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Sicherheit: KIT-Forscher identifizieren Personen via Wlan
Technik · 17.08.2026 09:01

Sicherheit: KIT-Forscher identifizieren Personen via Wlan

Kurz: Forscher des KIT haben eine Methode entwickelt, um Personen anhand von WLAN-Signalen zu identifizieren – ganz ohne Kameras oder mobile Geräte der Zielpersonen.

Was geschehen ist – die Kernmeldung ausführlich

Ein Forschungsteam des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT), genauer gesagt vom dortigen Institut Kastel, hat eine technologische Methode präsentiert, die weitreichende Konsequenzen für die Privatsphäre im öffentlichen Raum haben könnte. Die Wissenschaftler haben einen Weg gefunden, wie Personen allein durch die Analyse von WLAN-Signalen identifiziert werden können. Das Besondere an diesem Ansatz ist, dass er völlig ohne optische Hilfsmittel wie Kameras auskommt. Zudem müssen die betroffenen Personen keinerlei elektronische Geräte wie Smartphones oder Wearables bei sich tragen, um von dem System erfasst zu werden. Die Technologie nutzt stattdessen die physikalischen Gegebenheiten der Funkwellenausbreitung in einer Umgebung, in der aktive WLAN-Geräte vorhanden sind. Damit wird jeder handelsübliche WLAN-Router potenziell zu einem Instrument der Überwachung. Die Forscher konnten in ihren Versuchen nachweisen, dass es möglich ist, Passanten, die beispielsweise an einem Café vorbeigehen, unbemerkt zu erfassen und sie später anhand der gewonnenen Daten wiederzuerkennen. Diese Entwicklung markiert einen signifikanten Fortschritt in der passiven Erfassung von Menschen, da sie keine aktive Kooperation oder technische Ausstattung der Zielobjekte erfordert und zudem unauffällig im Hintergrund abläuft, ohne dass die Betroffenen den Überwachungsvorgang bemerken könnten.

Die Einzelheiten – Zahlen, Namen und technische Details

Die technische Umsetzung basiert auf der Auswertung der sogenannten Beamforming Feedback Information (BFI). Diese Daten werden von WLAN-Geräten standardmäßig unverschlüsselt an den Router gesendet, um die Qualität der Funkübertragung durch eine gezielte Ausrichtung der Signale zu optimieren. Das Forschungsteam, dem unter anderem Thorsten Strufe, der Leiter des Lehrstuhls für Privacy and Security am KIT, sowie der Doktorand Felix Morsbach und Julian Todt angehören, nutzt genau diese unverschlüsselten Informationen. Da diese Signale für jeden in Reichweite des Netzwerks passiv mitlesbar sind, ist kein direkter Zugriff auf das Zielnetzwerk erforderlich. In einer Versuchsreihe mit 197 Teilnehmern konnte das Team eine beeindruckende Genauigkeit von 99,5 Prozent bei der Identifizierung erzielen. Dabei spielte es keine Rolle, welchen Gehstil die Personen an den Tag legten oder aus welchem Blickwinkel sie erfasst wurden. Ein mittels maschinellem Lernen trainiertes Modell verarbeitet die empfangenen Funksignale und erstellt daraus Abbildungen der Personen, die innerhalb weniger Sekunden eine Identifizierung ermöglichen. Im Gegensatz zu früheren Forschungsansätzen, die noch auf teure Spezialhardware wie Lidar-Sensoren oder hochkomplexe Messungen der Channel-State-Information angewiesen waren, genügt für dieses neue Verfahren handelsübliche Standard-Hardware, was die praktische Umsetzung massiv vereinfacht.

Hintergrund – Die Entwicklung der Technologie

Die Forschung am KIT ist in einen Kontext eingebettet, in dem die passive Überwachung durch Funkwellen zunehmend in den Fokus wissenschaftlicher Untersuchungen rückt. Während in der Vergangenheit oft aufwendige technische Setups notwendig waren, um Personen durch Wände oder über Distanzen hinweg mittels Funkwellen zu erfassen, hat das Team um Thorsten Strufe nun einen Weg gefunden, die ohnehin vorhandene WLAN-Infrastruktur für diese Zwecke zu instrumentalisieren. Die Entwicklung knüpft an die stetige Verbesserung der WLAN-Standards an, die immer präzisere Informationen zur Signaloptimierung – wie eben das Beamforming – erfordern. Die Forscher erkannten, dass diese für die Netzwerkleistung nützlichen Daten eine unbeabsichtigte Informationsquelle über die physische Umgebung darstellen. Da die Signale zur Optimierung der Funkkommunikation unverschlüsselt übertragen werden, entstand eine Sicherheitslücke, die nun durch das KIT-Team wissenschaftlich dokumentiert wurde. Die bisherige Forschung konzentrierte sich oft auf die Detektion von Bewegungen oder die Anwesenheitserkennung; die nun vorgestellte Methode geht jedoch einen entscheidenden Schritt weiter, indem sie die Identifizierung spezifischer Individuen ermöglicht. Diese Entwicklung ist das Resultat einer systematischen Analyse der Schwachstellen in der Funkkommunikation, die bisher eher als technische Notwendigkeit denn als Sicherheitsrisiko wahrgenommen wurden.

Die Beteiligten – Wer forscht und wer warnt

Die Federführung bei diesem Projekt liegt beim Karlsruher Institut für Technologie (KIT), insbesondere bei den Experten des Instituts Kastel. Thorsten Strufe, der als Leiter des Lehrstuhls für Privacy and Security am KIT fungiert, tritt als einer der Hauptakteure auf, der die wissenschaftliche Relevanz und die gesellschaftlichen Implikationen der Arbeit einordnet. Er betont insbesondere die Gefahren, die von einer solchen Technologie für die Grundrechte und die Privatsphäre ausgehen. Unterstützt wird er dabei von seinem Team, zu dem auch der Doktorand Felix Morsbach gehört. Morsbach hebt hervor, dass die Technologie deshalb so gefährlich ist, weil sie im Vergleich zu sichtbaren Überwachungskameras keinen Verdacht erregt. Ein weiterer Beteiligter, Julian Todt, verdeutlicht die praktische Gefahr, indem er aufzeigt, wie jeder handelsübliche Router zum Überwachungsinstrument umfunktioniert werden kann. Die Forscher agieren hierbei in einer Doppelrolle: Sie identifizieren eine gravierende Sicherheitslücke und fungieren gleichzeitig als Mahner, die vor dem Missbrauch der Technologie durch Dritte oder staatliche Akteure warnen. Ihre Rolle ist die eines wissenschaftlichen Beobachters, der aufzeigt, was technisch möglich ist, um die Gesellschaft auf die notwendigen Schutzmaßnahmen vorzubereiten.

Einordnung – Was das bedeutet

Einzuordnen ist das Forschungsergebnis als ein Weckruf für die IT-Sicherheit und den Datenschutz. Den Berichten zufolge stellt die Methode eine erhebliche Bedrohung dar, da sie eine Überwachung ermöglicht, die sich der Wahrnehmung der Betroffenen vollständig entzieht. Da keine Kameras installiert werden müssen, umgeht das System die psychologische Hemmschwelle, die bei klassischer Videoüberwachung besteht. Die Forscher warnen explizit vor einem Einsatz in autoritären Staaten, in denen eine solche Technologie beispielsweise zur Überwachung von politischen Protesten genutzt werden könnte, ohne dass die Teilnehmer eine Möglichkeit hätten, die Überwachung zu bemerken oder ihr zu entgehen. Die Effektivität des Systems, das mit einer Genauigkeit von 99,5 Prozent arbeitet, unterstreicht, dass es sich hierbei nicht um ein theoretisches Labor-Experiment handelt, sondern um eine praktisch anwendbare Technologie. Die Einordnung durch die Experten am KIT macht deutlich, dass die Privatsphäre im digitalen Zeitalter durch die bloße Existenz von Funknetzwerken gefährdet ist, sofern die zugrunde liegenden Protokolle keine ausreichenden Sicherheitsvorkehrungen gegen das Mitlesen von Metadaten wie der Beamforming-Information vorsehen.

Offene Fragen – Was der Quelltext nicht beantwortet

Obwohl die Forscher die Funktionsweise und die Gefahren ihres Verfahrens detailliert dargelegt haben, bleiben einige Aspekte unbeantwortet. Der Quelltext gibt beispielsweise keine Auskunft darüber, wie groß die maximale Reichweite ist, innerhalb derer eine Identifizierung noch zuverlässig funktioniert. Es bleibt offen, ob das System auch in dicht besiedelten städtischen Umgebungen mit einer Vielzahl an überlagernden WLAN-Signalen gleichermaßen präzise arbeitet oder ob die Signalstörungen durch andere Netzwerke die Genauigkeit beeinträchtigen. Zudem wird nicht explizit thematisiert, welche Kosten für die Rechenleistung anfallen, um die Beamforming-Daten in Echtzeit in Identifizierungsergebnisse umzuwandeln. Auch die Frage, wie effektiv man sich gegen eine solche Überwachung schützen kann – etwa durch spezielle Abschirmungen oder Software-Lösungen, die die BFI-Daten verschleiern –, wird im vorliegenden Text nicht weiter vertieft. Es bleibt somit unklar, welche technischen Gegenmaßnahmen für den Endnutzer oder für Betreiber von öffentlichen WLAN-Hotspots kurzfristig möglich wären, um die Privatsphäre der Passanten wirksam zu schützen, ohne die Funktionalität der Netzwerke selbst zu beeinträchtigen.

Wie es weitergeht – Ausblick und Forderungen

Das Forschungsteam belässt es nicht bei der reinen Identifizierung der Sicherheitslücke, sondern formuliert konkrete Forderungen für die Zukunft. Die Wissenschaftler sprechen sich nachdrücklich dafür aus, dass entsprechende Schutzmaßnahmen direkt in die kommenden WLAN-Standards integriert werden müssen. Sie nehmen hierbei explizit Bezug auf den Standard IEEE 802.11bf. Dies ist ein entscheidender Punkt, da nur durch eine Änderung des Protokolls selbst eine flächendeckende Absicherung erreicht werden kann. Die Forscher sehen die Standardisierungsgremien in der Pflicht, die Privatsphäre der Nutzer bei der Entwicklung neuer WLAN-Generationen von Beginn an mitzudenken. Ob und wie diese Forderungen in den kommenden Spezifikationen des IEEE 802.11bf-Standards Gehör finden werden, bleibt abzuwarten. Die Arbeit des KIT-Teams dient somit als wissenschaftliche Grundlage für eine notwendige Debatte über die Sicherheit künftiger Funktechnologien, um zu verhindern, dass die ständige Verbesserung der Übertragungsqualität unweigerlich zu einer schleichenden Aushöhlung der Privatsphäre im öffentlichen Raum führt.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/optisches-laufwerk-1082327/ · Foto: FOX ^.ᆽ.^= ∫
Quelle: https://www.golem.de/news/sicherheit-kit-forscher-identifizieren-personen-via-wlan-2608-211981.html