Russland und die Ukraine an einen Tisch zu bringen, um die Sicherheit des Atomkraftwerks Saporischschja durch vermittelte Feuerpausen zu gewährleisten. Dies unterstreicht die Debatte darüber, ob ein UN-Generalsekretär lediglich als administrativer „Sekretär“ agieren muss oder ob durch diplomatisches Geschick mehr politischer Spielraum möglich wäre.

Visionen für eine reformierte UN

Unter den Bewerbern hinterließ Rebeca Grynspan, ehemalige Vizepräsidentin von Costa Rica und derzeitige Generalsekretärin der UNCTAD, einen starken Eindruck. Sie plädiert für eine Neuausrichtung, bei der die Vereinten Nationen wieder aktiv in den Entscheidungsprozessen mitwirken. Grynspan verwies auf ihre Rolle beim Getreideabkommen, das vor vier Jahren eine globale Hungerkrise abwenden konnte. Ihr Ziel ist eine Politik des Friedens durch Handel, wobei sie sich klar gegen protektionistische Tendenzen und Zölle ausspricht.

Die Fragen der Botschafter und Moderatoren zielten dabei auf die Kernprobleme ab: Wie kann die Effizienz der UN gesteigert werden? Welche Prioritäten müssen in den ersten 100 Tagen gesetzt werden? Und wie lässt sich die Blockade durch die Vetomächte überwinden?

Chancen und Hürden im Auswahlprozess

Nicht alle Bewerber konnten gleichermaßen überzeugen. Michelle Bachelet, die frühere Präsidentin Chiles, blieb in der Debatte hinter den Erwartungen zurück. Beobachter schätzen ihre Chancen aufgrund ihres starken Engagements für Frauenrechte als gering ein, da dies bei der aktuellen US-Regierung auf Widerstand stößt. Auch andere Kandidaten wie María Fernanda Espinosa oder Macky Sall konnten das Publikum nicht vollends für sich gewinnen. Als positive Überraschung wurde hingegen die 52-jährige UN-Botschafterin aus Guyana, Carolyn Rodrigues-Birkett, wahrgenommen.

Der eigentliche Entscheidungsprozess findet jedoch abseits der öffentlichen Bühne statt. Die 15 Mitgliedsstaaten des UN-Sicherheitsrates halten die Schlüssel in der Hand. Für eine erfolgreiche Wahl sind mindestens neun Ja-Stimmen erforderlich, wobei jede der fünf Vetomächte das Verfahren durch ein Nein stoppen kann.

Der Einfluss der Großmächte

Es bleibt abzuwarten, ob die USA, China und Russland den Prozess erneut unter sich ausmachen oder ob eine breite Unterstützung für eine neue Führung möglich ist. Auch die Hoffnung von Annalena Baerbock, der Präsidentin der UN-Generalversammlung, die erste Frau an der Spitze der Vereinten Nationen zu sehen, steht vor einer unsicheren Zukunft. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Debatte über die inhaltliche Neuausrichtung der UN bei der finalen Entscheidung durch den Sicherheitsrat tatsächlich Gewicht haben wird.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/neues-rathaus-hannover-22813449/ · Foto: Daniel Lengies
Quelle: https://www.tagesschau.de/ausland/gueterres-debatte-100.html