Ein historischer Ritt in die Alpen
Tadej Pogacar hat bei der 19. Etappe der Tour de France ein weiteres Kapitel Radsport-Geschichte geschrieben. Mit einer Zeit von 35 Minuten und 27 Sekunden für den 13,8 Kilometer langen Anstieg nach Alpe d'Huez unterbot der Slowene den bisherigen Rekord von Marco Pantani aus dem Jahr 1995 um mehr als eine Minute. Während Pogacar den Fortschritt des Radsports in den letzten fünf Jahren als Grund für die neue Bestmarke anführt, unterstreicht die Leistung seine Ausnahmestellung im aktuellen Fahrerfeld.
Geschwächte Helfer, starke Taktik
Der Erfolg in den 21 Kehren von Alpe d'Huez war keineswegs ein Selbstläufer. Pogacars Team UAE Emirates ging geschwächt in die entscheidende Phase der Rundfahrt. Krankheitsbedingte Ausfälle, darunter der US-Amerikaner Brandon McNulty, sowie die reduzierte Leistungsfähigkeit weiterer Helfer wie Adam Yates stellten den Kapitän vor Herausforderungen. Zwar leistete Yates im Schlussanstieg noch eine minimale Unterstützung als Relaisstation, doch die gewohnte Dominanz des Teams war durch die gesundheitlichen Rückschläge eingeschränkt.
Die Rolle der Konkurrenz als Steigbügelhalter
Der Etappensieg wäre ohne eine spezifische taktische Konstellation im Feld kaum möglich gewesen. Eine prominent besetzte Ausreißergruppe hatte sich zwischenzeitlich einen Vorsprung von bis zu viereinhalb Minuten erarbeitet. Dass dieser Abstand am Fuße des Schlussanstiegs auf drei Minuten schrumpfte, verdankte Pogacar primär der Sorge anderer Teams um ihre Positionen im Gesamtklassement.
Der Franzose Lenny Martinez, der als Neunter in die Etappe gestartet war, zwang durch seine Präsenz in der Spitzengruppe die hinter ihm platzierten Teams zum Handeln. Mannschaften wie Red Bull-Bora-hansgrohe und Lidl-Trek sahen sich gezwungen, Nachführarbeit zu leisten, um ihre eigenen Klassementfahrer wie Juan Ayuso oder Mattias Skjelmose vor dem aufstrebenden Martinez zu schützen. Diese ungewollte Unterstützung für den Mann im Gelben Trikot ebnete Pogacar den Weg, um die Ausreißer am Berg systematisch einzuholen.
Herausforderungen für die Verfolger
Für Remco Evenepoel, den Zweitplatzierten der Gesamtwertung, verlief der Tag trotz der Festigung seiner Position nicht ohne Hindernisse. In den dichten Fanmassen von Alpe d'Huez wurde der Belgier durch blockierte Motorräder aufgehalten, was ihn wertvolle Zeit kostete. Dennoch blickt Evenepoel optimistisch auf die kommende Königsetappe, die erneut in Alpe d'Huez endet. Er erwartet ein weniger explosives, aber ausdauerndes Rennen, das seinem Fahrstil entgegenkommen könnte.
Fokus auf das Weiße Trikot
Nachdem Pogacar seine Ambitionen auf der 19. Etappe erfolgreich umgesetzt hat, richtet sich der Blick des Teams nun auf die Unterstützung von Isaac del Toro. Der junge Fahrer verteidigte das Weiße Trikot des besten Nachwuchsprofis und konnte seinen Vorsprung auf Paul Seixas leicht ausbauen. Pogacar betonte, dass die Mannschaft in den verbleibenden Tagen alles daran setzen werde, del Toro auf dem Podium zu halten. Sollte es erneut nötig sein, wird das Team dabei wohl wieder auf die Dynamik im Feld hoffen müssen, die sich bereits in Alpe d'Huez als entscheidender Faktor erwies.